"Die Schule steht gut da"

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Anselm Räde.

Mühldorf - Seit gut vier Monaten ist Anselm Räde neuer Direktor des Ruperti-Gymnasiums. Bevor er morgen seinen ersten Abiturjahrgang verabschiedet, spricht er über den Ruf der Schule, die Umbauten und die Zusammenarbeit mit den Lehrern.

Wie bewerten Sie die Anmeldungen für das neue Schuljahr?

Wir sind sehr zufrieden. Im letzten Schuljahr haben sich 116 Schüler angemeldet, heuer sind es 132, davon einige mit Probeunterricht, so dass knapp 130 Schüler im Herbst neu anfangen können. Das ist eine schöne Zahl, weil wir sie auf fünf relativ kleine Klassen mit jeweils 25 oder 26 Schülern aufteilen können.

Worauf führen Sie die Steigerung zurück?

Wenn man sich das Einzugsgebiet anschaut, sieht man, dass die Schüler traditionell aus Mühldorf und Umgebung, oder Neumarkt-St. Veit kommen, sehr viele auch aus Polling und Töging, dieses Jahr sind auch Ampfinger und Mettenheimer dabei. Eine Rolle hat wahrscheinlich auch das übertrittszeugnis für jeden Schüler gespielt, das es erstmals gab. Wir haben in den traditionellen Einzugsgebieten das Reservoir abgeschöpft und durch das übertrittszeugnis den einen oder anderen dazubekommen.

Heuer gehen knapp 860 Schüler ins Ruperti-Gymnasium, im kommenden Schuljahr werden es über 880 sein. Ist das eine gute Größe?

Für unsere Schule mit unseren Räumlichkeiten ist das eine angenehme Arbeitsgrundlage. Die Steigerung um etwa 25 hat der Schule gut getan.

Hatten die niedrigeren Zahlen etwas mit dem Ruf der Schule zu tun?

Ich glaube, dass der Ruf des Gymnasiums, so wie er manchmal kolportiert wird, nicht stimmt. Hier wird eine solide, gute Arbeit geleistet, die man an vielen Dingen festmachen kann. Zum Beispiel an den Erfolgen bei Wettbewerben, an den sehr guten Ergebnissen bei den zentralen Leistungstests. Diese solide, gute Arbeit hat sich aus welchen Gründen auch immer nicht so ins Umfeld verbreitet. Die Schule steht gut da, und darauf kommt es an.

Wo sehen Sie die größten Herausforderungen?

Der Umbau wird die Schule intensiv beschäftigen, weil wir bei laufendem Betrieb sanieren werden. Ich freue mich darauf, weil das sehr viel Flexibilität verlangt, die ich als sehr belebend erfahre. Zum Schluss 2013 wird dieses Gymnasium mit einem Gebäude ausgestattet sein, das tipptopp ist und allen Anforderungen der Zeit genügt.

Wenn Sie auf die inhaltlichen Baustellen schauen, wo gilt es da anzupacken?

Das ist die Bewältigung der doppelten Oberstufe, die bis zum Schuljahr 2010/2011 durchläuft, wenn der letzte Jahrgang aus dem neunjährigen Gymnasium zusammen mit dem ersten aus dem achtjährigen Abitur macht. Wir haben im nächsten Jahr drei Jahrgänge in der Oberstufe, die wir gut vorbereiten wollen. Wir werden also sehr früh alle stundenplantechnischen Details und die Unterrichtsverteilung für die Lehrer klären.

Ist die Zahl der Lehrer ausreichend?

Für die Oberstufe kann ich das uneingeschränkt mit Ja beantworten. Wir werden für die Jahrgangsstufen elf bis 13 vor allem die Lehrermannschaft nehmen, die vor Ort ist. Mit der Zuweisung durch das Kultusministerium Mitte Juli hoffen wir das notwendige Personal für die jüngeren Jahrgänge zu bekommen.

Können Sie die neu eingeführten Seminare der neuen Oberstufe nach den Wünschen der Schüler garantieren?

Das Angebot war reichhaltig, die Schüler haben es in seiner Breite angenommen. Wir konnten überall die Größe von 15 Schülern einhalten und haben deshalb die besten Voraussetzungen.

Das heißt, jeder bekommt das Seminar, das er ausgesucht hat?

