Endlich in ruhiges Fahrwasser

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Mühldorf - Am Ende eines Krisenjahres hat die Mitgliederversammlung der Volkshochschule ihren Vorstand bestätigt. Obwohl die Versäumnisse der vergangenen Jahre aufgearbeitet sind, ist die finanzielle Situation nach wie vor schwierig.

Mit einer langen und von kritischen Fragen begleiteten nicht öffentlichen Mitgliederversammlung hofft die Volkshochschule Mühldorf (VHS) aus den Schlagzeilen heraus und in ruhigeres Fahrwasser zu kommen. Denn trotz einer kontroversen Diskussion um die Finanzen entlasteten die Mitglieder den Vorstand einstimmig und bestätigten ihn im Amt. Das teilte die VHS jetzt per Pressemitteilung mit. Sowohl Helmut Fürmetz als Vorsitzender als auch Stellvertreter Walter Krohe bleiben drei Jahre im Amt, Kassenprüferin ist Ilse Preisinger-Sontag. Die aktuelle Arbeit, so Programmgeschäftsführer Karl Weber, sei dagegen nicht kritisiert worden.

Fürmetz bezeichnete 2009 nach Angaben der VHS als ein Jahr des Neubeginns nach der Umstrukturierung der Geschäftsführung und dem Bekanntwerden massiver finanzieller Schwierigkeiten. Die Wirtschaftskrise, die zu Einbrüchen in bestimmten Programmbereichen geführt habe, und "undurchsichtige Abgrenzungen der Vergangenheit" hätten zu den Problemen geführt.

Auf Anfrage des Mühldorfer Anzeigers erklärte der kaufmännische Geschäftsführer Jens Droppelmann, dass die VHS seit 2005 durch den Wegfall von Arbeitsamtsmaßnahmen, Integrationskursen und Firmenbuchungen massive Einbußen erlitten habe. "Diese Einbußen sind nicht bemerkt worden, weil in der Buchhaltung nicht akkurat gearbeitet worden ist." Die so entstandenen Löcher seien durch Umbuchungen gestopft und erst im vergangenen Jahr nach dem Ausscheiden Max Binders als Geschäftsführer entdeckt worden.

"Die Liquiditätssituation war weit schlechter als gedacht", sagt Droppelmann. Deshalb brauchte die Volkshochschule bereits im vergangenen Sommer einen Kredit der Stadt, einen weiteren über 30000 Euro hat Mühldorf jetzt zu günstigen Konditionen gewährt. Dazu kommt der jährliche Zuschuss von 81000 Euro. Die Zahlung von 30000 Euro als Kredit, die die VHS als Zuschuss beantragt hatte, soll nach Aussage mehrerer Stadträte im kommenden Jahr nicht mehr fließen.

Um mit den Einnahmen auszukommen, im vergangenen Jahr setzte die VHS nach eigenen Angaben mit mehr als 143000 Teilnehmern eine Million Euro um, hat sich die VHS zu Sparmaßnahmen durchgerungen. Leasingverträge im EDV-Bereich wurden gekündigt oder nicht verlängert, Sachkosten reduziert, seit drei Jahren verzichten die Mitarbeiter auf ihr Weihnachtsgeld. Honorare für Referenten hat die VHS gekürzt und einige Kursgebühren erhöht. Die VHS könne aber nicht unbegrenzt an der Gebührenschraube drehen, betont Weber. "Wir müssen sozialverträgliche Konditionen anbieten."

Zugleich setzt die VHS auf Kurse, die lukrativ sind wie im Gesundheits- und Alpinbereich. Gerade an diesen Kursen gab es im Stadtrat Kritik, obwohl sie im Rahmen der vorbeugenden Gesundheitssorge zu den grundlegenden Aufgaben der VHS gehören und mehr einspielen würden, als sie kosten. "Wir müssen klar sehen, dass dieser Bereich ohne Zuschüsse auskommt", sagt Droppelmann. Die Fixkosten der VHS-Verwaltung könnten aber nicht komplett über die Kursgebühren gedeckt werden, wehrt Droppelmann eine Vollkostendeckung ab. "Wir sind keine Firma sondern ein gemeinnütziger und bedürftiger Verein, der keinen Gewinn erwirtschaften darf und auf Zuwendungen angewiesen ist."

Droppelmann beziffert den Eigenfinanzierungsanteil der Volkshochschule 2009 auf gut 88 Prozent, im bayernweiten Durchschnitt liege er bei 33 Prozent; heuer seien gut 81 Prozent vorgesehen. "Wir sind nicht darauf aus, uns an die Brust der Stadt zu hängen", betont Droppelmann. Man müsse aber sehen, dass die VHS Aufgaben der Stadt im Erwachsenenbildungsbereich übernommen habe.

Neben gut besuchten Kursen und einer Finanzkonsolidierung hoffen die beiden VHS-Geschäftsführer nach den turbulenten Monaten seit dem vergangenen Sommer das, was Programm-Geschäftsführer Weber betont: "Wir wollen die Volkshochschule aus den negativen Schlagzeilen bringen."

Siehe den Kommentar "Geld und Politik". hon

Rubriklistenbild: © pa

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