Fräsen ist wie Radlfahren

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Alexander Hiebl half Katharina und Theresa (beide 14) auf deren Suche nach dem "Verlorenen Quadrat".

Mühldorf - Am gestrigen Donnerstag war "Girls' Day" - auch in Mühldorf. 137 Mädchen haben Männerberufe unter die Lupe genommen.

Lesen Sie hier den Originalartikel aus dem Mühldorfer Anzeiger:

Fräsen ist wie Radlfahren

137 Mädchen haben gestern in die Berufe ihrer Väter, Brüder und Freunde geschnuppert. "Girls' day" lautet der Titel der Aktion, die das Landratsamt nun schon zum sechsten Mal im Landkreis durchgeführt hat. 29 Betriebe und Behörden machten mit, um alte Geschlechterrollen aufzubrechen.

Mühldorf - Lydia (16) trägt ihre Haare offen, Katharina ihre Nägel fein manikürt und Theresa Wimperntusche. Als Berufswünsche geben sie Krankenschwester oder "irgendwas im Büro" an. Aus "Neugier" und weil "da, wo ich eigentlich hin wollte kein Platz mehr frei war" fanden sich die Drei gestern um 8 Uhr bei MBM Maschinenbau in Mühldorf ein. Ihre Erwartungen an den "Girls' Day" oder "Mädchen-Zukunftstag" konnten eigentlich gar nicht enttäuscht werden, "weil wir überhaupt keine Ahnung" hatten, was da auf sie zukam.

Die Teenager - zwei Wirtschaftsschülerinnen und eine Realschülerin - hatten die Rechnung ohne Karina Weber, Gesellschafterin den Altmühldorfer Maschinenbauers gemacht. "Wir wollen mehr Frauen in der Werkstatt", sagt Weber. Bislang, das gibt sie zu, gebe es unter den über 170 Mitarbeitern, keine einzige Frau in den Werkhallen. Damit sich dies ändert und junge Damen zur Industriemechanikerin oder Industriemechatronikerin ausgebildet werden, hat das Unternehmen eigens Dusch- und Umkleideräume gebaut.

"Frauen denken und lösen Probleme anders", erklärt die Chefin. Körperliche Nachteile hätten sie in ihrem Unternehmen keine: "Es gibt nichts, was eine Frau nicht genauso könnte." Eher gebe es noch ein kulturelles Problem, in den Köpfen der Männer, dass auf dem Betriebsgelände bald junge Damen ihr Brot verdienen könnten. Und auch bei den Frauen seien Defizite vorhanden, glaubt Weber, denn: "Die meisten haben keine Ahnung von technischen Berufen!"

Dass die jungen Besucherinnen denn auch wirklich etwas lernen, dafür hat Weber gesorgt. Schritt für Schritt gehen sie Übungen durch, stets begleitet von einem oder mehreren Mitarbeitern. Damit der Betriebsrund- kein Spaziergang wird, gibt es ein Quiz zu beantworten. Weber will auf Nummer Sicher gehen, wenn es um ihr Ziel geht: "Wir wollen hier Mädchen reinkriegen!"

Lydia, Katharina und Theresa gehen ihren Tag am Anfang mädchenhaft an - also zurückhaltend, respektvoll und auf die Sauberkeit ihrer Kleidung und Hände achtend. Doch nach und nach, mit den greifbaren Produkten ihrer Arbeit, fallen die Hemmungen. An der CNC-Fräsmaschine, einem wuchtigen Koloss und mit hunderten Knöpfen, fertigen sie kleine Erinnerungsscheiben. Ausbilder Florian Schwarzenböck hatte ihnen zuvor mit dem Satz "Fräsen is wia Radlfahren: Wenn man des einmal kann, verlernt ma's nimmer" die Angst vor der Maschine genommen. Am Ende dürfte das Fazit der Mädchen Karina Weber zumindest vorsichtig optmistisch stimmen. Theresa und Lydia wollen eventuell doch einen Industrieberuf ergreifen. Und Katharina findet: "Also unvorstellbar ist's nimmer."

zip/Mühldorfer Anzeiger

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