Funksignal kann Leben retten

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Wenn das ipad Leben rettet: Mit dem Defibrillator können Rettungskräfte ein EKG des Patienten erstellen, ein Knopfdruck genügt um die Daten ins Krankenhaus und mobil an die Ärzte des Herzkatheterlabors zu übertragen. Dr. Hans-Ulrich Kain (rechts), Chefarzt der Inneren Medizin, erhält die EKG-Daten mobil auf sein mobiles Internet-Endgerät und kann entscheiden wie akut die Lage ist und im Katheterlabor noch vor Ankunft des Patienten mit dem Krankenwagen alles für die Behandlung vorbereiten.

Mühldorf - Seit einem Monat werden EKG-Daten aus dem Rettungswagen direkt ans Krankenhaus und die Bereitschafts-Ärzte übertragen. Damit soll eine schnellere Hilfe möglich werden.

In der Leitstelle geht ein Notruf ein: Verdacht auf Herzinfarkt. Karl-Heinz Sterbar und Thomas Kulot springen in den Rettungswagen und fahren los. Jetzt zählt jede Sekunde. Sie legen dem Patienten das EKG an, der im Defibrillator integrierte Drucker spuckt die Herzlinie aus, vermutlich tatsächlich ein Infarkt. Kulot drückt einen Knopf am Defi: "Übertragung". Sekunden später ertönt in der Notaufnahme am Kreiskrankenhaus Mühldorf ein Signal, aus dem Drucker kommt die Herzlinie des Patienten vom Notarzteinsatz. Die Mitarbeiter bereiten das Herzkatheterlabor vor.

Gleichzeitig piepst das Handy von Dr. Hans-Ulrich Kain, Chefarzt der Inneren Medizin, er ist zu Hause und hat Bereitschaft für das Herzkatheterlabor. Die EKG-Daten des Patienten werden direkt auf sein Mobiltelefon geladen, der erfahrene Mediziner erkennt sofort: jetzt muss es schnell gehen. Zeitgleich mit dem Notarzt kommt er im Krankenhaus an, dort ist für die Behandlung des Patienten schon alles vorbereitet.

Seit Anfang Mai arbeiten Rettungsdienste und Krankenhaus nach diesem System, dass sie jetzt mit einem gespielten Ernstfall vorstellten. Die Übertragung der EKG-Daten aus dem Rettungswagen werden direkt ins Krankenhaus und auf die Email-Adressen der Ärzte, die das Herzkatheterlabor betreuen weitergeleitet. Zwei Mal pro Tag kommt das System seit Inbetriebnahme Anfang Mai im Durchschnitt pro Tag zum Einsatz. Fünf Rettungswagen an den Standorten Mühldorf, Waldkraiburg, Haag und Neumarkt St. Veit sind damit ausgerüstet, erklärt Chefarzt Kain.

Die Zusammenarbeit mit den Rettungsdiensten laufe hervorragend, lobte er, die Resonanz sei durchwegs positiv. "Wichtig ist, dass die EKG-Daten vom Einsatzort in wenigen Minuten in der Nothilfe und dem Arzt in Bereitschaft ankommen", erklärt er. Dort können sie sofort analysiert werden, das Herzkatheterlabor wird vorbereitet und wenn der Patient ankommt, kann ohne weitere Untersuchung mit der Behandlung begonnen werden. "Von der Zeitspanne zwischen Notarzteinsatz und Wiederöffnung der Ader im Katheterlabor sind wir jetzt mit großen Kliniken durchaus vergleichbar", sagt er, 15 bis 30 Minuten Zeitersparnis im Vergleich zur herkömmlichen Vorgehensweise seien in der Behandlung von Herzkrankheiten, wie Infarkten oder Rhythmusstörungen, oft entscheidend. "Je länger der Herzmuskel nicht durchblutet wird, umso größer ist das Risiko für Kammerflimmern."

Die Defibrillatoren in den Rettungswagen mussten dementsprechend technisch aufgerüstet werden, innerhalb einer Minute sind 99 Prozent der Daten ans Krankenhaus übertragen, erklärt Karl-Heinz Sterbar, Leiter des Rettungsdienstes beim BRK Mühldorf. Das Notarztteam erhält eine schriftliche Bestätigung über die erfolgreiche Übertragung. In Absprache mit dem Herzkatheterlabor können im Notfall so noch vor Ort erste Behandlungsschritte ergriffen werden. "Herzerkrankungen werden immer mehr, da ist die Direktübertragung der Daten eine sehr gute Investition", sagt Thomas Kulot, Rettungsassistent beim BRK.

21.000 Euro hat die Klinik in das System investiert, 6000 Euro kamen vom Förderverein, 15.000 Euro über eine Spende der Sparkasse Altötting-Mühldorf. "Keiner hofft, das jemals in Anspruch nehmen zu müssen", sagt Vorstandsvorsitzender Herbert Langstein, "aber wenn sollen möglichst viele Patienten profitieren." Als "besonderen Schritt" auf dem Weg zu mehr Gesundheit in der Region, bezeichnete Bürgermeister Günther Knoblauch die Investition. Um die Patietenversorgung zu optimieren, seien neben hochwertiger Qualität und Spezialisten auch reibungslose Abläufe wichtig, dazu leiste das System einen wichtigen Beitrag, sagte der Leiter des Klinik-Fördervereins Dr. Stefan Trabhardt. Aufsichtstratsvorsitzender Georg Huber versprach: "Wir werden auch in Zukunft weiter in die Klinik investieren."

nl/Mühldorfer Anzeiger

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