Im Kampf gegen Veolia und Co.

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Für die hohe Qualität und Fahrgastorientierung hat der Bundesvorsitzende des Fahrgastverbandes "Pro Bahn", Karl-Peter Naumann (links), die Südostbayernbahn ausgezeichnet, Sprecher Christoph Kraller nahm die Urkunde entgegen.

Mühldorf - Mit 100 Millionen Euro hat die Südostbayernbahn (SOB) ein neues Umsatzhoch erreicht. Erfreulich auch der massive Anstieg der Fahrgäste auf der Strecke nach Passau.

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Pünktlich heißt Qualität

Ein gutes Jahr und ein gespannter Blick nach vorn, so lässt sich die derzeitige Situation der SOB in Mühldorf beschreiben. Denn der Umsatzsteigerung, der Konsolidierung im Bereich der Zahl der Fahrgäste und den hohen Investitionen in die Infrastruktur steht das Auslaufen des Vertrags mit dem Freistaat bevor. 2016, wenn die Personenbeförderung in der Region neu vergeben wird, geht es für die SOB um die Existenz in ihrer derzeitigen Form, macht SOB-Sprecher Christoph Kraller klar. Rund um das Gebiet der SOB haben private Bahnunternehmen den Verkehr übernommen, die "Veolia", die seit einigen Monaten zwischen München-Rosenheim und Salzburg fährt, hat bereits Interesse am Gebiet der SOB signalisiert.

Die SOB muss sich in den kommenden Jahren auf die Ausschreibung im Jahr 2014 vorbereiten, um im Bieterwettstreit mithalten zu können. Dabei setzt Kraller darauf, dass nicht nur nackte Zahlen den Ausschlag geben, sondern beispielsweise auch die Bereitschaft auszubilden. 69 Lehrlinge hat die SOB derzeit, in den kommenden Jahren sollen es eher 75 werden. Die kosten Geld, ein Faktor, der bei Ausschreibungen normalerweise nicht berücksichtigt wird. "Wir hoffen, dass gewisse Mindeststandards gefordert werden."

Grundsätzlich sieht Kraller den Wettbewerb im Bahngeschäft positiv: "Ohne Wettbewerb wäre die erfolgte Qualitätssteigerung nicht möglich gewesen", sagt er. Wie sich Qualitätssteigerungen auswirken können, hat die SOB im vergangenen Jahr auf der Strecke nach Passau gesehen. Seit der Einführung des Stundentakts, ist die Zahl der Fahrgäste um 38 Prozent auf 2617 gestiegen. "Das ist ein totales Erfolgsmodell."

Auf der Strecke nach München, die am stärksten unter der Wirtschaftskrise gelitten hat, fahren wieder durchschnittlich 14.000 Fahrgäste, die Zahl lag zwischenzeitlich bei unter 13.000, das Vorkrisenniveau hat die SOB noch nicht erreicht.

Die Steigerung Richtung Passau hat dazu beigetragen, den Rückgang der Fahrgäste durch die Wirtschftskrise zu stoppen; insgesamt legte deren Zahl um 2,2 Prozent auf 31.000 Fahrgäste täglich zu. Auf der Strecke nach München hat sich die SOB vom Tiefstand bei 13.000 Fahrgästen erholt und liegt derzeit bei gut 14.000, das ist noch leicht unter dem Vorkrisenwert.

Neben der reinen Zahl wertet Kraller vor allem die Zufriedenheit der Kunden hoch. Bei monatlichen Befragungen gaben 51 Prozent die Noten Eins und Zwei. Entscheidend sei für Kunden weiterhin die Pünktlichkeit der Züge. Bis November seien 95,7 Prozent pünktlich, dass heißt mit maximal fünf Minuten Verspätung unterwegs gewesen. Durch zahlreiche Pannen vor allem auf der Strecke nach München sank sie im November auf 89 Prozent. Neben einem zweiten Gleis könnte vor allem die Elektrifizierung Abhilfe schaffen: "Mit Strom wären wir dramatisch flexibler", sagt Kraller. Die Strecke nach München werde kritisch bleiben. Wenn die SOB im Halbstundentakt Züge fährt, dazu Güterzüge aus dem Chemiedreieck unterwegs sind, muss jede Störung unweigerlich zu großen Problemen führen.

100 Millionen Euro Umsatz hat die SOB 2010 gemacht, zehn Millionen mehr als im Vorjahr, 35 Millionen Euro betrugen die Investitionen. Die größten Posten sind der Bau der Innbrücke bei Ehring, des Bahnhofs in Kastl oder das elektronische Stellwerk in Burghausen, an dem sich auch die Chemieindustrie beteiligt. Alle 80 Bahnhöfe werden mit einem neuen Fahrgastinformationssystem ausgestattet. Die Südostbayernbahn hat 740 Mitarbeiter, 2003, beim Start der SOB, waren es unter 500. Nach Angaben von SOB-Infrastrukturchef Christian Kubasch soll der Bahnhof Mühldorf heuer endlich fertig werden, einschließlich des Umbaus der Eingangshalle und des Fahrkartenschalters. Dann werden die Bahnsteige über den Steg mit neuen Abgängen und Aufzügen zu erreichen sein. Im Herbst geht die neue Zugreinigungsanlage in Betrieb.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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