Jubel trifft auf Katerstimmung

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Der Sieger feiert: Stephan Mayer hat sich deutschlandweit aufs Stockerl wählen lassen.

Mühldorf - Natürlich muss das Wahlergebnis vom Sonntag im Rahmen bundesweiter Trends gesehen werden. Trotzdem gibt es regionale Gründe. Uneingeschränkte Freude herrschte auch gestern noch beim Wahlgewinner, der FDP. ** Regionalergebnisse ** Artikel vom Erststimmen-Gewinner mit Bildern und Video **

4,3 Punkte legten die Liberalen auf jetzt 12,8 Prozent zu und mauserten sich damit zur zweitstärksten Kraft im Landkreis. "Die Strukturen sind zwar noch CSU-lastig, aber auch bei uns wünschen sich viele liberale Politik - auch auf Landkreisebene", jubelte Kreisvorsitzende Sandra Bubendorfer-Licht. "Für uns ist das Ergebnis ein großer, großer Auftrieb auch bei der Kommunalwahl in mehr Orten anzutreten."

Regionalergebnisse

Artikel vom Erststimmen-Gewinner mit Bildern und Video

Deutlich verhaltener äußert sich Cathrin Henke, Kreisvorsitzende der Grünen: "Mit dem Ergebnis im Landkreis bin ich recht zufrieden." Seit den letzten Wahlen haben die Grünen kontinuierlich zugelegt, am Sonntag landeten sie mit plus 2,5 Punkten bei 8,1 Prozent. Für Henke das Ergebnis "guter Überzeugungsarbeit und überzeugender Personen". Das zeige sich vor allem an den Ergebnissen in kleineren Orten, wo die Mitglieder persönlich bekannt seien.

Wahlanalyse stand bei der Kreis-CSU gestern noch nicht auf dem Programm. Vorsitzender Dr. Marcel Huber war in Sachen Landesergebnis unterwegs. Deshalb muss eine ausgiebige Analyse im Landkreis warten, erste Wertungen gab Huber dennoch ab. Vor allem lobte er das Abschneiden von Erststimmenkandidat Stephan Mayer, der "Anerkennung für seine Leistung, seine Zuverlässigkeit und sein hohes Engagement" erhalten habe. Mayer bekam im Landkreis 60,2 Prozent der Stimmen, obwohl auch er 5,7 Prozentpunkte abgeben musste. Nach Angaben seines Büroleiters Walter Göbl hat der CSU-Abgeordnete über

alle Parteigrenzen hinweg deutschlandweit das drittbeste Ergebnis erreicht. Geschlagen geben musste er sich nur Karl-Theodor zu Guttenberg und einem CDU-Kandidaten aus Kloppenburg-Fechta.

CSU-Kreisvorsitzender Huber betonte das Abschneiden seiner Partei deutlich über dem Landesdurchschnitt: 52,5 Prozent erhielten die Christsozialen im Landkreis. Allerdings hat die Kreis-CSU mit 6,7 Prozentpunkten um einen Zehntelpunkt mehr verloren als die ganze Bayern-CSU (minus 6,6), wo sie 42,6 Prozent erreichte. "Wir waren wesentlich besser als der Rest".

Nachdenklich stimmt ihn dagegen das Abschneiden seiner Partei vor allem auf dem Land. "Es gibt eine ernsthafte Kluft", sagte Huber zwischen dem Engagement der CSU für die Bauern und der Reaktion darauf: "Wir sind die einzige politische Kraft in Deutschland und Europa, die etwas für die bäuerliche Landwirtschaft tut." Auf der anderen Seite gebe es heftige Diskussionen und Aktionen: "Unser Engagement wurde uns nicht vergolten. Das ist eine unerklärliche Verhaltensweise."

Beobachtungen beim Auszählen hätten gezeigt, dass viele Wähler im Landkreis zwar der CSU die Erststimme gegeben hätten, mit der Zweitstimme aber zur FDP gewechselt seien. Auch dafür zeigt Huber kein Verständnis: "Ich erkenne im Landkreis nicht, dass die FDP eine überzeugende Alternative wäre, dass man dort sein Kreuz machen müsste."

Auch die SPD glaubt, viele Stimmen an die Liberalen verloren zu haben, für Kreisvorsitzenden Richard Fischer völlig unverständlich. "Wie kann ein Arbeitnehmer eine Partei wählen, die gegen Mindestlohn oder für einen lockeren Kündigungsschutz ist?", fragt Fischer. Ihm ist die Enttäuschung deutlich anzumerken, wenn er das Ergebnis ein Debakel nennt. "Es ist sehr schlimm, dass uns die FPD überrundet hat."

Er macht neben der Bundespolitik auch lokale Gründe für das Desaster von nur noch 11,9 Prozent der Stimmen aus: Die personellen Konflikte der letzten Jahre und der Austritt prominenter Mitglieder habe der SPD geschadet. Den Wahlkampf habe die Kreis-SPD "entsprechend unseren Möglichkeiten" geführt, "nichts Spektakuläres", sondern kleinere Aktionen. Allerdings vermisste Fischer Unterstützung durch prominente Politikern von Bundes- und Landesebene.

Die kleineren Parteien spielten erneut keine Rolle, die Linke legte auf fünf Prozent zu

Ewald Schurer, ehemaliger Erststimmenkandidat der SPD im Wahlkreis, hat den Sprung ins Parlament wieder geschafft. Er kandidierte im Wahlkreis Erding und zog über die Liste ein.

hon/Mühldorfer Anzeiger

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser