"Hier sind die Häuser kleiner!"

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Mühldorf - Rund 9000 Kilometer von Zuhause entfernt, essen mit Messer und Gabel, grüne Felder statt Hochhäuser und Menschen, die auf Bierbänken tanzen - Xinrui Yang aus China hat zwei Wochen in Mühldorf verbracht.

Vieles ist anders als bei ihr Zuhause, Xinrui Yang findet aber das meiste "schön" und "interessant". Vier Wochen darf die 17-Jährige als Prämienschülerin in Deutschland verbringen, zwei davon lebt sie bei einer Gastfamilie in Mettenheim und geht mit ihrer Gastschwester gemeinsam zur Schule - ins Mühldorfer Ruperti-Gymnasium. Am Prämienschülerprogramm des Auswärtigen Amtes beteiligt sich die Schule schon seit mehr als 20 Jahren. Insgesamt 14 Schüler aus Mexiko, Ägypten, China, Spanien, Norwegen und Estland sind heuer in die Kreisstadt gekommen.

"Die Landschaft hier ist sehr schön", ist das erste, was Xinrui, die sich den deutschen Namen Johanna ausgesucht hat, sagt, wenn man sie nach den Unterschieden zwischen Mühldorf und ihrer Heimat fragt. In China wohnt die 17-Jährige in Wuhan, der Hauptstadt der Provinz Hubei. "Bei uns gibt es nur Hochhäuser, die sehr eng beeinander stehen", erklärt sie. "Hier in Mühldorf sind die Häuser kleiner." Im Supermarkt sind der Schülerin auch einige Dinge aufgefallen, die anders sind, als in Wuhan. Dass man Geld in den Einkaufswagen stecken muss, zum Beispiel. "In unseren Geschäften gibt es das nicht. Die Wagen stehen darum überall herum und ein Arbeiter muss sie dann immer aufräumen."

Xinrui mit ihrer Gastschwester im Dirndl.

Mit den anderen Prämienschülern und den Gastgeschwistern hat Xinrui Ausflüge zum Chiemsee, nach München und an die Kampenwand unternommen. Auch ein Besuch auf dem Waldkraiburger Volksfest fehlte nicht. "Das war sehr toll", schwärmt die Chinesin. Zwar gebe es Karusselle auch bei ihr zu Hause, das Bierzelt aber war neu für Xinrui. "Die Musik war gut, die Menschen standen auf den Bänken, haben gesungen und getanzt und es gab eine super Stimmung." Zum Volksfest hat die 17-Jährige sogar die richtige Kleidung getragen, denn sie passte in ein Dirndl ihrer Gastschwester. "Zuhause tragen wir nie Tracht, ich habe nicht mal eine. Aber Dirndl sind toll", strahlt sie.

Bayerische Feste, bayerische Kleidung, sogar das bayerische Essen findet die Chinesin toll. Leberkäse, Weißwürste und Kartoffelsalat haben es ihr angetan - auch wenn sie die Schmankerl mit Messer und Gabel und nicht wie gewohnt mit Stäbchen essen muss. "Chinesen können aber alles mit Stäbchen essen, selbst Weißwürste", lacht sie.

In Wuhan besucht Xinrui eine Fremdsprachenschule, wo sie seit fünf Jahren deutsch lernt. Der Unterricht dauert mit Pausen bis Abends um halb neun. Auch am Samstag muss die Chinesin vormittags zur Schule. Klar, dass sie da die Schüler des Ruperti-Gymnasiums um ihren Schulalltag beneidet. Nächstes Jahr macht Xinrui ihr Abitur, mit überdurchschnittlichen Leistungen hat sie dann die Möglichkeit auf ein Stipendium und ein Studium in Deutschland. Ob sie das möchte, weiß die Chinesin aber noch nicht. "Es hätte einen großen Nachteil", meint sie. "Wenn ich in Deutschland studiere, kann ich nicht mehr so oft auf Konzerte meiner chinesischen Lieblingsband `May Day´ gehen."

Anette Mrugala

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser