Update: Erste Fakten zu Chemie-Unfall an Alz

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So wirkt sich die Alz auf das Grundwasser der Region aus. Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt haben diese Grundwasser-Karte erstellt

Burgkirchen/Gendorf - Naturdrama an der Alz: Sterben nach den Fischen jetzt auch die Vögel durch den Chiemunfall von Burgkichen? Eine Expertenrunde legt jetzt erste Fakten vor.

„Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“, so lautet das Zitat von Hans Kruppa. Leider ist dies zur Zeit in der Alz zwischen Burgkirchen und der Innmündung in großem Ausmaß tatsächlich der Fall:

Fast der gesamte Fischbestand in der Alz zwischen dem lokalen Chemiewerk und der Einmündung in den Inn sei  wohl tot, sagte Dr. Dipl. Biol. Manfred Holzner, Vorstand im Bezirksfischereiverein Mühldorf - Altötting e. V. gegenüber innsalzach24. Das sind rund 15 Kilometer.

Jetzt auch Vögel in Gefahr

Eveline Merches vom Bund Naturschutz Burgkirchen gab jetzt bekannt, dass auch bereits ein erster toter Vogel gefunden worden sei. „Es liegt nahe, dass in dem Gewässer wohl viele Vögel sterben könnten – darunter seltene Arten wie der Eisvogel oder verschiedene Entenvögel “, sagte sie. Der Kormoran soll nicht betroffen sein. Die Auswirkung des Alz-Verseuchung seien allerdings noch unklar und ebenso, welche Langzeitschäden zu erwarten sind.

Biologe Holzner teilte innsalzach24 außerdem mit, dass angefressene tote Fische, die in der Flussaue lagen, gefunden wurden. „Betroffen sind hier vor allem die Aasfresser wie Fuchs und Ratten. Auch ihnen drohen Schäden“, erklärte er.

Die Pressekonferenz und erste Sanierungsmaßnahmen an der Alz:

Fischsterben in der Alz - Pressekonferenz

Wie bereits berichtet, kam es am  6. März 2012 zu einem Brand in der Chemiefabrik Gendorf. In diesem Zusammenhang sind chemische Substanzen in die Alz gelangen, die zum Tod der Fische führten. Die Vertreter der Unternehmen InfaServ und Clariant gaben bekannt, dass es sich bei dem in die Alz eingetragenen Stoff um GENAMIN LA 302 D handelt, der äußerst giftig auf Wasserorganismen wirkt.

Neue Fakten zur Umwelt-Verseuchung

Das Landratsamt Altötting hatte heute kurzfristig Vertreter der Regierung von Oberbayern, des Wasserwirtschaftsamtes Traunstein, des Landesamts für Umwelt der Firmen InfraServ und Clariant zu einer Besprechung in den Großen Sitzungssaal eingeladen, um die neuesten Erkenntnisse hinsichtlich des Schadensfalles an der Alz auszutauschen und weitere Maßnahmen festzulegen. Die Ergebnisse.

1. Möglicherweise sind bis zu 800 Kilogramm GENAMIN LA 302 D in die Alz gelangt - Der Verbleib dieser Menge des Stoffes ist ungeklärt. Sowohl ein Eintrag in die Alz als auch eine teilweise Verbrennung kämen in Frage.

2. Kontaminiertes Löschwasser ist nicht die Ursache für Alz-Verseuchung - Der ursprünglich angenommene Stoffeintrag in die Alz durch das Löschwasser ist mit sehr großer Wahrscheinlichkeit doch nicht für den Vorfall verantwortlich. Weitere Möglichkeiten, die ursächlich für diesen Schadensfall sind, werden noch untersucht.

3. Das Ergebnis des Breitbandscreenings der Alz soll am Freitag, 16. März 2012, vorliegen.

4. Sechs Wasserproben sind schon ausgewertet - In Wasserproben der Alz am 10.03.2012 konnte GENAMIN LA 302 D nicht mehr nachgewiesen werden, wohl aber in Proben vom 7.03.2012.

