"Hauptsache, die Braunen sind nicht drin"

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Halsbach - Nachdem Rechtsradikale das ehemalige Gasthaus Gruberwirt jahrelang als Treffpunkt genutzt hatten, wird das Gebäude nun zwangsversteigert. *Video*

Schon im Februar letzten Jahres hatten die Neonazis die Schlüsselgewalt über das ehemalige Gasthaus Gruberwirt verloren. Am 30. Januar wird im Rahmen einer Zwangsversteigerung am Amtsgericht Mühldorf ein neuer Eigentümer für das Gebäude gesucht. Ob damit die Neonazis endgültig aus Halsbach verbannt sein werden, ist jedoch ungewiss.

Gegendemonstration bei minus 15 Grad

Über Jahre hatten die Rechtsextremen Halsbach in Atem gehalten, immer wieder trafen sich Neonazis im früheren Gruberwirt zum feiern. Doch die Gemeinde wehrte sich gegen die rechten Umtriebe, zuletzt mit einer Demonstration am 11. Februar 2012. "Die Bürger haben sich sehr aktiv beteiligt", lobt Halsbachs Bürgermeister Georg Pfaffinger. "Bei minus15 Grad haben wir demonstriert."

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Seitdem war dieser Einsatz nicht mehr nötig gewesen, denn der Eigentümer des ehemaligen Gasthauses konnte seinen Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkommen. Im Zuge des vom Hauptgläubiger, der Sparkasse Altötting-Mühldorf, beantragten Versteigerungsverfahrens wurde im Februar die gerichtliche Zwangsverwaltung angeordnet. Dies hatte zur Folge, dass der Besitzer des Gruberwirts das Gebäude fortan nur noch mit der Zustimmung des Hauptgläubigers betreten durfte. Damit sollte verhindert werden, dass das Gebäude bis zur Versteigerung entwertet wird, etwa "durch Vermietung an Neonazis", wie Pfaffinger erläutert.

Kehren die Neonazis zurück?

Seit Beginn der Zwangsverwaltung sei nur noch einmal eine kleine Gruppe Neonazis in Halsbach gesichtet worden, so der Bürgermeister. Dass die Gemeinde für immer von Rechtsradikalen verschont bleibt, kann Pfaffinger jedoch nur hoffen. "Eine Gefahr besteht ja immer." Das hänge auch davon ab, wie die Versteigerung ausgeht.

Schließlich hätten theoretisch auch rechtsextreme Gruppierungen die Möglichkeit, das frühere Wirtshaus zu ersteigern. "Das wäre der größte anzunehmende Unfall, der GAU", sagt Pfaffinger. Man hoffe, dass das Gebäude "eine integre Person" ersteigere. Denkbar sei etwa, dass die Immobilie künftig für "überregionale Veranstaltungen" genutzt werde. Einen erneuten Wirtshausbetrieb im ehemaligen Gasthaus Gruber schließt der Bürgermeister hingegen aus. Schließlich habe man erst den Mitterwirt umgebaut, sodass schlicht kein Bedarf bestehe.

Gemeinde bietet nicht mit

Für viele Halsbacher zählt aber ohnehin nur eines: Dass nicht erneut Neonazis den früheren Gruberwirt in Beschlag nehmen. "Hauptsache, die Braunen sind nicht drin", formuliert es zum Beispiel Elfriede Wengbauer, die sich aktiv an den Demonstrationen gegen Rechts beteiligte.

Ob ihr Wunsch erfüllt wird, bleibt allerdings abzuwarten. Die Gemeinde selbst wird jedenfalls nicht ins Bieterrennen einsteigen. Halsbach sei finanziell nicht dazu in der Lage, erklärt der Bürgermeister. Seit dem Umbau des Mitterwirts sei man "ausgeblutet".

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