Hörführer fürs Bunkergelände

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Im professionellen Studio gab es professionelle Tipps: BR-Projektbetreuerin Elke Dillmann riet den Schülerinnen Veronika Sonntag, Elisabeth Günther, Corinna Huber (von links) ihre Texte im Stehen einzusprechen.

Mühldorf - 35 Schüler des Ruperti-Gymnasiums und der Hauptschule haben jetzt beim BR Geräusche, O-Töne und eigene Texte aufgenommen - für den Hörführer durch das ehemalige KZ-Außenlager in Mühldorfer Hart.

Bunkerbau, Massengräber, Lager Mettenheim, KZ-Friedhof, Kiesentnahmetunnel, Alltag der KZ-Häftlinge, Bunkerbogen, Befreiung und Sprengung - das sind die Titel der je fünfminütigen Tonbänder, die die Schüler des Gymnasiums und der Hauptschule Mühldorf jetzt beim Bayerischen Rundfunk aufgenommen haben. Sie sind als sogenannter Podcast erhältlich und können Interessierte mit einem MP3-Spieler durch das Bunkergelände führen.

Die eigentliche Arbeit aber haben die Schüler vor den Aufnahmen in den vergangenen Monaten geleistet, berichten Florian Schmidt, Simon Roth, Laura von Stetten und Veronika Selmaier aus der 10a des Ruperti-Gymnasiums stellvertretend für alle beteiligten Schüler. Die Jugendlichen mussten recherchieren, Zeitzeugen finden und interviewen, am Bunkergelände Eindrücke und Geräusche sammeln, und das Skript ausarbeiten. "Die meisten von uns haben vorher nicht genau gewusst, was hier im kleinen Mühldorf passiert ist", sagt Florian Schmidt, "vor allem die Dimensionen und das Ausmaß konnten wir uns nicht vorstellen." Und damit waren die Schüler nicht allein. Bei einer Umfrage in der Stadt mussten die neun beteiligten Hauptschüler erfahren, dass viele Mühldorfer keine Vorstellung haben, was während des Krieges vor den Stadttoren passiert ist.

Und so haben die Schüler gerne ihre Zeit investiert - auch nachmittags. Vor allem das Schneiden der O-Töne und Geräusche mit einem eigenen Computer-Programm habe viel Zeit in Anspruch genommen, erzählt Laura von Stetten. "Geschichtsunterricht ist nur Theorie, nicht greifbar", sagt Veronika Selmaier, "bei dem Projekt waren wir wirklich draußen, haben Menschen zu den Geschichten kennengelernt und können uns jetzt vorstellen, was abgelaufen ist."

Die ehemaligen KZ-Häftlinge Max Mannheimer und Janos Gosztonyi kamen nach Mühldorf um den Schülern von ihrer Zeit im Lager zu berichten. "Das war sehr emotional", sagt Veronika von Stetten. "Dabei haben wir gelernt, wie gut es uns eigentlich geht", fügt Florian Schmidt hinzu. Und wie viele Meinungsverschiedenheiten es zum Lager noch immer gebe, meint Simon Roth: "Viele Leute wollen einfach nichts mehr davon wissen, die Vergangenheit interessiert sie nicht mehr, andere wollen aufmerksam machen", erzählt er.

Dabei geht es bei dem Projekt des Kultusministeriums, der Stiftung Zuhören und des Bayerischen Rundfunks nicht darum, nur in der Vergangenheit zu wühlen: "Wir wollen, dass der Audioguide zur Aufklärung beiträgt", fasst Simon zusammen, natürlich sei das Geschehene abstoßend, ein Grund mehr sich zu engagieren: "Damit so etwas nie wieder passiert." Er sei auf viele Menschen gestoßen, die glauben, dass so etwas ohnehin nicht mehr passieren könne, erzählt er: "Das ist eigentlich schon eine Gefahr."

Deshalb ist den Schülern jetzt am wichtigsten, dass ihre Audioguides auch angenommen und genutzt werden.

Nach einer gemeinsamen Abschlussfeier der Initiatoren, Träger und Schüler im Juli sollen die Podcasts auf der Internetseite des Bayerischen Rundfunks zum Herunterladen bereitstehen, sagt Lehrer Alfred Rieder, der die Schüler des Ruperti-Gymnasiums betreute. So kann sie jeder auf dem Mp3-Player mit zum Bunkergelände nehmen. Zudem werden im Mühldorfer Hart Stelen aufgestellt, an denen die Tonbänder abgespielt werden können. "Wir können in Zukunft sagen, wir haben die Podcasts gemacht," fasst Simon Roth zusammen: "Für uns ist das Projekt unvergesslich".

nl/Mühldorfer Anzeiger

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