5. Bislang wurden von den Feuerwehren sechs Tonnen verendeter Fische aus der Alz geborgen.

6. Lebewesen können wieder angesiedelt werden - Da der Stoff in 28 Tagen zu 70% und somit biologisch sehr gut abbaubar ist, kann bereits derzeit eine Wiederansiedlung verschiedenster Kleinlebewesen beobachtet werden.  

 

Weitere Probleme und Folgen:

Biologe Holzner, auch Vorstand im Bezirksfischereiverein Mühldorf-Altötting, wies auf eine weitere Problematik hin: „Es ist bekannt, das viele kleine tote Fische und Jungfische, die zwischen fünf und sieben Zentimeter lang sind, zwischen den Ablagerungen hängen und sich dort zersetzen werden. Das ist natürlich nicht so gut.“

Um auch die kleinsten toten Lebewesen herauszuholen, könnte man einen "Spülgang" in der Alz machen, erklärte Merches vom Bund Naturschutz. „Dabei wird eine große Menge Wasser von einem Auffangbecken auf einmal in die Alz geschütten. Das soll wie eine Welle wirken und hoffentlich einige verendete Wesen wegspülen.“

Derzeit wird in der Alz ein sogenanntes Sediment-Monitoring durchgeführt, um weitere Erkenntnisse über eine eventuelle Belastung der Klein- und Kleinstlebewesen zu gewinnen.

Um den Fischbestand wieder herzustellen, gibt es nach Aussagen von Holzner zwei Möglichkeiten:

Zum einen hofft man auf eine Selbstregulierung, weil zwischen der Alz und dem Inn ein Austausch stattfindet. Zum anderen können Fischbestände ausgewildert werden. „Leider geht das nur für wenige Arten. Ungünstig ist auch, dass gerade die Laichzeit angefangen hat. Wir müssen jetzt einfach abwarten.“

Auf der Pressekonferenz in der vergangenen Woche wurde eine Gefahr für die Bevölkerung ausgeschlossen. Das Trinkwasser sei nicht von der Kontaminierung betroffen. Das Grundwasser müsse hingegen noch intensiv untersucht werden.

Im Raum Gendorf-Emmerting wird über Hausbrunnen vielfach Grundwasser zur Brauchwasserversorgung für den eigenen Bedarf, insbesondere auch zur Gartenbewässerung, gefördert. Es wird daher vom Landratsamt Altötting vorsorglich empfohlen, in den betroffenen Gebieten das Grundwasser bis auf weiteres nicht mehr zur Bewässerung von Nutzpflanzenflächen und Spielflächen des Gartenbereichs zu verwenden. Da für die Wasserqualität zur Gartenbewässerung weder Grenzwerte noch wissenschaftliche Forschungsergebnisse vorliegen, sei diese Empfehlung als reine Vorsichtsmaßnahme zu bewerten. Zudem werden Spaziergänger, Hundebesitzer u.ä. vorsorglich gebeten, bis auf weiteres den Kontakt mit dem Wasser der Alz zu vermeiden. 

Aus dem Archiv

Infos zur Alz:

Die Alz von der Mündung bis zum ersten Querbauwerk bei Burgkirchen ist einer der wenigen Kiesflüsse im Einzugsbereich des Inns und als solcher essentiell wichtig für die Reproduktion eines natürlichen Fischbestandes in Ostbayern. Die Alz ist flussabwärts ab Emmerting Naturschutzgebiet und Flora-Fauna-Habitat Gebiet. Der Bund Naturschutz Burgkirchen schrieb, dass es sich um die bei weitem folgenreichste Vergiftung der hiesigen Wassersysteme während der letzten 30 Jahre handelt. Gemäß Untersuchungen des Wasserwirtschaftsamts Traunstein von 2008 und 2009 gibt es im Gefälle zwischen Alz und Salzach einen Grundwasserstrom von der Alz in Richtung Haiming. Das ergaben die Funde von PFOA wohl aus der Produktion im Werk Gendorf im Grundwasser der Gemeinde Haiming.

Innsalzach24 hält Sie in diesem Fall weiter auf dem Laufenden.

eh

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