Erster Schultag vor 60 Jahren...

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Mühldorf/Rosenheim - Am Dienstag gehen viele Kinder das erste Mal in die Schule. Vor 60 Jahren hat Klara Maria Seeberger ihren ersten Schultag erlebt.

Klara Maria Seeberger an ihrem ersten Schultag 1950.

Schiefertafel, Schülerspeisung und "Tatzen" - Es sind einzelne Fragmente, die Klara Maria Seeberger in den Sinn kommen, wenn sie versucht, sich an ihren ersten Schultag vor 60 Jahren zu erinnern. "Es war 1950. Ich wurde an der Mädchen-Volksschule in der Stollstraße in Rosenheim eingeschult", erzählt die 66-jährige Mühldorferin.

Zum Glück hat Seeberger noch ein Foto von ihrem großen Tag. Es zeigt ein kleines Mädchen mit einer weißen Schleife im Haar, die Schultüte fest in der Hand und es trägt eine Schürze mit einer Jacke darüber. "Meine Mutter war Schneiderin. Sie hat mir in diese blaue Jacke kleine Edelweiß eingestickt. Schürzen haben damals alle kleinen Mädchen über ihren Sachen getragen."

60 Mädchen in einer Klasse.

Maximilian - der große Bruder der kleinen Klara Maria - ging am ersten Schultag seiner Schwester schon lange zur Schule und hatte ihr nur Gutes darüber erzählt. "Ich war darum sehr euphorisch und habe mich auf die Schule gefreut", berichtet die Mühldorferin. Die Erwartungen der damals 6-Jährigen wurden aber bitter enttäuscht. "Als ich dort war, hat mir die Schule überhaupt nicht mehr gefallen. Das ging so weit, dass ich irgendwann zur Schulverweigerin wurde." Den Grund dafür sieht Seeberger in der Klassengröße: 60 Mädchen waren zusammen in einer Klasse. "Zuhause waren wir nur zu Dritt, denn mein Vater war zu der Zeit schon gestorben. Die Masse in der Schule - das war mir einfach zu viel", meint Seeberger.

In ihrer Schultüte fand die 66-Jährige damals eine Tafel Schokolade und Äpfel. "Mehr gab es nicht, man war ja arm." Dafür gab es in der Schule die "Schülerspeisung". "Jedes Kind hatte eine Schüssel. Aus einem großen Topf wurde dort Suppe eingefüllt. Oft gab es Erbsensuppe", erinnert sich die 66-Jährige.

Das Lineal durfte nicht herunterfallen.

Der Schulalltag war für die Mühldorferin damals vor allem eines: streng. "Wir hatten Schulschwestern als Lehrerinnen. Es ging fast militärisch zu in der Schule." So mussten die Schülerinnen beispielsweise immer aufstehen, wenn sie etwas sagen wollten und es gab "Tatzen". "Wenn jemand unruhig war, musste er die Hände flach vor sich auf den Tisch legen und darauf einen Stift oder ein Lineal legen, die nicht herunterfallen durften."

Obwohl Seeberger nicht die besten Erinnerungen an ihre Schulzeit hat, gab es trotzdem auch schöne Seiten. "Zwei Freundschaften aus meiner Schulzeit haben bis heute überdauert", freut sich die 66-Jährige. Und trotz Schulverweigerung hat der Weg der Mühldorferin sie auch wieder dorthin zurückgeführt - diesmal auf der anderen Seite - als Grundschullehrerin.

Anette Mrugala

Rubriklistenbild: © Anette Mrugala

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