Besuch beim Automatenpapa

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Mehr Papa als Herr der Automaten: Bernhard Wagner.

Mühldorf - Bernhard Wagner sammelt Flipper, Jukeboxen, Glücksspielkästen, einfach alles, was lärmt und blinkt. Jetzt hat der Mühldorfer erstmals sein Lager geöffnet.

"So ein Miststück!" Der Kopf verschwindet fast vollständig in der blau-lila Jukebox, bis nur noch das graue Star-Wars-Shirt zu sehen ist. Das schicke Ungetüm vom Typ "Rock-Ola" hat einen stolzen Preis, 900 Euro, und scheinbar einen ersten Interessenten. Und dann so etwas. Zerknirscht taucht Bernhard Wagner wieder aus der Jukebox auf: "Jetzt stell ich sie hier hin und sie geht nicht mehr".

Bernhard Wagner hat sie alle: Flipperkästen, Jukeboxen, Fahrsimulatoren, Cola-Automaten, abgegriffene und neuwertige, verstaubte und auf Hochglanz polierte. "Bei den Flippern ist es besonders schlimm", gesteht er schmunzelnd. Mehr als 150 zählt er sein Eigen.

Nachdem er jahrelang die Garagen von Verwandten blockiert hat, hat Wagner in der ehemaligen Schörghuberfabrik nun sein Endlager für die liebgewonnen Automaten gefunden. Doch das Platzproblem hat er noch nicht im Griff. Überall stapeln sie sich übereinander, nebeneinander, durcheinander. Dazwischen Bananenkisten mit Ersatzteilen. Eine dicke Staubschicht umhüllt manche Flipper. "Was Automaten anbetrifft, bin ich ein Messi", grinst Bernhard Wagner. Skurril ist er, aber bestimmt kein Kauz.

Bei Kinder beliebt: Ein Kickerkasten.

Jetzt hat der 52-Jährige den ersten Tag der offenen Tür im Automatenlager veranstaltet. Viele Freunde sind gekommen, aber auch Gleichgesinnte. Kein Wunder, denn Wagner veranstaltet in Österreich regelmäßig Börsen und Sammlertreffen für seine Flipper-Kollegen. In Zukunft will er sein Automatenland zweimal im Jahr öffnen, einmal davon zum Oldtimer-Treffen.

Im letzten Raum des Gebäudes verschwindet schon wieder ein Kopf, diesmal im Kabelgewirr eines Lautsprechers. Der Kopf gehört zu Walter Wiesmüller, dem "Leib-und-Magen-Reparateur" von Bernhard Wagner. "Der Stecker schraubt nicht ein", erklärt der 77-Jährige und dreht an ein paar Rädchen in der orange-gelben Box. "Musst halt noch ein bisschen zaubern", meint Bernhard Wagner zum Automaten-Doktor. Da Wagner kein Elektriker ist, trägt der pensionierte Kinotechniker die Verantwortung für den guten Klang.

Walter Wiesmüller sorgt dafür, dass die Automaten laufen.

Wagners Sammelleidenschaft begann schon früh. Als Jugendlicher hat er den ersten gebrauchten Automatengekauft, für 250 Mark von seinem Taschengeld. Im Laufe der Jahre sind es immer mehr geworden. Aktuell ist nur ein Fünftel der Spielgeräte betriebsbereit. Den Überblick hat der 52-Jährige verloren, auch weil er sich gegen jede Ordnung sträubt. "Alles, was weiter hinten steht, rückt auch in meinem Gedächtnis nach hinten." Doch der Klebstoff zwischen Sammler und Gerät hält nach wie vor. Schließlich gibt es zu jedem Modell die passende Geschichte. Die Jukebox aus dem Jahr 1954 zum Beispiel. Ursprünglich stand das Modell im Schlachthof in Wien, bevor es Teil seiner Sammlung wurde. Die besondere Farbgebung hatte es ihm angetan: blauer Hammerschlaglack. Mindestens genauso wertvoll ist für Bernhard Wagner sein ältestes Gerät. Das Modell 1100 von 1948 steht nicht in der Schörghuberfabrik, sondern im Wohnzimmer. "Vor allem, um anzugeben."

Doch nicht alle Automaten haben so ein schönes Leben wie das Modell 1100. Es gibt nämlich einen Platz, "wo die Automaten reinmüssen, wenn sie böse sind", in den Bunker. "Dann gibt's immer großes Jaulen." Der dunkle verstaubte Betonkasten ist schon fast voll. Hier lagern Ersatzteile und Geräte, die nicht so wichtig sind. Wer sich traut, wagt einige Schritte in den vollgestellten Raum. "Ich empfehle ein Handy mit Taschenlampenfunktion", ruft Wagner seinen Gästen noch hinterher.

chn/Mühldorfer Anzeiger

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