Damit es im Inntal wieder blüht

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Die Arbeiten an der steilen Kanalböschung waren nicht einfach.

Mühldorf - Das Landschaftspflege-Projekt "Blühendes Inntal" ist voll angelaufen. Drei Jahre soll es laufen und die Artenvielfalt in den letzten Wiesenresten fördern.

Im Rahmen des BayernNetzNatur-Projekts "Blühendes Inntal" wurde die erste Landschaftspflegemaßnahme im Landkreis vom Maschenring Altötting-Mühldorf erfolgreich abgeschlossen.

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"Damit auch künftig die Kinder zum Muttertag einen Strauß bunter Wiesenblumen pflücken können", so umschreibt Robert Rossa, Projektmanager vom Büro FNL-Landschaftsplanung aus München, seine Arbeit. Hinter diesem so selbstverständlichen Anliegen steckt eine sehr komplexe Aufgabe: Im Auftrag des Landkreises organisiert er die Pflege der letzten Restbestände blütenreicher Magerrasen und Extensivwiesen.

Aufwendig zu bewirtschaften und ohne Aussicht auf einen angemessenen Ertrag, werden die überwiegend an steilen Hängen und Böschungen gelegenen Flächen nämlich mittlerweile meist nicht mehr gemäht. In nur wenigen Jahren breitet sich auf solchen Brachen zunächst ein dichter Grasfilz aus und die niedrigwüchsigen Kräuter werden schließlich von Gehölzen verdrängt. Auch Schmetterlinge und andere Insekten, deren Lebensraum offene und sonnige Wiesen sind, verschwinden nach und nach.

Das auf drei Jahre angelegte, vom Bayerischen Naturschutzfond und dem Bezirk Oberbayern geförderte Naturschutzprojekt "Blühendes Inntal", hat sich zum Ziel gesetzt, die Artenvielfalt dieser letzten Wiesenreste im Projektgebiet zwischen Mühldorf und Gars zu erhalten und zu fördern.

Archiv-Fotos: Pressetermin "Blühendes Inntal"

Pressetermin: Projekt "Blühendes Inntal"

Doch die einzelnen, häufig nur noch kleinflächigen Magerrasenreste liegen heute meist weit auseinander. Die Vorkommen der darin lebenden Tiere und Pflanzen sind voneinander isoliert und deshalb langfristig nicht überlebensfähig. Aus diesem Grund müssen die Biotopverbindungen wieder hergestellt und Trittsteine geschaffen werden.

Ein blütenreicher Kanalabschnitt nördlich von Mühldorf.

Die Dämme der Bahnlinie Mühldorf-Rosenheim und des Innkanals sind wichtige Biotopverbundachsen, die diese Funktion aber mittlerweile verloren haben. Mit Zustimmung der Südostbayernbahn und dem Verbund Innkraftwerke GmbH wurde im Dezember und Januar ein etwa 500 Meter langer, noch besonders artenreicher und wärmebegünstigter Abschnitt der Kanalböschung südwestlich von Mühldorf vom Maschinenring Altötting-Mühldorf entbuscht. Zwischen Mühldorf und Rausching ist der Kanal tief in die Landschaft eingeschnitten und weist eine etwa 20 Meter hohe, extrem steile Böschung auf. Der Maschinenring musste für diesen nicht alltäglichen Auftrag besondere Arbeitsverfahren entwickeln, da das gesamte Holz und Buschwerk zur Hangoberkante geräumt werden sollte. Gleichzeitig musste die Sicherheit der Forstarbeiter an diesem sehr gefährlichen Kanalabschnitt durch Anseilen gewährleistet werden.

In den nächsten Wochen ist eine weitere Landschaftspflegemaßnahme vorgese-hen: Südlich von Jettenbach Bahnhof soll ein etwa 700 Meter langer Abschnitt der Bahnböschung zunächst entbuscht und im Sommer gemäht werden. Neben zahl-reichen Blütenpflanzen gibt es hier noch Vorkommen der sehr seltenen Schlingnatter. Die ungiftige und sehr scheue Schlange ist nach deutschem und europäi-schem Recht besonders und streng geschützt und wurde zum Reptil des Jahres 2013 gekürt. Ein Grund mehr, spezielle Artenschutzmaßnahmen einzuleiten.

Robert Rossa betont, dass diese Pflegemaßnahmen erst der Anfang sind. In diesem Frühjahr wird er auf viele private Grundeigentümer und Landwirte zugehen, in deren Besitz sich Magerrasen und Extensivwiesen befinden und sie kostenlos und unverbindlich beraten. Die von ihm vorgeschlagenen und mit der Naturschutzbehörde des Landratsamtes abgestimmten Maßnahmen sind freiwillig und es entstehen für den Eigentümer keinerlei Nachteile.

Der Landkreis Mühldorf bittet die Eigentümer und Landwirte um ihre aktive Mithilfe beim Erhalt der letzten blütenreichen Wiesen.

Weitere Informationen zum Projekt erteilt Christine Herfort vom Landratsamt Mühldorf unter der Telefonnummer 0 86 31/69 97 19

sb/Mühldorfer Anzeiger

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