Brandanschlag auf Haus war "Denkzettel"

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Ampfing/Töging - Für großes Aufsehen hat im November der Brandanschlag auf eine Doppelhaushälfte in Töging gesorgt. Die vier Tatbeteiligten standen jetzt in Mühldorf vor dem Jugendschöffengericht.

Das Urteil: Vier Haftstrafen auf Bewährung. Immerhin bei der Schilderung des Tatablaufs waren sich alle vier weitgehend einig. In der Nacht vom 14. November auf den 15. November flogen drei brennende Molotow-Cocktails auf das Haus in der Aventinstraße, zu dem Zeitpunkt schliefen in beiden Haushälften insgesamt zehn Personen.

Die vier Jugendlichen – ein damals 16-Jähriger aus dem Landkreis Erding, ein 19-Jähriger aus dem Landkreis Mühldorf, sein 16-Jähriger Cousin (ebenfalls aus dem Landkreis) und ein 18-Jähriger aus dem Landkreis Altöttinger – wollten dem Sohn der Töginger Familie einen Denkzettel verpassen: Er war der Ex-Freund der Freundin des Erdingers, die zugleich die Schwester des 19-Jährigen ist. Weil der Töginger dem Mädchen angeblich auch nach Beziehungsende noch nachstellte, flogen die Brandsätze.

Pkw-Brand in Ampfing

Der Ablauf: Der 19-Jährige fuhr seine Freunde zu dem Haus. Die anderen drei zündeten je einen Molotowcocktail an, schleuderten ihn blindlings auf das Haus und liefen zum wartenden Fluchtauto zurück. Die Polizei stellte Einschläge am Dach zwischen zwei Gauben mit Fenstern, an der Fassade und im Garten fest.

Auf die Spur kamen die Beamten dem Quartett nur, weil sie den Erdinger schon in einem ähnlich gelagerten Fall in Velden an der Vils in Verdacht hatten, das Haus des neuen Freundes seiner Schwester mit Eiern beworfen zu haben.

Nachbarn entdeckten den Brand in Töging zufällig und löschten rechtzeitig, ehe das Haus Feuer fing. Hätte einer der Brandsätze ein Fenster getroffen, wäre die Tat als versuchter Totschlag vor dem Schwurgericht gelandet, machte Richter Heinrich Ott deutlich.

Der 18-Jährige hatte zunächst bei der Polizei ausgesagt, es sei einkalkuliert gewesen, dass Personen zu Schaden kommen könnten. In der Hauptverhandlung revidierte er diese Aussage. Auch die anderen drei gaben an, die Folgen des Anschlags nicht bedacht zu haben.

Alle vier zeigten in der Verhandlung wenig Reue, ließen die Ausführungen gleichgültig über sich ergehen, warfen vielmehr Zeugen und Staatsanwältin missachtende Blicke zu - und lachten sogar unverhohlen, als der geladene Polizeibeamte von ihren Falschaussagen im Zuge der ersten Vernehmung berichtete.

Richter Ott und die beiden Schöffen ließen alle Angeklagten auf freiem Fuß. Er gehe davon aus, dass es sich in den vergangenen Monaten um eine "Episode des Ausrastens" gehandelt habe, die überwunden sei, sagte Ott.

Der 19-Jährige wurde zu zwei Jahren Jugendstrafe verurteilt, ihm wird aufgrund der Unfallflucht in Neumarkt zudem zwölf Monate lang der Führerschein entzogen. Der Erdinger erhielt ein Jahr und sechs Monate. Der Altöttinger war nach Ansicht des Gerichts zwar nur Mitläufer, habe aber gegenüber dem Schicksal der Hausbewohner eine "bodenlose Kaltschnäuzigkeit" an den Tag gelegt. Seine Jugendstrafe: 16 Monate. Der 16-Jährige aus dem Landkreis Mühldorf wurde zu neun Monaten Jugendstrafe verurteilt.

Alle Strafen wurden auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Und alle vier müssen je 120 Sozialstunden ableisten.

nl/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

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