Beim "Flambieren" das Ohr verbrannt

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mühldorf - Bei der Polizei wollte der 24-Jährige den Beamten noch glauben machen, seine Brandverletzungen rührten von seinem Beruf als Koch her. Mit Cognac habe er flambieren wollen, und da sei eben etwas schief gelaufen.

Vor Gericht dann gab der Waldkraiburger - angesichts erdrückender Beweislast - zu: Er hat sich nicht beim Flambieren die Hände verbrannt, sondern als er das Auto seiner Ex-Freundin angezündet hat. Der Ford Ka der jungen Frau wurde durch das Feuer teilweise zerstört, der Schaden beläuft sich auf rund 2500 Euro.

Gründe für die Tat: Eifersucht und verletzter Stolz. Im Zuge einer "schmutzigen Trennung" sei die Brandstiftung in der "ersten Wut" eben passiert. Richter Florian Greifenstein nannte das Vergehen des jungen Mannes "eine spontane Tat mit etwas abstrusem Motivationshintergrund".

In der Tat hätte der Angeklagte die Allgemeinheit "erheblich gefährdet", befand der Staatsanwalt. Bei einem Brand in einem mit Benzin gefüllten Auto bestehe schließlich Explosionsgefahr! Auch Richter Greifenstein versuchte, dem jungen Mann genauere Informationen über den Hergang des Brands zu entlocken: "Eine Erklärung von ihnen wäre schon hilfreich."

Doch der arbeitslose Hartz-IV-Empfänger gab sich wortkarg und gab nur das Nötigste zu Protokoll. Etwa dass er von Beruf gelernter Beikoch sei, aber mangels Job-aussichten ab September eine Zweitausbildung beginnen werde. Für seine beiden Kinder, die er mit zwei verschiedenen Müttern hat, zahlt er keinen Unterhalt - wie auch.

Was das Gericht und Staatsanwalt ärgerte, war auch das Nichterscheinen des Angeklagten zur Verhandlung. Der Termin war in Absprache mit ihm anberaumt worden. Wer dann aber im Gerichtssaal fehlte, war der 24-Jährige. Eine Streife der Waldkraiburger Polizei musste ihn von seiner Wohnung abholen und nach Mühldorf chauffieren. Knappe Begründung des von vielen Terminen wohl kaum geplagten Arbeitslosen: "Ich hab's einfach vergessen."

Für die vorsätzliche Brandstiftung muss der Mann nun eine einjährige Freiheitsstrafe verbüßen. Weil er bislang nur mit diversen kleineren Diebstählen strafrechtlich in Erscheinung getreten war, setzte das Schöffengericht die Strafe zur Bewährung aus. Von einer Geldstrafe sah Greifenstein ab: "Geld muss er nicht zahlen, er hat ja keins."

zip/Mühldorfer Anzeiger

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Region Mühldorf

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser