"Es hapert an den Versicherungen"

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Mit viel Eigenleistung errichten Bettina und Olaf Ritter das neue Haus. Doch weit sind sie in einem Jahr nicht gekommen, denn die Versicherungen haben nur einen Teil des Geldes ausbezahlt.

Mettenheim – Ein Jahr ist es her, dass das Haus der Familie Ritter in Stenging abgebrannt ist. Die Versicherung hat bislang nur einen kleinen Teil der Schadenssumme ausbezahlt!

Zurzeit wohnt die Familie in einer provisorischen Unterkunft über dem Pferdestall, so schnell wird sich daran nichts ändern. Denn bislang hat die Versicherung nur einen kleinen Teil der Schadenssumme ausbezahlt.

Jetzt zur Weihnachtszeit kommen die Erinnerungen an den Brand wieder hoch: Die Flammen, die von weitem zu sehen waren, die verbrannten Fotos und Kleider und dass die Familie von einem Tag auf den anderen nicht wusste, wie es weitergehen sollte. Zunächst im Reiterstüberl, dann in einem Wohnwagen haben die Ritters übernachtet, ihre Pferde wollten sie schließlich nicht allein lassen.

Viel hat sich seitdem nicht geändert: Bettina und Olaf schlafen noch immer in dem Wohnwagen, die drei Kinder Andreas, Ines und Tanja teilen sich ein Zimmer in der provisorisch ausgebauten Wohnung über dem Pferdestall. Nur schleppend geht der Bau des neuen Wohnhauses voran: Die Bodenplatte ist betoniert, die tragende Holzkonstruktion für das Erdgeschoss steht. Mehr noch nicht.

Großbrand in Stenging

Abzüge der Versicherungen

„Es hapert an den Versicherungen, denn die haben bislang nur einen Teil der Schadenssumme ausbezahlt“, erklärt Bettina Ritter. Die Hausratversicherung behält sich einen Schätzungsabzug in Höhe von 25 Prozent vor. Der Grund: Die Familie kann keine Belege vorweisen. „Ich verstehe das nicht. Immerhin war nach dem Brand ein Gutachter vor Ort und hat von einem Totalschaden gesprochen“, fährt Bettina Ritter fort. Nach einem Brand Belege für das Inventar anzufordern – so ganz versteht sie das nicht.

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Die Brandversicherung hat angekündigt, nur zwischen 30 und 50 Prozent der Schadenssumme ausbezahlen zu wollen. Sie moniert gegenüber der Familie, dass das Gebäude nicht als ganzes versichert gewesen sei, sondern nur der Mittelteil des Dreifamilienhauses, in dem die Familie Ritter selbst wohnte. „Wir wollten das auch so versichern lassen, aber das ist nicht passiert. Auf unserem Versicherungsschein war dies nicht ersichtlich, dass nur ein Teil davon berücksichtigt ist“, erklärt Bettina Richter. Über eine Maklerin hatte sie damals die Versicherung für das Haus abgeschlossen.

Zwar hat die Versicherung der Ausbezahlung einer Teilsumme zugesagt, doch damit hat sie sich Zeit gelassen. Die erste Rate ging erst im Herbst auf das Konto der Ritters ein. Die hatten nach einer ersten positiven Zusage aber bereits Baumaterialien bestellt, um den Aufbau voranzutreiben. Drei Monate mussten sie die Lieferanten vertrösten.

Die lange Wartezeit auf die Zahlung der Versicherung begründet eine Sprecherin mit den Streitigkeiten zwischen den Anwälten der Parteien. „Liegt bei einem Brand grobe Fahrlässigkeit vor – wie in diesem Fall –, dann zahlt die Versicherung nur einen Anteil aus“, begründet die Sprecherin. Früher sei in solchen Fällen nichts ausbezahlt worden. Dabei spiele es keine Rolle, wer zum Beispiel die Holzzentralheizung angezündet hat. Im Fall der Familie Ritter hatte die Mutter von Bettina Ritter die Holzheizung bedient.

Auch die Hausratversicherung weist die Vorwürfe von sich. So hat der zuständige Sachbearbeiter durchaus Verständnis dafür, dass keine Belege eingereicht werden können. Aber es fehlt ihm an größtenteils an genaueren Beschreibungen der Gegenstände, um den Wert prüfen zu können. In solchen Fällen orientieren sich Versicherungen an allgemeinen Grundsätzen, die Schätzungs- und Risikoabschläge in Höhe von 25 Prozent ansetzen.

Familie Ritter - eine Woche nach dem Brand

Zu wenig Quadratmeter

Doch das eigentliche Problem sieht er in einer Unterversicherung der Familie: „Es wurde eine zu geringe Quadratmeterzahl Wohnfläche angegeben und somit ist ein zu geringer Versicherungswert versichert.“ Dieser ist für die Hausratsversicherung nicht unerheblich, denn sie geht von einem Wert von 30 Prozent aus. Dies sieht einen Kürzung der Entschädigungsleistung vor, wofür es eine festgelegte Berechnungsformel gibt.

Familie Ritter arbeitet weiterhin am Wiederaufbau des Wohnhauses. Gegen die Abzüge der Versicherungen hat sie Klage eingereicht.

hi/Mühldorfer Anzeiger

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