Reizthema Krankenhauskeime

"Es wird Schmutz über andere ausgeschüttet"

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Dr. med. Wolfgang Richter, Ärztlicher Direktor der Kreiskliniken Mühldorf, verteidigte die Hygienestandards der Mühldorfer Klinik.
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Mühldorf - Sie sind die große Angst vieler Patienten: Krankenhauskeime. Warum die Mühldorfer Klinik gerade wegen umfassender Kontrollen in ein schlechtes Licht gerät.

Im Rahmen der Präsentation des Baufortschritts in der Mühldorfer Klinik hat Dr. med. Wolfgang Richter, Ärztlicher Direktor und stellvertretender Geschäftsführer der Kreiskliniken, ein teils emotionales Statement zum Reizthema Krankenhauskeime abgegeben. Die Mühldorfer Klinik geht sehr sensibel mit dem Thema um und könnte gerade deshalb in ein schlechtes Licht gerückt werden.

"Krankenhauskeime" kommen eigentlich von außen

Hier, in der Zentralsterilisation der Mühldorfer Klinik, haben auch multiresistente Keime keine Chance. Eine Gefahr für die Patienten stellen vielmehr Keime dar, die die Patienten selbst ins Krankenhaus einschleppen.

Die sogenannten Krankenhauskeime, in vielen Fällen das Bakterium MRSA, sind gegen eine Vielzahl Antibiotika resistent und deshalb sehr schwer behandelbar. Infiziert sich ein Krankenhauspatient mit einem dieser multiresistenten Keime, besteht im schlimmsten Fall sogar Lebensgefahr. Wie bei der Präsentation der neuen Zentralsterilisation der Mühldorfer Klinik deutlich wurde, kommen die sogenannten Krankenhauskeime eigentlich von außen. Die OP-Instrumente etwa werden mit heißem Dampf vollständig sterilisiert und können damit auch keine Krankenhauskeime mehr übertragen. Diese sind zwar sehr resistent gegen Antibiotika, nicht aber gegen Hitze.

Indes tragen viele Menschen Krankenhauskeime in sich, ohne davon zu wissen. MRSA-Bakterien etwa siedeln sich in Nasenvorhof, Rachen, Achseln und Leisten an, ohne die Menschen krank zu machen. Erst wenn sie in den Körper gelangen, beispielsweise über Wunden, kann eine Infektion ausbrechen. Gefährlich für die Patienten in den Krankenhäuser sind also all jene Keime, die unbemerkt von Patienten ins Krankenhaus eingeschleppt werden.

Patienten werden vor Behandlung auf Keime getestet

Wie Dr. Wolfgang Richter erklärte, werden in der Mühldorfer Klinik alle Patienten aus Risikogruppen bereits bei ihrer Ankunft in der Klinik auf Krankenhauskeime getestet. Dies ist vor allem deshalb wichtig, weil Richter zufolge in der Region die Patienten doppelt so häufig Krankenhauskeime hätten als gewöhnlich. Wird bei einem Patienten, der wegen einer geplanten Operation nach Mühldorf kommt, etwa einer Hüftgelenksoperation, ein Krankenhauskeim festgestellt, wird ihm eine Behandlung gegen die Keime außerhalb der Klinik empfohlen. Hat diese Behandlung Erfolg, kann der Patient sich anschließend in Mühldorf der geplanten Operation unterziehen. Oft ist dies schon nach ein paar Wochen möglich.

Genau diese Praxis könnte der Mühldorfer Klinik nun negativ ausgelegt werden. So kritisierte Richter eine Untersuchung einiger Krankenkassen, bei der überprüft wurde, wie oft in den Kliniken auf Entlassungsscheinen Krankenhauskeime vermerkt waren. Weil in Mühldorf alle Patienten, bei denen bei der Ankunft ein Krankenhauskeim festgestellt wurde, einen entsprechenden Vermerk auf ihrem Entlassungsschein haben, sehen die Mühldorfer Zahlen auf den ersten Blick schlecht aus. Dies werde "in der weiteren und näheren Umgebung" dazu benutzt, "um Schmutz über den anderen auszuschütten", kritisierte Richter.

2013 nur drei Infektionen

2013 hatten in Mühldorf 250 Patienten an der Eingangstüre Krankenhauskeime, in diesem Jahr waren es bis einschließlich September 199. Zugleich haben sich 2014 aber lediglich drei Patienten im Krankenhaus mit einem entsprechenden Keim infiziert. "Wir haben eine top Hygiene", betonte Richter. "Wenn jemand sagt, dass bei uns die Keimlast höher ist als in einem anderen Krankenhaus, dann ist das schlicht und ergreifend gelogen."

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