Ja. Der eine oder andere musste umwählen, aber im Prinzip ist das Angebot, das wir ausgeschrieben haben, verwirklicht worden. Es gab keine Abstriche im Fächerangebot. Auf der anderen Seite muss man aufpassen, dass man den Schülern nicht zu viel anbietet. Ein Schüler der neuen Oberstufe hat Minimum etwa 35 Wochenstunden. Wenn dann ein Erweiterungsprogramm dazu kommt, werden es auch 37, 38 Stunden. Und das bedeutet zusätzlichen Nachmittagsunterricht. Wir haben so geplant, dass wir für die allermeisten Schüler mit zwei bis drei Nachmittagen hinkommen.

Belastet dieses Stundenprogramm die künftigen Abiturienten über die Maßen?

Ich warte die ersten Erfahrungen ab, bevor ich dazu Stellung nehme.

Sie sprechen von Unterricht an zwei und drei Nachmittagen. Wäre nicht die Einführung einer Ganztagesschule am Gymnasium sinnvoll?

Das Ruperti-Gymnasium hätte dank der Mensa die Voraussetzung zu einer Ganztagesschule zu werden. Jetzt haben wir den Umbau, dann den Doppelabiturjahrgang. Jetzt über die Ausweitung zu einer Ganztagesschule nachzudenken, wäre mir genau die eine Baustelle zu viel. Deshalb stellen wir das zurück. Ich will nichts versprechen, aber diesem Gedanken kann man sich durchaus einmal annähern, weil es für eine bestimmte Schülerklientel interessant sein kann.

Wie läuft Ihre Zusammenarbeit mit den Lehrern?

Nach vier Monaten muss man vorsichtig sein, ein endgültiges Urteil zu fällen. Ich habe das Gefühl, dass sie sich sehr gefreut haben, dass ich komme, manche sind etwas vorsichtig, weil man immer vorsichtig ist, wenn ein neuer Chef kommt. Ich habe das Gefühl, dass man die ersten Maßnahmen und Schritte des Miteinanders begrüßt, dass man bereit ist, den eingeschlagenen Weg mitzugehen.

Welche Maßnahmen des Miteinanders sind das?

Das man insgesamt auf eine Kultur des Argumentierens und Begründens setzt und Wert darauf legt, Entscheidungsprozesse transparent zu machen. Die Lehrer spüren aber auch, dass der Neue nicht tabula rasa machen und alle Schritte der Schulentwicklung vorgeben will.

Die Schüler haben bei Ihrer Einführung die Zusammenarbeit mit Ihnen sehr positiv beurteilt.

In der Zusammenarbeit mit den Schülern habe auch ich sehr positive Erfahrungen gemacht. Wir sind Dinge angegangen, die man sehr schnell abarbeiten kann, bei denen man sieht, es geschieht etwas. Manchmal sind das Kleinigkeiten, wie die Papierhandtuchhalter für alle Klassenzimmer. Die Schüler freuen sich, die haben eine große Liste, auf der sie durchstreichen, was abgearbeitet ist. Genauso ist es mit den Lehrern, die kleinere Wünsche hatten oder den Eltern.

Wie ist das Verhältnis zu den Vertretern der Eltern?

Die Elternvertreter sind sehr kooperativ. Es kamen in den bisherigen Sitzungen konstruktive Vorschläge und wenn man erläutert hat, warum man etwas so machen will, waren sie dieser Argumentation sehr aufgeschlossen. Ein konkretes Projekt wird die Gestaltung der freiwilligen Intensivierungsstunden sein, für die wir noch in diesem Schuljahr ein neues Konzept entwickeln wollen. Da sind die Eltern gerne bereit mitzugehen, denn sie merken, dass man sich um vernünftige Lösungen bemüht.

Wenn Sie einen Wunsch für Ihre Schule frei hätten, was wünschten Sie sich dann?

Ich würde mir wünschen, dass wir in den nächsten Jahren die Bauphase, die sicherlich von einer gewissen Turbulenz geprägt sein wird, in einem gedeihlichen Miteinander meistern und 2011 nach dem Doppeljahrgang werden sagen können: Das haben wir toll gemacht und die Schüler sagen können: Schön war es. Das ist schon fast ein allgemeiner Wunsch: Dass die Schüler ihre Schulzeit gerne hier verbringen und die Lehrer gerne hier arbeiten.

hon/Mühldorfer Anzeiger

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