Der Landkreis Mühldorf setzt auf regionales Geld - Heftige Debatte im Kreisausschuss

Inntaler gegen die Finanzkrise

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Sonja Schussmüller von der Abteilung Wirtschaftsförderung im Landratsamt präsentiert die neuen Geldscheine, die die beiden Bürgermeister Erwin Baumgartner (grün) und Siegfried Klika (braun) abbilden. Auf dem 100er natürlich der Landkreis-Chef, der sich das Mühldorfer Wappen unter den Nagel gerissen hat. Mühldorfs Bürgermeister hatte sich geweigert sein Konterfei für einen Geldschein dieser neuen Regionalwährung zur Verfügung zu stellen.

Mühldorf - Die Finanz- und Wirtschaftskrise macht vor dem Landkreis, den Städten und Gemeinden nicht Halt. Die finanziellen Spielräume werden immer enger und die Finanzierung der kommunalen Aufgaben schwieriger.

Landrat Georg Huber will jetzt zusammen mit der Wirtschaftsförderung des Landkreises neue Wege gehen. In einem Strategiepapier, das die Wirtschaftsförderin Sonja Schussmüller, Kreiskämmerer Hermann Hackner und Geschäftsbereichsleiter Herbert Hoch erarbeitet haben und das dem Anzeiger vorliegt, wird die Einführung eines regionalen Geldes vorgeschlagen. Dadurch soll die Wertschöpfung im Landkreis Mühldorf bleiben, nach dem bewährten Motto: "Aus der Region für die Region".

Dieser Vorschlag stand auf der Tagesordnung der letzten nichtöffentlichen Sitzung des Kreisausschusses. Landrat Georg Huber erläuterte vor den Ausschussmitgliedern sein regionales Geld- und Wirtschaftskonzept. Einen Namen für die regionale Währung präsentierte er ebenfalls: "Der Inntaler".

Wie Landrat Huber dem Kreisausschuss mitteilte, soll der Inntaler nur im Landkreis Mühldorf Gültigkeit haben. Die Ausgabe darf nur an Landkreisbürger erfolgen. Geprüft, so Huber, wird derzeit, ob eine interkommunale Zusammenarbeit mit dem Landkreis Altötting in Frage kommen würde.

Wie Huber vor dem Kreisausschuss versicherte, steht die Mühldorfer Kreissparkasse hinter seinen Vorschlägen. Dies wollte auf Anfrage des Anzeigers Sparkassen-Vorstandsvorsitzender Herbert Langstein weder bestätigen, noch dementieren.

Landrat Georg Huber sieht in dem geschlossenen Wirtschaftskreislauf beste Chancen, den heimischen Markt und die Konsumenten besser zu vernetzen und die Stärke der Region zu demonstrieren. Huber hat bei der Regierung von Oberbayern erreicht, dass der Landkreis die Genehmigung für dieses Pilotprojekt bekommen hat. Wie aus der Sitzungsvorlage hervorgeht, hat die Regierung aber strikte Auflagen für Stabilität und Kreditwürdigkeit vorgegeben.

Mühldorfs Bürgermeister Günther Knoblauch soll sich in der Kreisausschuss-Sitzung massiv gegen das Projekt ausgesprochen haben. Unterstützt wurde er von UWG-Kreisrat Markus Salller, der dem Projekt "Inntaler" eine klare Absage erteilte. Grünen-Fraktionsvorsitzende Cathrin Henke soll zugestimmt und auf den Vorteil für die Region und ihre Menschen hingewiesen haben.

CSU-Fraktionsvorsitzender Anton Sterr soll Knoblauch in dieser Sitzung massiv angegangen sein. Er soll dem Mühldorfer Bürgermeister vorgeworfen haben, dass er alle kreativen Vorschläge, die von Landrat Huber und der CSU kämen, bewusst torpedieren würde. Sterr soll sogar von einem "unerträglichen Mühldorfer Dünkel" gesprochen haben.

Karin Huber, Pressesprecherin des Mühldofer Landratsamts, hat Fragen nach dem Sitzungsverlauf nicht beantwortet. Sie verwies auf den nichtöffentlichen Sitzungsinhalt. Das Sitzungsergebnis hat sie aber mitgeteilt: Im Kreisausschuss stimmten nur Knoblauch und Saller gegen die Einführung des Inntalers. Die neue regionale Währung wurde mit 11:2 Stimmen beschlossen.

sb/Mühldorfer Anzeiger

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