Grundschulrektor Rudolf Schulz hört auf

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Über 20-mal hat sich Rudolf Schulz Gedanken über den Stundenplan zum Schuljahresanfang gemacht. Nun gibt er die Verantwortung ab.

Mühldorf - Über 20 Jahre war Rudolf Schulz Rektor der Grundschule Mühldorf-Altmühldorf. Am kommenden Samstag wird der 64-Jährige in den Ruhestand verabschiedet.

Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag als Schulleiter hier erinnern?

Ganz ehrlich, nein. Ich habe ein ganz schwaches episodisches Gedächtnis. Der Einstand war fließend, wahrscheinlich ging es mit dem Stundenplan los. So wie eben jedes Schuljahr beginnt.

Über 20 Stundenpläne haben Sie seitdem erstellt. Was hat sich in dieser Zeit verändert?

Gerade in den letzten Jahren sind die Grundschulen an sich deutlich selbstständiger geworden, was zur Folge hat, dass auch ein Schulleiter mehr Verantwortung trägt. Am besten lässt sich das am Beispiel des Schulprogramms und der schulinternen Fortbildung erkennen. Schulleiter und Kollegium entwickeln dabei genau auf die Bedürfnisse der eigenen Schule zugeschnittene Ziele. Bei uns sind das die Leseförderung, die Gewaltprävention mit dem Programm "Faustlos" sowie die Einführung der Ganztagsschule. Insgesamt ist das eine gute Entwicklung. Wir sind unabhängiger geworden, freier in unseren Entscheidungen.

Das hat für Sie als Schulleiter aber auch erhebliche Veränderungen mit sich gebracht.

Ganz klar. Ich sehe mich ohnehin als Schulleiter einer Übergangsgeneration. Ich habe auf offener Bühne gelernt, heute werden die jungen Kollegen wesentlich besser auf die Anforderungen als Manager einer Schule vorbereitet. Und genau das ist es: Schulleiter sein ist ein eigenes Berufsbild. Da reicht es nicht, ein guter Lehrer zu sein.

Hat sich in den 20 Jahren auch das Berufsbild des Lehrers gewandelt?

Ich glaube schon. Man muss einfach sehen, das meine Kollegen nur ein Drittel ihrer Arbeitszeit im Unterricht verbringen. Ein Drittel dient der Vor- und Nachbereitung der Stunden. Und ein Drittel fordert inzwischen der Kontakt zu Eltern und Kollegen. Deshalb sehe ich gerade an dieser Stelle auch den größten Handlungsbedarf in der Lehrerausbildung. Die jungen Lehrer brauchen mehr Schulung in Sachen Gesprächsführung, dann ließen sich viele Dinge auch besser aushalten.

Was würden Sie sich denn für die Kollegen noch wünschen?

Dass insgesamt mehr Personal zur Verfügung steht. Es wird ja nun einmal schlicht verkannt, was hier geleistet wird: In der Grundschule kommen Kinder unterschiedlichster Fähigkeiten und Verhaltensweisen zusammen. Da braucht es einen enormen Aufwand an Integration und Talent, um das in geordnete Bahnen zu lenken. Deshalb würde ich mir Entlastung an der richtigen Stelle wünschen. Für die Kollegen und die Schüler. Dazu Schulsozialarbeit und Projekte, mit denen sich noch differenzierter fördern lässt.

Stellen die Grundschüler heute andere Anforderungen als vor 20 Jahren?

Es wird ja viel geklagt. Und mit Sicherheit haben wir es heute mit wesentlich mehr Kindern zu tun, deren Eltern von Armut bedroht sind oder getrennt leben. Aber was zum Beispiel das Thema Gewalt betrifft, ist es in meinen Augen nicht schlimmer geworden. Wir sind heute nur wesentlich sensibler dafür.

Was ist mit dem Druck der Eltern?

Der ist gerade in der vierten Klasse enorm. Und das ist natürlich ein Problem. Erst kürzlich habe ich mit einem Vater gesprochen, dessen Kind nun ins Gymnasium geht. Dort sei es viel entspannter als noch in der vierten Klasse, hat er erzählt. Das sagt doch schon alles.

Auch die Schullandschaft in Mühldorf hat sich gewandelt. Im Grunde leiten Sie ja zwei Schulen unter einem Dach.

Organisatorisch bringt die Außenstelle Altmühldorf nur Vorteile. Wir können alleine vom Personal her ein breiteres pädagogisches Angebot machen, sind flexibler bei der Klassenbildung. Zudem herrscht in Altmühldorf ein nach wie vor familiärer Charakter, den besonders die Schüler schätzen. Ich glaube auch, dass das auf lange Sicht so bleiben kann, das Potenzial an Schülern, die nachkommen, ist mit Sicherheit da. Und wer das Prinzip 'kurze Beine, kurze Wege' umsetzen kann, sollte das auch tun.

Ihrer Nachfolgerin hinterlassen Sie ein frisch saniertes Haus.

Ja, da hat die Stadt großartige Rahmenbedingungen geschaffen. Mit der Einrichtung der Ganztagesklassen sind zudem die Weichen richtig gestellt. Außerdem ist die Lage der Grundschule einfach ideal: mitten in der Stadt und doch so viel grün. Und dank der neuen Fenster hört man nun auch die B12 nicht mehr. Keine Frage, ich habe gerne hier gearbeitet.

ha/Mühldorfer Anzeiger

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