Kampf der tödlichen Gefahr

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Ein einfacher Abstrich bringt es ans Licht: Ist der Patient Träger multiresistenter Keime oder nicht?

Mühldorf - Die Zahlen sind ungenau, aber erschreckend: Mehrere 10.000 Patienten infizieren sich jährlich mit sogenannten multiresistenten Keimen in deutschen Krankenhäusern.

Etwa 1500 sterben daran.

Grundsätzlich trägt jeder Mensch unzählige Keime auf der Haut, nach Schätzungen sind es 30 bis 40 Prozent. Bei etwa zwei Prozent finden sich auch resistente Keime, die einer Behandlung mit Antibiotika trotzen. So lange die Keime auf der Haut bleiben, sind sie harmlos. Erst wenn sie zum Beispiel durch Wunden oder Katheter in den Körper gelangen, können sie bedrohlich werden, weil sie nicht mit Antibiotikum behandelt werden können. Schwere Gesundheitsschäden, die Amputation von befallenen Gliedmaßen oder der Tod sind mögliche Folgen.

Jeder 50. Patient trägt die sogenannten MRSA-Keime ins Krankenhaus, ausgerechnet dorthin, wo sie lebensbedrohlich werden können. Dr. Dr. Benedikt Steingruber vom Gesundheitsamt betont: "In ganz Europa, in ganz Deutschland gibt es eine starke Zunahme resistenter Keime."

Die Kreiskliniken in Mühldorf wollen diesem Problem seit eineinhalb Jahren mit einem speziellen Netzwerk zu Leibe rücken. Ihm gehören neben dem Krankenhaus auch Altenheime, das Gesundheitsamt, Hilfsdienste und niedergelassene Ärzte an. Der Grund: Im Fokus stehen zwar die Kreiskliniken, die Keimträger haben aber häufig schon vorher Kontakt zu Hilfseinrichtungen wie Alten- und Pflegeheimen oder kommen nach Operationen wieder dorthin zurück.

Dass es besondere Gruppen mit einem höheren Risiko gibt, bestreiten die Vertreter der Kliniken oder von Altenheimen nicht. Masttierhalter bekommen über ihre Tiere Kontakt mit MRSA- Keimen, viele Bewohner von Seniorenheimen nehmen häufiger Antibiotika als der Rest der Bevölkerung.

Das Netzwerk hat in erster Linie Hygienestandards für die einzelnen Einrichtungen erarbeitet. Dort sind genaue Vorgaben aufgeführt, wie die Einrichtungen mit der Reinigung von medizinischem Gerät umzugehen haben. Aber auch Meldebögen, Hinweise für Patienten oder Besucher sind dort zu finden. Für das Krankenhaus gibt es eine zusätzliche Möglichkeit, Keime zu bekämpfen. Bei Verdacht auf Befall mit MRSA-Erregern werden Patienten speziell darauf untersucht. Sollte sich der Verdacht bestätigen, können sie in Einzelzimmern, sogenannten Isolierzimmern, untergebracht werden, bis die Keime abgetötet worden sind und weder für die Patienten noch die übrigen eine Gefahr besteht. Kliniken-Geschäftsführer Heiner Kelbel betont: "Es wäre sinnvoll, jeden Patienten, der zu einer planbaren Operation kommt, zu untersuchen." Allerdings übernehmen die Kassen die Kosten des Prüfverfahrens nicht. Künftig sollen Labor-Ergebnisse nicht erst nach einem oder zwei Tage vorliegen, sondern im hauseigenen Labor nach sechs Stunden. Dieses Labor sollen auch externe Einrichtungen wie Arztpraxen oder Altersheime nutzen können. Um die Behandlung von Keimträgern zu erleichtern und den Komfort für diese Patienten erhöhen zu können, planen die Kliniken mit dem Umbau des Operationstraktes auch die Einrichtung zusätzlicher Isolierzimmer.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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