Klare Linie mit Feldwebelton

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Töging - Am Sitz des Zweckverbands Kommunale Verkehrsüberwachung in Töging ist die Stimmung im Keller. Interims-Vorsitzender Siegfried Rübensaal führe derzeit eine Schreckensherrschaft, klagen Mitarbeiter.

Rübensaal zur Kritik: "Ich will lediglich eine klare Linie in den Verband bringen"

"Wir sind verunsichert, sehr unglücklich und hoffen, dass sich am Verbandsvorsitz sehr bald etwas sehr gravierend ändert", klagte gestern eine Mitarbeiterin des Zweckverbands Kommunale Verkehrsüberwachung im Namen "fast aller" ihrer Kollegen. "Wir sind alle ziemlich fertig", beklagt die Frau, "nur ein paar Ausnahmen" gebe es, die sich derzeit mit der "Schreckensherrschaft" des derzeitigen Vorsitzenden Siegfried Rübensaal arrangieren könnten.

Konkret werfen die Mitarbeiter Rübensaal vor, im "Feldwebelton" einzelne Kollegen anzuherrschen und auf Feierabend oder krankheitsbedingte Abwesenheit keinerlei Rücksicht zu nehmen. Einer Kollegin habe er bei Zuwiderhandlung seiner Anweisungen mit Rauswurf gedroht, eventuelle Ohrenzeugen vorher aber wohlwissend aus dem Büro geschickt.

Geschäftsführer Martin Deser fühlt sich derzeit von allen Informationen abgeschnitten. "Meine Sekretärin wurde angewiesen, von mir keine Anweisungen mehr entgegenzunehmen. Einzig und allein er, Rübensaal, sei jetzt ihr Chef. Sie war so loyal und hat mir von dem Gespräch wenigstens noch berichtet", seufzt Deser.

Siegfried Rübensaal streitet Desers Vorwurf gar nicht ab. Im Gegenteil: "Hier geht es doch um die Frage: Wer schafft an?" Er habe gemerkt, dass Desers Sekretärin zwischen den Stühlen sitze und derzeit nicht wisse, wessen Anweisungen sie folgen solle. "Die Frau ist dankbar dafür, dass ich ihr endlich eine klare Linie gegeben habe!" Den Wunsch, endlich wieder Ruhe in den Zweckverband zu bringen, honorierten alle Mitarbeiter, gibt sich Rübensaal überzeugt.

Ebenfalls um keine Antwort verlegen ist der derzeitige Vorsitzende, wenn es um sein Wissen um die jahrelangen falschen Kurvenmessungen geht. In einem von ihm persönlich unterzeichneten Aktenvermerk vom 14. Mai 2008 heißt es wörtlich: "Aufgrund der aktuellen Vorkommnisse ist (...) auf diesem Posten nicht mehr tragbar. Herrn (...) wurden bereits Abmahnungen erteilt. Herr (...) arbeitet zurzeit nur 45 Messstunden im Monat. Seine Messleistungen geben ständig Anlass zu Beanstandungen."

Der betreffende Mitarbeiter, der heute nicht mehr für den Verband arbeite, habe sich eindeutig des "menschlichen Versagens und der Schluderei" schuldig gemacht, so Rübensaal. Davon habe er gewusst und versucht, entsprechende Kontrollinstanzen einzuführen. Dieser spezielle Fall habe allerdings nichts mit der grundsätzlichen Frage der Nichtbeachtung von Messrichtlinien, wie es das Innenministerium jüngst moniert hatte, zu tun. Von dem wahren Ausmaß der Falschmessungen in Kurven habe er, und dabei bleibt Rübensaal, erst Ende Januar in München erfahren.

Auch wenn es angesichts dieser Zustände schwer vorstellbar ist: Beim Zweckverband Kommunale Verkehrsüberwachung Südostbayern wird derzeit noch gearbeitet, Kontrollen des ruhenden Verkehrs sowie Geschwindigkeitsmessungen an geraden Strecken werden laut Geschäftsführer Deser nach wie vor durchgeführt.

Klagen gegen falsche Bußgeldbescheide seien für den Verband zwar schmerzhaft, so Deser, aber "verkraftbar". Viel schlimmer dagegen sei, wenn die Mitgliedsgemeinden aus dem Zweckverband aussteigen würden.

Bis zur nächsten Verbandsversammlung, die vermutlich am Donnerstag, 18. Februar, in Töging stattfinden wird, will Deser daher "Vertrauen gewinnen und die Gemeinden von unserer Arbeit überzeugen". Allerdings sei ein geordnetes Weiterarbeiten nur mit einem personellen Neuanfang möglich: "Rübensaal muss den Weg frei machen." Rübensaal sieht es im Prinzip ähnlich, nur will er bei der nächsten Versammlung "laut über die Position des Geschäftsführers diskutieren."

zip/Mühldorfer Anzeiger

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