Abfindung für die Assistentin

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"Das einzig Positive an Herrn Elsner ist im Moment die Tatsache, dass er nicht mehr da ist", sagt Interims-Kreisgeschäftsführer Jung über seinen Vorgänger. Foto ha

Mühldorf - Das Rote Kreuz prüft rechtliche Schritte gegen seine ehemalige Vorsitzende Susanne Engelmann und den ehemaligen Geschäftsführer Marc Elsner. Das bestätigte Interims-Kreisgeschäftsführer Josef Jung gestern.

Im Raum stehen Regressansprüche in Höhe von rund 20000 Euro. Seit drei Wochen muss sich Jung als Interims-Kreisgeschäftsführer des BRK Mühldorf um den Scherbenhaufen kümmern, den sein Vorgänger Marc Elsner hinterlassen hat. Ein Ende der Aufräumarbeiten ist noch lange nicht in Sicht. "Das Ausmaß habe ich völlig unterschätzt", sagt Jung, ehe er das "System Elsner" skizziert. "Manche Menschen hat er begünstigt, andere Mitarbeiter rücksichtslos geschnitten." Anders ausgedrückt: "Er hat immer wieder ganz bewusst gegen den Grundsatz des BRK der Mitmenschlichkeit verstoßen."

Zu den Begünstigten gehörte vor allem seine Assistentin, die außerdem Leiterin des BRK-Shops war. Bis zuletzt stattete Elsner sie mit umfangreichen Kompetenzen aus und gewährte ihr nach Informationen des Mühldorfer Anzeigers ein Gehalt, das über dem des Leiters des Rettungsdienstes lag, der zugleich stellvertretender Kreisgeschäftsführer war.

Da passt es ins Bild, dass Elsner Vorkehrungen für seine Assistentin getroffen hat, als seine Tage in der Kreisgeschäftsstelle gezählt waren. Bei der Durchsicht der Personalakten tauchte jetzt ein Aufhebungsvertrag auf, der ihr unter anderem eine Abfindung im fünfstelligen Bereich garantiert. Pikant: Der Vertrag trägt neben Elsners Unterschrift auch die der damaligen Vorsitzenden Susanne Engelmann.

Jung bestätigte gestern auf Anfrage die Existenz des Vertrages und nannte ihn ein "untragbares Konstrukt". Nicht nur wegen der Abfindung - nach Anzeiger-Informationen soll es sich um einen Betrag von rund 20000 Euro handeln - sondern auch, weil er in seinen Augen ohne rechtliche Grundlage geschlossen wurde.

Dieser Einschätzung schloss sich die Vorstandschaft am Montagabend einstimmig an: "Die Kreisvorstandschaft missbilligt die Unterzeichnung des Aufhebungsvertrages aufs Schärfste. Es gab keinen betriebsbedingten Grund zur Auflösung des im Stellenplan verankerten Arbeitsplatzes", heißt es in einem Beschluss.

Der zeitliche Ablauf des Vorgangs macht deutlich, dass die ehemalige Vorsitzende in Erklärungsnot gerät. Denn obwohl der Vertrag auf den 2. September datiert ist, informierte Susanne Engelmann die Vorstandschaft bis zur Sitzung am 16. September nicht über ihre Entscheidung. Selbst als es bei dem entscheidenden Treffen um Elsners und ihre eigene Zukunft im BRK ging (wir berichteten), sei nach Aussage der BRK-Justiziarin Catharina Henke von dem Vertrag keine Rede gewesen.

"Kein Zweifel, sie hat die Vorstandschaft ganz klar hintergangen", erklärt Henke. "Zudem hätte sie meiner Ansicht nach für eine Personalentscheidung dieser Tragweite einen Vorstandsbeschluss gebraucht."

Juristisch sei der Vertrag aufgrund der Unterschriften nur schwer anfechtbar. "Deshalb werden wir voraussichtlich Regressansprüche gegen Elsner und Engelmann geltend machen", betont die Rechtsanwältin. "Dazu sind wir aus dem Selbstverständnis als Vorstandschaft eines Sozialverbands verpflichtet." Ebenso sieht es Jung: "Mit aller Macht werden wir uns dafür einsetzen, dass kein Cent an Abfindung ausgezahlt wird. Oder wir holen sie uns eben auf anderem Weg wieder zurück." Auch Marc Elsner soll laut Jung im Nachgang keinen Euro mehr bekommen. "Wir lassen gerade prüfen, was möglich ist." In der vergangenen Woche durchforsteten deshalb noch einmal die Mitarbeiter der Innenrevision die Akten in der BRK-Kreisgeschäftsstelle. Unabhängig vom Ergebnis komme in den nächsten Wochen alles auf den Prüfstand, erklärt Jung. "Vom BRK-Shop bis zur Werkstatt."

Zu seinem Vorgänger hatte der 52-Jährige bisher nur schriftlichen Kontakt. "Wie seine Assistentin hat sich Herr Elsner gleich am 16. September krank gemeldet", sagt Jung, der keinen Hehl daraus macht, wie er die Sache sieht: "Das einzig Positive an Herrn Elsner ist im Moment die Tatsache, dass er nicht mehr da ist."

Weder Elsner noch Engelmann waren gestern für eine Stellungnahme zu erreichen.

ha

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