Jeder lernt so schnell, er kann

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Verschiedene Jahrgänge, ein Klassenkreis: Mädchen und Buben aus Polling sind die ersten Kinder, die in die flexible Grundschule gehen. Zusammen mit Lehrerin Susanne Rehse nehmen sie am bayernweiten Schulversuch teil.

Mühldorf/Polling - Der erste Schultag ist in diesem Jahr nicht nur für die Erstklässler etwas ganz besonderes. Auch die Grundschule Polling fiebert mit.

Denn mit Beginn des neuen Schuljahres ist dort der Modellversuch „Flexible Grundschule“ gestartet. 

Immer öfter sehen sich Lehrer der ersten Klasse einem nur schwer lösbaren Problem gegenüber: Die einen Schüler können schon lesen oder einfache Mathematikaufgaben lösen, die anderen haben weder von Buchstaben noch von Zahlen viel Ahnung. Bis zum Ende der zweiten Klasse sollen alle auf dem gleichen Leistungsstand sein. So ist es im Lehrplan vorgeschrieben. Der Modellversuch „Flexible Grundschule“ reformiert den Weg dorthin.

20 Grundschulen nehmen in Bayern an diesem Projekt teil. Das Hauptaugenmerk liegt auf der kind- und entwicklungsgerechten Ausbildung „Wir müssen die Schüler dort abholen, wo sie stehen“, erklärt Rektorin Gabriele Schmauß-Benedikt. Und das bedeutet im Klartext: Individuell auf die Stärken und Schwächen Schüler eingehen. Für die Mädchen und Buben bedeutet dies weniger Stress, sie können gemäß ihres Wissenstands die Grundschule in drei, fünf oder wie bisher in vier Jahren abschließen. „Die Flex-Klasse lässt mehr Möglichkeiten offen. Die Schüler können unkomplizierter eine Klasse überspringen oder Defizite ausgleichen, ohne ein Jahr dabei zu verlieren“, zählt die Rektorin die Vorteile auf. Wichtiger Bestandteil in der „flexiblen Grundschule“: Zeit. Die Kinder können in ihrem eigenen Tempo lernen. Dazu gibt es Arbeitsblätter in drei unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden – grün für leicht, gelb für mittel und rot für schwierig. So kann ein Erstklässler, der gut lesen kann, zum Beispiel die gleichen Texte lesen wie ein Zweitklässler. Unter Umständen kann er von der ersten Klasse direkt in die dritte wechseln. Wer Schwächen beim Rechnen hat, kann sich Zeit lassen, gegebenenfalls ein Jahr. Die Kinder sollen auf diese Weise auch lernen, ihre Fähigkeiten selbst einzuschätzen. 

Aufgrund der sinkenden Schülerzahlen wäre ohnehin eine Kombiklasse in der Grundschule Polling nötig geworden. Die Teilnahme am Modellversuch hat sich dadurch angeboten. Die Teilnahme war freiwillig: "Viele Eltern hatten ein falsches Bild und hatten aus diesem Grund Bedenken daran", erklärt Schmauß-Benedikt. Die Kombiklasse setzt sich aus zehn Erst- und acht Zweitklässlern zusammen, Klassleiterin ist Susanne Rehse.

Ebenfalls neu in der Flex-Klasse ist die Unterrichtsmethode. In erster Linie soll es Gruppenarbeiten geben, die Kinder sollen sich dabei gegenseitig helfen. "Durch das Erklären lernen die Kinder selbst dazu", erklärt die Rektorin die Methodik. Die Lernpläne bleiben gleich.

Drei Jahre läuft das Projekt Flex-Klasse, es wird wissenschaftlich von der Stiftung Bildungspakt begleitet und über Evaluationen sollen Stärken und Schwächen des Projekts herausgearbeitet und gegegebenenfalls verbessert werden. "Wenn das Projekt erfolgreich ist, wird die 'flexible Grundschule' eingeführt", heißt es von Seiten des Kultusministeriums.

Dass dies klappt, davon geht auch Dr. Marcel Huber, Kultusstaatssekretär und Vorsitzender der Stiftung Bildungspakt, aus: "Mit unserer Gesamtstrategie schaffen wir die Grundlage, dass Begabungen und Talente junger Menschen gefördert werden und ihnen damit volle Bildungsteilhabe eröffnet wird - unabhängig von ihrem sozialen, kulturellen und familiären Hintergrund." Wichtig sei, dass dieser Modellversuch ergebnisoffen ausgelegt ist.

hi/Mühldorfer Anzeiger

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