Dubios: Telefonbuchverlag lockt mit Gewinn

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Magdalena R. mit dem dubiosen Schreiben des falschen Telefonbuchverlages.

Mühldorf - Immer wieder versuchen Abzocker meist älteren Menschen das Geld aus der Tasche zu ziehen. Die neueste Masche: Ein falscher Telefonbuchverlag lockt mit einer Gewinnübergabe.

"Wie konnte ich nur so dumm sein", ärgert sich Magdalena R. aus Mühldorf. Die 83-Jährige ist auf die Masche des falschen Telefonbuchverlages "Das Telefonbuch" hereingefallen. Versprochen werden 1500 Euro Gewinn, die am 9. Mai am Mühldorfer Bahnhof überreicht werden sollen. "Alles was Sie tun müssen, ist die anhängende Antwortkarte mit Ihrer Platzreservierung innerhalb 8 Tagen zurück zu schicken und Ihren Gewinn am 9. Mai bei uns abzuholen", so heißt es in dem dubiosen Schreiben.

"Ich musste nur mein Geburtsdatum einfügen, dann habe ich den Abschnitt weggeschickt", berichtet Magdalena R. Wegen der Ähnlichkeit des Namens und des Layouts mit dem Telefonbuch-Anbieter "Das Örtliche" habe sich die Rentnerin dabei nichts gedacht und einige Tage später eine Reservierungsbestätigung erhalten. Ein kostenloser Hin- und Rückfahrservice zum Treffpunkt am Mühldorfer Bahnhof und ein Tisch für zwei Personen mit Frühstück und Mittagessen sind laut Schreiben inklusive. Außerdem wird Magdalena R. aufgefordert, für ein zusätzliches Dankeschön von 200 Euro weitere Personen mitzubringen. Was die Mühldorferin besonders stutzig macht sind aber die nachfolgenden Sätze: "Ich möchte noch einmal ausdrücklich betonen, dass die Einsendung Ihrer Antwortkarte eine verbindliche Reservierung darstellt [...] Sollten Sie nicht teilnehmen können, melden Sie sich bitte rechtzeitig schriftlich ab. Wir sind laut Gesetzgeber berechtigt, die Kosten für die nicht genutzten Plätze und das vorbestellte Essen, pauschal in Rechnung zu stellen." Eine Adresse für eventuelle Abmeldungen ist aber nirgends verzeichnet. Auch auf dem Briefkuvert ist nichts zu finden.

"Dahinter steckt vermutlich eine Kaffeefahrt", erklärt Tatjana Halm, Juristin bei der Verbraucherzentrale Bayern. Vor allem ältere Leute sollen angelockt und dann Ramschware an sie verkauft werden. "Gewinne gibt es aber mit Sicherheit keine." Der dubiose Telefonbuchverlag sei als Abzocker bekannt, viele Leute seien schon darauf reingefallen. "Am besten man macht gar nichts und reagiert auch nicht auf diese Schreiben", rät die Fachfrau. Hat man Kontodaten angegeben, sollte man aber das Konto im Auge behalten und eventuell falsch abgebuchte Beträge zurückbuchen.

Rechtlich hat kaum jemand eine Handhabe gegen die mutmaßlichen Betrüger. "Man kommt nicht an die Drahtzieher heran, häufig gibt es auch keine Adresse, an die man sich wenden kann", meint Halm. Der Verlag "Das Telefonbuch" ist zwar im Internet zu finden, statt eines Straßennamens ist dort aber nur ein Postfach angegeben. "Im juristischen Sinn ist das wertlos, weil man einen Mahnbescheid, der für eine Klage nötig ist, nicht an ein Postfach schicken kann", so Halm. 

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Bleibt die Frage, wie die dubiosen Gewinnversprecher an die persönlichen Daten ihrer Opfer gelangen. "Durch Datenhandel", sagt die Juristin. Mittels Preisausschreiben oder am Telefon fragen die Abzocker Geburtsdatum, Telefonnummer oder Adresse ab. Vorsicht also, wenn Sie das nächste Mal an einem Gewinnspiel teilnehmen!

Anette Mrugala

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