Lieber arbeiten als ins Freibad

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Die Schülerinnen lernen an Übungsköpfen für Friseurlehrlinge, wie man Haare absteckt, blondiert und Locken wickelt.

Mühldorf - Mechatroniker, Elektriker, Friseur: 40 Schüler opfern im Bildungszentrum Mühldorf zwei Wochen ihrer Sommerferien, um in verschiedene Berufe hineinzuschnuppern.

"Männer, super", lobt Ausbilder Michael Pacher seine Arbeiter. Gerade haben sie in gemeinsamer Anstrengung einen Motor aus dem schrottreifen Auto gehoben, das einst ein fahrtüchtiger Renault war. Der Laie erkennt nicht mehr viel vom Wagen, den die Jungs schon weitgehend zerlegt haben. Während seine Helfer eine Ansaugbrücke an den Motor schrauben, fährt der Meister das Auto mit der Hebebühne an. Die Reifen werden abgeschraubt, der Klang erinnert an einen Boxenstop der Formel 1 - die Geschwindigkeit noch nicht. Trotzdem meint Pacher: "Tolle Leute, die kannst du zu was brauchen." Doch der Ausbilder lobt nicht etwa Mitarbeiter mit viel praktischer Erfahrung, sondern Schüler der siebten bis neunten Klassen. Sie nehmen an der Ferien-Werkstatt der Handwerkskammer für München und Oberbayern teil. In den Bildungszentren Mühldorf und Altötting bekommen sie in den ersten zwei Wochen der Sommerferien einen Einblick in verschiedene Berufe. Die Stationen, die die Schüler durchlaufen, reichen dabei von Kfz-Mechatroniker, Elektriker und Schreiner bis hin zum Friseur.

Im Keller warten deshalb Übungsköpfe aus Kunststoff auf die Nachwuchshaarkünstlerinnen. "Der Kopf ist zu klein", beklagt sich eine Kursteilnehmerin, die zu viele Lockenwickler übrig hat. Die Schülerinnen frisieren, blondieren, stecken Haare hoch. Die Ergebnisse können sich sehen lassen: Vom frechen Alltags-Look über die elegante Ball-Frisur bis zur mittelalterlichen Haartracht sind viele Stile vertreten. Die Jugendlichen sollen in der Ferien-Werkstatt ihre Stärken austesten und erste Anhaltspunkte für die Berufswahl gewinnen. Dabei können die Ausbilder der Handwerkskammer nicht nur helfen individuelle handwerkliche Fertigkeiten festzustellen, sondern auch Fragen zum Berufsbild beantworten. Und so löst sich bei den Friseurinnen in spe bereits der eine oder andere Berufswunsch in Luft auf. Manche, die ihre Zukunft in den Frisiersalons der Region sahen, orientieren sich schon nach zweieinhalb Tagen Probearbeiten um.

Zusammen mit Ausbilder Michael Pacher (links) heben die Jugendlichen -einen Moter aus einem Wagen.

Ein paar Meter weiter geht es laut zu. "A Ruah is", ruft Ausbilder Andreas Holzner in den Raum der Metallwerkstatt. Seine Bitte wird erhört: Die Fechtkämpfe mit Metallstangen werden eingestellt. Die Schüler versammeln sich um Holzner, der ihnen erklärt, was sie zu tun haben. Aus einer Aluminiumstange soll eine Pucksäge entstehen. Dazu biegen die Schüler die Stange erst an der Schraubzwinge in Form und feilen dann kleine Kerben hinein. Schließlich setzen sie das Sägeblatt in die Halterung, fertig ist das Werkzeug. Die Pucksägen und die Werkzeugkästen, die am Vortag gebastelt wurden, dürfen die Jugendlichen mit nach Hause nehmen. Genau wie die Kunstwerke, die sie in anderen Kursen angefertigt haben. Die Handwerkskammer bietet das Programm, das jeden Teilnehmer 60 Euro kostet, für alle Schularten an. Am Ende der zwei Wochen erhalten die Schüler ein Zertifikat für ihr Engagement in der Ferien-Werkstatt. Das können sie später einmal ihren Bewerbungen beilegen und sollen so bessere Chancen auf einen Ausbildungsplatz haben. Dass sie die Fähigkeiten dazu mitbringen, haben sie in der Ferien-Werkstatt schon bewiesen.

ks/Mühldorfer Anzeiger 

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