Ernst beglückt Journalisten

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Viel Wirbel um einen Stier, der längst ein Ochse ist. Ernst soll die entlaufene Kuh Yvonne aus ihrem Wald locken, da- von sind Tierschützer Michael Aufhauser (Mitte) und Christian Kögl (auf dem Ochsen) überzeugt. Die Ankunft filmten zahlreiche Fernsehteams.

Zangberg - Stier Ernst soll es richten, er soll Kuh Yvonne zur Besinnung bringen und sie aus ihrem Wald locken. Um das Rindvieh hat sich längst ein riesiger Medienrummel entwickelt.

Yvonnes Retter sind mit ihrem Latein am Ende: Ihre Suchaktionen blieben bislang ohne Erfolg, auch die beste Freundin Waldtraud und das Kalb Waldi können Yvonne nicht aus dem Unterholz locken. Jetzt hilft nur noch eins: Stier Ernst soll her. Für ihn ist es ein letzer wichtiger Einsatz, alle Hoffnungen lasten auf seinen schweren Schultern. Seit 2008 bekommt Ernst auf dem bayerischen Gut Aiderbichl bei Deggendorf sein Gnadenbrot. Jetzt soll er „seinen männlichen Charme noch mal richtig spielen lassen“, sagt Christian Kögl, der den Hof am Rand des Bayerischen Waldes führt. Wie ein Aphrodisiakum soll Stier Ernst auf Yvonne wirken, um sie zu einem Techtelmechtel zu verführen. Nur getrennt durch einen Stromzaun soll es zwischen den beiden Rindern funken.

Wenn es nach Gutsverwalter Hans Wintersteller geht, soll Yvonne der herben männlichen Duftnote folgen und sich am Abend zeigen. Er selbst will auf dem Balkon am nahen Bauernhof Stellung beziehen.

Wer dachte, der Trubel um das Rindvieh würde sich mit der Zeit legen, liegt falsch.

Für das 1100-Seelen-Dorf Zangberg geht der Lärm erst richtig los. Der Medienrummel um Yvonne reißt nicht ab. Jeden Tag machen Journalisten aus Deutschland Station in dem Wald, auch aus Österreich und Frankreich waren sie schon da. Die Ankunft von Ernst lassen sie sich natürlich nicht entgehen. Schon beim Verladen in Deggendorf ist ein Team dabei.

Vom Medienrummel gänzlich unbeeindruckt ist Ernst. Seelenruhig trottet der etwa 700 Kilo-Koloss nach der etwa zweistündigen Fahrt aus seinem Hänger und blickt in ein Blitzlichtgewitter. Die nächste Zeit ist die Wiese vor dem Wald, in dem sich Yvonne nun schon seit rund zwei Monaten versteckt hält, sein Zuhause.

Helfer von Gut Aiderbichl schwirren um den Tiertransporter herum, eine Meute von Journalisten wartet gespannt darauf, ob nun ein roter Teppich für Ernst ausgerollt werden soll. Den gibt es nicht, also positionieren sich gut ein Dutzend Journalisten am Ende des Laufstegs. Mit seiner schwarzen zotteligen Mähne und einem Nasenring trägt Ernst zwar keine Haute Couture, dennoch richten sich alle Blicke auf ihn. Michael Aufhauser, Gründer von Gut Aiderbichl, zückt zwei Karotten und spricht Ernst gut zu, täschelt das Tier, als wäre es eine Hauskatze. Zumindest erweckt Ernst den Eindruck, als wäre er ein schmusiger Artgenosse. Von seinem friedvollen Schnauben angezogen, rücken die Journalisten immer näher.

Ernst vertritt das klassische Bild eines begnadeten Gut-Aiderbichl-Bewohners. Ein in die Jahre gekommenes Modell, gemächliche Gangart und treu blickende Augen. Er könnte genauso gut im Streichelgehege seinen Platz finden.

Spontan setzt Kögl zum Sprung an und setzt sich auf den Stierrücken. Wieder Blitzlichtgewitter. Ein kleiner Ritt über die Wiese, bevor Ernst in Position für Foto und Kamera zu seinem Pavillon gebracht wird. „Der Stier wird die Kuh locken“, da ist sich Wintersteller sicher und vertraut auf den guten Geruchssinn von Kühen.

Nebenan beantwortet Kögl fleißig die Fragen der Presse zu seinem Prachtstier. Von hinten tritt eine Journalistin heran und stellt spöttisch fest: „Schon komisch, warum man zuerst die Kuh mit einer anderen Kuh locken wollte und jetzt der Stier zum Einsatz kommt! Was sagt das wohl über die sexuelle Neigung von Yvonne aus?“ Kurzes Lachen, dann entgegnet Kögl aber: „Ja, da kann man durchaus munkeln. Aber er ist sowieso nicht mehr einsatzfähig. Er ist kastriert.“

Ernst ist also ein Ochse und kein Stier. Das erklärt wohl auch die Friedlichkeit, welche das Tier der Horde Journalisten entgegenbringt. Fraglich bleibt, ob sich die oberbayerische Yvonne auf den stämmigen Niederbayern einlässt. Bis dahin tüftelt Wintersteller aber schon wieder an einer neuen Idee. Eine Schweizer Tierkommunikatorin soll kommen und Yvonne davon überzeugen, dass sie eine Gut Aiderbichlerin sein will.

hhw/Mühldorfer Anzeiger

 

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