Solarzellen an der A94: Vollkommen neue Situation

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Töging/Mühldorf - Das Genehmigungsverfahren für den Weiterbau der Fotovoltaikanlage entlang der A94 hat eine neue Wendung genommen. Im schlimmsten Fall muss die Planfeststellung der Autobahn geändert werden.

Ein Ball, der gegen eine Wand geworfen wird, kommt schneller zurück, als wenn er eine weiche Fläche berührt. ähnlich verhällt es sich mit Lärm. Und das ist nun das Problem an der A94 zwischen Töging und Erharting.

30 Töginger hatten beim Mühldorfer Landratsamt eine Unterschriftenliste samt der Bitte eingereicht, im Zuge des Genehmigungsverfahrens der Fotovoltaikanlage auf besseren Lärmschutz zu drängen. Die Anlage, die auf Altöttinger Landkreisseite bereits seit Monaten genehmigt und in Betrieb ist, verursache nämlich weit größeren Lärm, als im Vorfeld angekündigt.

Adolf Edbauer, Sprecher der Töginger Bürgervereinigung, greift daher die Altöttinger und Töginger Behörden scharf an: "Als die ersten 320 Meter der Anlage gebaut wurden, sind wir Anwohner in keinster Weise miteinbezogen worden." Er finde es traurig, dass nun das Mühldorfer Landratsamt sowie die Gemeinde Erharting sich für die Töginger Bürger einsetzen müssen, obwohl die qua Gemeindegrenzen dafür eigentlich gar nicht zuständig seien. Dass das Landesamt für Umweltschutz nun in einem Schreiben an das Landratsamt den Töginger Beschwerdeführern Recht zu geben scheint, lässt Edbauer neue Hoffnung schöpfen.

Die Mühldorfer Genehmigungsbehörde stellt das Thema Lärmentwicklung dagegen vor eine ganz neue Situation. Herbert Hoch, zuständiger Geschäftsbereichsleiter am Mühldorfer Landratsamt, erklärt: "Für uns ist das etwas völlig Neues: Wir haben eine planfestgestellte Autobahn, aber auf einmal ganz neue Lärmwerte."

Richtig sei, dass die 30 Töginger seine Behörde erst auf das Problem aufmerksam gemacht hätten. "Die haben uns sensibilisiert, wie sich der Schall auf der Altöttinger Seite der Autobahn auswirkt." Falsch sei es dagegen, dem Altöttinger Landratsamt oder der Stadt Töging Nachlässigkeit in deren Genehmigungsverfahren vorzuwerfen. Dass sich durch den harten Untergrund der Fotovoltaikanlage eine neue Lärmsituation ergibt, habe ja erst durch die Inbetriebnahme auf der Altöttinger Landkreisgrenze entdeckt werden können. Dass sich die Mühldorfer Behörde zudem für die Belange von Töginger Anliegern einsetze, liege außerdem schlicht an der "so komisch schrägen Gemeindegrenze", die bewirke, dass der Erhartinger Schall auf der Töginger Seite lande.

Das Landesamt für Umweltschutz stellt dem Mühldorfer Landratsamt nun frei, ein Gutachten erstellen zu lassen, das die erhöhten Lärmreflektionswerte genau beziffern würde. Hoch kündigt daher an: "Es spricht einiges dafür, dass wir die oberste Baubehörde am Staatsministerium des Innern einschalten." Die solle im Idealfall mögliche Auswirkungen auf die Planfeststellung der Autobahn aufzeigen.

Wie geht es nun weiter? So genau weiß das auch nach bald zwei Jahren Fotovoltaik an der A94 niemand. Im schlimmsten Fall, so Hoch, "muss die Anlage weg." Ein weiteres Szenario wäre, dass ein Planfeststellungsergänzungsbeschluss zu erfolgen hat. Ein sogenanntes Negativverfahren wäre die denkbar einfachste Lösung: Die Anlage könnte ohne änderung der Planfeststellung genehmigt werden. In jedem Fall, so Herbert Hoch, "gibt es noch einiges zu klären."

Adolf Edbauer und seine Mitstreiter werden auch weiterhin für ihre Wohn- und Lebensqualität kämpfen. Ein "sehr erfahrener Anwalt" vertrete die Gruppe, mitfinanziert werde dieser durch einen wohlhabenden Töginger, der jedoch anonym bleiben will. Edbauer: "Wir werden weiterhin alle rechtlichen Mittel ausschöpfen, mit der Firma Iliotec doch noch einen auch für uns Anwohner erträglichen Kompromiss zu erreichen."

zip/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © pa

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