Per Hippie-Trail nach Indien

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Neumarkt-St. Veit - 1971 machte Ludwig Zaccaro die Reise seines Lebens: Er trampte nach Indien. Dort lebte er mit anderen Aussteigern zusammen, fand einen Zugang zur Religion und den Ausweg aus seiner Alkoholsucht.

2006, genau 35 Jahre nach seiner ersten Reise, reiste der Lebenskünstler ein zweites Mal nach Indien. Erneut erlag er der Faszination des Subkontinents. Morgen um 19.30 Uhr spricht er im Herzoglichen Kasten über seine Erfahrungen und - noch interessanter - über sein bewegtes Leben.

1967 veröffentlichten die Beatles ihr Album "Sgt. Peppers Lonely Hearts Club Band" - und veränderten damit die Welt. Die Platte gab den Hippies, den Studenten und allen anderen friedensbewegten Jugendlichen der Welt Stimme und Ton. Auch Ludwig Zaccaro, damals noch keine 20 Jahre alt, war fasziniert.

Geboren im Landkreis Fürstenfeldbruck, kam der junge Mann noch als Teenager nach München. Er jobbte als Kellner, schloss sich der APO (Außerparlamentarischen Opposition) an, demonstrierte gegen den Springer-Verlag und zog durch das wilde Schwabing der 60er Jahre. Deutschlands berühmtesten Kommunarden etwa, Rainer Langhans, kannte er, fand ihn aber arrogant. An jeder Hausecke waren Geschichten aus den Sehnsuchtsländern Afghanistan und Indien zu hören - Reiseberichte, Drogengeschichten eher. Weil ihn sowohl Fernweh als auch ein Alkoholproblem plagten, fasste Ludwig Zaccaro 1971 einen Entschluss: "Meine Rettung ist in Indien. Ich muss mich selber finden!"

Spiritualität, Frieden und Nächstenliebe gesucht

An der A8 begann schließlich der zweimonatige Roadtrip in sein gelobtes Land. Über Österreich, das ehemalige Jugoslawien, die Türkei, das ehemalige Persien - "ein wundervolles Land" - und Afghanistan landete Ludwig Zaccaro schließlich in Indien. Heute nur noch schwer vorstellbar, war Afghanistan vor noch nicht einmal 40 Jahren das Ziel Tausender Jugendlicher aus aller Welt, in erster Linie, um bewusstseinserweiternde Drogen zu konsumieren. "In Afghanistan begrüßten die Zöllner die jungen Touristen direkt mit einem schwarzen Afghanen", erinnert er sich.

Doch im Gegensatz zu den Kiffern, die sich in Kabul einen Joint nach dem anderen drehten, suchte Zaccaro nach mehr. Als sogenannter Morgenlandfahrer, die sich auf Hermann Hesses "Die Morgenlandfahrt" aus dem Jahr 1932 beriefen, suchte er in Indien Spiritualität, Frieden und Nächstenliebe. Am Ganges sitzend, seien "die Schlüsselszenen meines Lebens an mir vorbei geflossen". Da habe er erkannt: "Ich bin so ein Jammerlappen! Du hast solches Glück!"

Doch nicht nur eine positivere Lebenseinstellung lernte der junge Mann in Indien: Zum ersten Mal in seinem Leben begegnete ihm auch Freundschaft. Als Sohn eines "Katzlmachers", eines Italieniers, sei er im Nachkriegsdeutschland immer Außenseiter gewesen. Inmitten der Rucksacktouristen, Lebenskünstler und Inder habe es dagegen keinerlei Unterschiede, Standesdünkel oder Besitzanspruchsdenken gegeben.

Seitdem Genusstrinker

Als er nach einem Jahr zurückkehrte in das München der 70er-Jahre, war Zaccaro ein neuer Mensch. Er war erwachsen geworden, hatte gelernt, mit niedrigsten Ansprüchen durchs Leben zu kommen und - vor allem - er war clean. "Ich bin seitdem Genusstrinker." Hinter Alkoholismus verberge sich nämlich nichts weniger als die zentrale Lebensfrage: "Solange die nicht geklärt ist, kommt man auch nicht vom Alkohol weg."

Die Jahre von 1973 bis 1981 verbrachte Ludwig Zaccaro dann in Deutschland. Mit Freunden aus der alternativen Münchener Öko-Szene betrieb er eine Vollkornbäckerei. Nach deren Ende lebte er kurz in einem besetzten Haus in Berlin-Kreuzberg, bevor er für elf Jahre nach Gran Canaria zog.

In einem Aussteigerdorf lebend, gründete Zaccaro eine Familie, bekam zwei Töchter, betrieb Bio-Landwirtschaft. Im Tourismus zu arbeiten, wie Tausende andere Deutsche es auf den Kanaren tun, wäre für den Weltenbummler nie in Frage gekommen. Erst das Scheitern seiner Ehe brachte Ludwig Zaccaro wieder zurück nach München.

Die Frage nach seinen Wurzeln kann Ludwig Zaccaro nur nach ganz langem Überlegen beantworten. "In Bayern", sagt er schließlich. Doch mit seiner zweiten Ehefrau Nina Lange hat der Lebenskünstler nun zumindest eine seelische Heimat gefunden. 2004 heirateten die beiden, kurz darauf fiel der Entschluss, noch einmal für ein Jahr nach Indien zu gehen.

Was für andere Menschen ein Problem darstellt - Wohnung auflösen, Job kündigen, Koffer packen, die Familie alleine lassen, an den entlegensten Orten der Welt einfach in den Tag hineinleben - bedeutet für Ludwig Zaccaro Unabhängigkeit, Freiheit und Glück. "Sein" Indien ein zweites Mal zu erleben, das Land noch dazu seiner Partnerin zeigen zu können, erleichterte die Reiseentscheidung zusätzlich.

Im Vergleich zu seiner Jugend nahm Zaccaro das Land diesmal jedoch anders wahr. "Als junger Mensch fand ich alles magisch, mystisch. Ich habe alles riskiert." Beim zweiten Mal dagegen habe er das Land realistischer, mit den Augen eines zweifachen Vaters gesehen - "mit all seinen Stärken und seinen Schwächen." Die Stelle am Ganges, die 1971 sein Leben verändern sollte, hat er natürlich wieder besucht.

Der bebilderte Vortrag über Ludwig Zaccaros und Nina Langes Reise durch den indischen Subkontinent beginnt heute um 19.30 Uhr im Herzoglichen Kasten. Der Eintritt beträgt 2,50 Euro.

zip/Mühldorfer Anzeiger

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