Insolvenzen noch kein Thema

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Mühldorf (MA) - Die Finanzkrise spiegelt sich in der Zahl der Verbraucher- und Unternehmensinsolvenzen in den Landkreisen Mühldorf und Altötting bisher nicht wider.

Zunächst die Zahlen: 203 Verbraucher- und 75 Unternehmensinsolvenzen verzeichnete das Amtsgericht Mühldorf für die beiden Landkreise im Jahr 2009. "Das sind in etwa so viele wie 2008", erklärt Andreas Nützl, Rechtspfleger für Insolvenzverfahren. 2007 seien es etwas weniger gewesen, 2006 deutlich mehr.

Interessant sei heuer vor allem die Verteilung über das Jahr hinweg gewesen. Während sich die Verbraucherinsolvenzen auf das erste Jahresdrittel konzentrierten, haben in der zweiten Jahreshälfte vor allem Unternehmen Insolvenz angemeldet. "Vielleicht sind das die ersten Signale der Finanzkrise, denn zahlenmäßig ist sie bisher an der Region spurlos vorübergegangen", sagt Nützl. Die Landkreise Mühldorf und Altötting bilden in diesem Punkt übrigens keine Ausnahme: "Wenn man sich an anderen Amtsgerichten umhört, hat es den befürchteten Tiefschlag bayernweit bisher nicht gegeben."

Spektakuläre Unternehmensinsolvenzen seien in der Region glücklicherweise ausgeblieben, was zum einen am erfolgreichen Modell der Kurzarbeit, zum anderen - im Bereich der Zulieferindustrie - an der Abwrackprämie gelegen habe. Überwiegend kleine Firmen und Einzelunternehmungen hätten die drohende Pleite nicht mehr abwenden können: "Vom einfachen Ladengeschäft bis zum Gartengestalter war die ganze Bandbreite vertreten", erläutert Nützl. Die Ursachen seien vielschichtig: "Meistens fehlte schlicht das kaufmännische Know how und der Blick, womit sich wirklich Geld verdienen lässt." An den Banken habe es jedenfalls nicht gelegen: "Die angebliche Kreditklemme war bei uns nie Thema."

Arbeitslosigkeit in der Familie, Erkrankungen, Scheidungen führen dagegen im Bereich der Privatinsolvenzen häufig zur Zahlungsunfähigkeit. Schwarze Schafe seien die Ausnahme: "Natürlich gibt es Fälle, in denen sich Ehepaare abwechselnd in die Insolvenz begeben, damit der andere weiter fleißig einkaufen kann. Aber die Regel ist das nicht", sagt Nützl. Der Großteil seiner Klienten seien redliche Schuldner, die sich ordentlich und gewissenhaft um ihr Verfahren kümmern.

Seit 13 Jahren arbeitet Nützl als Rechtspfleger am Amtsgericht: "Im Großen und Ganzen macht das Insolvenzrecht Sinn, auch wenn man natürlich an der einen oder anderen Schraube drehen könnte." Wünschenswert sei beispielsweise, dass die Restschuldbefreiung nach sechs Jahren auch von Rechts wegen versagt werden kann. Das betrifft vor allem die Fälle, in denen sich der Schuldner eben nicht redlich verhält, sondern weiter fleißig auf Pump lebt. "Bisher ist das nur möglich, wenn ein Gläubiger einen entsprechenden Antrag stellt. Die kümmern sich aber häufig nicht mehr um den Fortgang des Verfahrens", erklärt Nützl.

Was die Höhe der Schulden anbelangt, scheint es keine Grenzen zu geben. "Bei uns landen Verbraucher, die drei Millionen Euro vor sich her tragen. Dazu kommt der Geschäftsmann, der mit knapp 15 Millionen Euro in der Kreide steht." Manchmal steht aber auch Andreas Nützl vor einem Rätsel: "Neulich meldete jemand wegen knapp 3000 Euro Privatinsolvenz an. Man sollte meinen, das ist ein Betrag, der sich irgendwie aus der Welt schaffen lässt."

ha/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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