Das letzte gallische Dorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Südostbayernbahn innovativ: Die Leiter Kraller (links) und Kubasch vor der neuen Hackschnitzelheizung, in der Grüngut verfeuert wird. Es stammt von Ausholzungsarbeiten an Bahnstrecken in ganz Bayern, wird nach Mühldorf geliefert und beheizt dort Teile der Betriebsgebäude der SOB. Die Heizung betreibt ein externer Anbieter, die SOB kauf die Energie. Auch bei der Weichenheizung will die SOB neue Wege gehen, bei Sulzbach nutzt die SOB Erdwärme.

Mühldorf - Zum ersten Mal seit Jahren konnte die Südostbayernbahn ihren Umsatz nicht steigern. Die Leiter der SOB führen das auf rückläufige Fahrgastzahlen auf der Strecke nach München zurück.

Was viele freut, wird für die Südostbayernbahn (SOB) in Mühldorf zum Problem: Flexiblere Arbeitszeitmodelle mit der Möglichkeit von zu Hause aus zu arbeiten und die wachsende Zahl von Arbeitsplätzen in der Region führen zum Rückgang der Fahrgastzahlen in Richtung München. Die Folge: Der Umsatz der SOB sank nach stetem Wachstum auf 100 Millionen Euro vor zwei Jahren auf 98,2 im vergangenen Jahr. "Diesen Rückgang können wir nur über Neugeschäfte auffangen", sagt Christoph Kraller, Leiter der SOB.

Während die Umsatzzahlen nicht zufriedenstellen, freuen sich Kraller und sein Kollege Christian Kubasch, der für die Infrastruktur zuständig ist, über andere Werte: So ist nach ihren Angaben die Mitarbeiterzufriedenheit mit 77 Prozent weit überdurchschnittlich, auch die Zufriedenheit der Kunden ging im vergangenen Jahr von 69 auf 74 nach oben und liegt damit im Bereich der Wettbewerber. "Das ist der beste Wert, den wir je hatten", sagt Kraller über die Untersuchung, eines unabhängigen Instituts. Am schwächsten schnitt die SOB bei der Preisgestaltung und der Sauberkeit ab. In diesem Bereich hat die SOB bereits reagiert und lässt Züge auch während der Fahrt reinigen. Für die Außenreinigung wurde eine neue Waschstraße gebaut.

Deutlich über den Vorjahren liegt auch die Pünktlichkeit mit über 97 Prozent, wobei Züge bis fünf Minuten Verspätung als pünktlich gelten. Größtes Sorgenkind nach wie vor: die eingleisige, hochfrequentierte und damit besonders störanfällige Strecke nach München. "Wir stecken viel Energie darein, dass Reisende in Mühldorf auch bei Verspätungen einen Anschluss haben", sagt Infrastrukturchef Kubasch.

Insgesamt hat die SOB im vergangenen Jahr 36 Millionen Euro in ihr Schienennetz investiert, vier Millionen Euro stammten aus eigenen Mitteln und zwölf Millonen aus Konjunkturprogrammen, unter anderem die Ehringer Innbrücke oder das elektronische Stellwerk Burghausen. Mit dem Wegfall des Konjunkturpakets sinkt die Investitionssumme heuer auf 23 Millionen Euro. Im Sommer soll der Bahnhof Mühldorf fertig werden. Weitere Vorhaben 2012: ein Haltepunkt an der Fachhochschule Rosenheim, neue Bahnsteige und Übergänge in Simbach und Ebersberg.

Die SOB beschäftigt unverändert 770 Mitarbeiter, 75 davon sind Auszubildende und fünf Studenten an der Berufsakademie. Händeringend sucht die Bahn Mitarbeiter für die Stellwerke: "Es herrscht Hochbedarf bei den Fahrdienstleitern", sagt Kraller, auch Auszubildende zum Gleisbauer würden gesucht.

Bis 2016 ist der Betrieb der SOB garantiert, dann entscheidet die Bayerische Eisenbahngesellschaft, wer künftig den Personenverkehr in der Region betreibt. Noch gibt es keine Ausschreibungsunterlagen, auf die die SOB reagieren könnte. Deshalb sagt Kraller auch nichts über die Chancen. Ringsrum, betont er, fahren ausschließlich Privatanbieter wie die französische "Veolia". Kraller sagt: "Wir sind das letzte gallische Dorf." Und das will die SOB bleiben.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser