Klimaschutz steht im Mittelpunkt

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Professor Dr. Wolfgang Seiler begleitet im Landkreis Mühldorf den Klimaschutzfahrplan.

Mühldorf/Waldkraiburg - Der Landkreis Mühldorf und die Stadt Waldkraiburg sowie die Gemeinden Buchbach, Schwindegg und Haag erarbeiten derzeit einen Klimaschutzplan.

Begleitet wird dieses Pilotprojekt von Professor Dr. Wolfgang Seiler. Von ihm wollten wir wissen, welche Möglichkeiten die Kommunen haben, um diesen Plan in die Tat umzusetzen.

Was verstehen Sie unter einem Klimaschutzplan auf lokaler Ebene?

Der Landkreis Mühldorf am Inn hat beschlossen, bis zum Jahr 2030 unabhängig von fossilen Energieträgern wie Kohle, Erdgas und Erdöl zu werden und damit die Zukunftsfähigkeit des Landkreises zu sichern. Dieses Ziel lässt sich nur erreichen, wenn auf der einen Seite die Energie effizienter als bisher genutzt und auf der anderen Seite die verbleibende notwendige Energie durch erneuerbare Energiequellen bereitgestellt wird. Dieser Herausforderung können wir nur gerecht werden, wenn wir einen klaren Fahrplan mit konkreten Schritten und klaren Handlungsempfehlungen zum Klimaschutz erarbeiten und darauf aufbauend Maßnahmen auf Landkreisebene ableiten, die dann in Zusammenarbeit mit den Kommunen und den dort lebenden Bürgern umgesetzt werden. Eine Aktion ohne die Existenz eines solchen Klimaschutzplans auf lokaler Ebene wäre vergleichbar mit dem "Stochern im Nebel".

Macht es überhaupt Sinn, wenn sich der Landkreis Mühldorf und vier Gemeinden mit diesem Thema beschäftigten?

Absolut, denn es geht um die Zukunft des Landkreises und der darin gelegenen Gemeinden. Der Landkreis, der sich früh mit diesem Thema auseinandersetzt, hat alle Vorteile auf seiner Seite. Wie sagte schon Gorbatschow vor mehr als 20 Jahren treffend: "Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben!" In diesem Sinne hat der Landkreis den richtigen Schritt in die richtige Richtung getan. Richtig ist aber auch, dass es keine fertigen "Kochrezepte" zur Lösung des Problems existieren und darüber hinaus diese Lösungen auch von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich ausfallen. Deshalb wurde folgerichtig der Weg eingeschlagen, die Anstrengungen zunächst auf vier Gemeinden unterschiedlicher Größe zu beschränken und die dabei gemachten Erfahrungen in einem zweiten Schritt auf die anderen Gemeinden desLandkreises zu übertragen.

Ist der Klimaschutz und die Energiewende nicht mehr ein Thema für die Landes-, Bundes- und Europapolitik?

Es besteht kein Zweifel daran, dass die Vorgaben im Klimaschutz und bei der Energiewende auf höchster politischer Ebene erarbeitet werden müssen. Dazu sind internationale Vereinbarungen erforderlich, die dann auf europäischer bzw. nationaler Ebene übernommen werden müssen. Die Umsetzung der daraus abgeleiteten Maßnahmen betrifft aber jeden von uns und ist damit ein lokales oder regionales Thema, dem wir uns nicht entziehen können. Dabei sind die lokalen Gegebenheiten zu berücksichtigen und die Lösungsansätze entsprechen zu optimieren. Diese Ansätze sehen in Norddeutschland oder in der Stadt München ganz anders aus als im hiesigen Landkreis. Ein wichtiger, vielfach vergessener Aspekt ist die unmittelbare Beteiligung der Bürger, die auf lokaler und regionaler Ebene erfolgen muss.

Welche konkreten Maßnahmen können der Landkreis und die vier Gemeinden beim Klimaschutz und bei der Energiewende durchführen?

Die Auswahl der Möglichkeiten ist vielfältig und von den besonderen Gegebenheiten in den einzelnen Gemeinden abhängig. Wichtig ist, dass zunächst eine Bestandsaufnahme vorgenommen wird, das heißt untersucht wird, wer wieviel und in welcher Form Energie verbraucht, um auf dieser Basis konkrete Maßnahmen zur Energieeinsparung (z.B. Sanierung von Gebäuden) abzuleiten. Genauso wichtig ist es, die Potenziale der erneuerbaren Energien zu erfassen, um auf dieser Basis Maßnahmen zur stärkeren Nutzung der erneuerbaren Energien (Sonne, Wind, Wasserkraft, Biomasse) vorzunehmen. Im Rahmen dieser Maßnahmen sind auch die Flächennutzungsplanung für bestimmte energetische Nutzungen sowie die Bauleitplanung bei Fragen der Energieeinsparung zu berücksichtigen. Grundvoraussetzung für die Umsetzung der Maßnahmen ist eine Schärfung des Bewusstseins in der Bevölkerung, um damit die Bereitschaft und die Akzeptanz vor Ort für die Durchführung dieser Maßnahmen zu schaffen.

Wie wollen Sie die gesellschaftlichen Gruppen, die Wirtschaft und die Bürger im Landkreis an diesem Prozess beteiligen?

Als Einstieg erfolgt ab 14. September die Klimaschutzbefragung unserer Bürger landkreisweit, welche wiederum als Basis für Veranstaltungen vor Ort in den Kommunen dienen wird. Die Stimmung und Haltung der Bürger soll dabei "aufgespürt" werden. Was ist für unsere Bürger wichtig, was bedeutet für sie Klimaschutz und wo sind sie bereit zu handeln? Unabhängig davon werden Gespräche mit den Unternehmen geführt und Bürgerversammlungen abgehalten, auf denen die konkreten Maßnahmen gemeinsam beschlossen werden.

sb/Mühldorfer Anzeiger

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