Verhandlung am Landgericht Traunstein

Prozess gegen "Brutalo-Räuber" von Burgkirchen: Urteil gefallen

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Am Freitag soll am Landgericht Traunstein das Urteil fallen im Prozess gegen zwei Männer und eine Frau wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und Beihilfe.

Burgkirchen/Traunstein - Am Freitag soll am Landgericht Traunstein das Urteil fallen im Prozess gegen zwei Männer und eine Frau wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und Beihilfe.

UPDATE, 13.00 Uhr

Das Urteil ist nun gefallen: 

  • Sechs Jahre und sechs Monate Haft wegen schweren Raubes in Tateinheit mit schwerer Körperverletzung gegen den Täter mit der Waffe, 
  • fünf Jahre wegen Raubes gegen den Verlobten der ehemaligen Kollegin der Tankstellenmitarbeiterin 
  • und ein Jahr und sechs Monate Bewährung für die Verlobte wegen Beihilfe zur Tat.

Bei der Strafmaßfindung spielten die massiven gesundheitlichen Schäden des Opfers eine wesentliche Rolle, so der vorsitzende Richter. Diese hat nach Ansicht der Kammer der Täter, der die Waffe führte, dem Opfer zugefügt. "Er war es, der dem Opfer die Waffe an den Kopf gehalten und abgedrückt hat". Die Frage, warum sich keine Schüsse lösten, konnte das Gericht nicht klären. Aus Ermangelung der Pistole als Beweisstück müsse man davon ausgehen, dass es eine Spielzeugwaffe o.ä. war.

Für das Opfer und schließlich für die Bewertung der gesundheitlichen Schäden sei es unerheblich, ob es sich nun um eine Spielzeugpistole gehandelt hat oder nicht. "Die Geldbotin war es, die dachte, dass sie jetzt sterben muss". Das Opfer ist seit der Tat in dauernder psychiatrischer Behandlung.

Eine Spontantat konnte das Gericht nicht feststellen. Die Tat war demnach geplant, wofür auch ein kurzer Anruf der Frau bei ihrem Verlobten kurz vor der Tat spricht. Demnach hat sie die beiden anderen darüber informiert, dass "jetzt die Geldbotin kommt"

Die Strafe gegen die Frau ist zur Bewährung ausgesetzt. Für die beiden Täter wurde eine eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt angeordnet. Als Gründe dafür nannte das Gericht die Drogensucht und sich daraus ergebende Tat. 

Abschließend ging der vorsitzende Richter noch auf das Verhalten der Täter ein: "Sie haben zwar ein voll umfängliches Geständnis abgelegt aber ohne Einsicht oder gar Reue gezeigt zu haben". Tatsächlich hat der größere der beiden während der Verhandlung dem Anwalt des Opfers mit einer Geste zu verstehen gegeben, er solle doch schneller machen und zum Punkt kommen.

Das lasse Schuldeinsicht und Reue deutlich vermissen. Der Richter ermahnte die Männer, die Entziehungskur als Chance zu verstehen und diese demütig anzunehmen.

UPDATE, 11.45 Uhr

Im Prozess gegen zwei Männer wegen gefährlichen Raubes und Beihilfe zum Raub haben die Anwälte ihre Plädoyers gehalten.

Der Staatsanwalt forderte für den Mann der Kollegin der Tankstellenmitarbein eine Haftstrafe von acht Jahren und drei Monaten. Acht Jahre und neun Monate soll das Strafmaß für den Täter, der die Geschädigte angegriffen und ihr die Waffe vorgehalten hatte sein. Für die Kollegin der Tankstellenmitarbeiterin forderte er drei Jahre und sechs Monate Haft

Nachdem die Täter bereits ein vollumfängliches Geständnis abgelegt hatten, ging es in den Plädoyers allgemein um die Frage, ob es sich um eine Spontantat der Männer handelte oder nicht. Die Verteidiger der beiden erhoben daran Zweifel. Der Verteidiger der Frau forderte gar einen Freispruch

Es sei nicht zu beweisen, dass sie daran beteiligt war, schlichtweg, weil ihr Verlobter durch die Beziehung zur Kollegin der geschädigten Tankstellenmitarbeiterin schon ausreichend Kenntnis darüber hatte, wann und wie das Geld von der Tankstelle zur Sparkasse gebracht wird, die Abläufe kannte. Ebenso die durchschnittlichen Summen, die dort zu erbeuten seien.

Der Anwalt des Täters mit der möglichen Komplizin forderte nicht mehr als drei Jahre und drei Monate für seinen Mandanten und die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt. Der Anwalt des anderen Täters forderte für seinen Mandanten fünf Jahre Haft und ebenfalls eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt.

Am Ende ergriffen die Täter das letzte Wort. Sie entschuldigten sich beide.

Das Urteil wird demnächst erwartet

Vorbericht

Am Freitag ist der vierte und aller Wahrscheinlichkeit nach letzte Prozesstag gegen zwei Männer und eine Frau wegen gemeinschaftlichen schweren Raubes und im Fall der Frau wegen Beihilfe zum schweren Raub. Die beiden Männer sind geständig. Prozessbeobachter erwarten das Urteil noch an diesem Tag nach den Plädoyers der Anwälte.

Aus der damaligen Pressemeldung der Polizei:

Am Sonntag, 17. Januar, gegen 13.50 Uhr wollte die Angestellte einer Tankstelle die Einnahmen via Geldautomaten bei der Burgkirchner Sparkasse einzahlen. Die Täter bedrohten die Frau mit einer Schusswaffe, warfen ihr Opfer zu Boden, entrissen ihr die Geldtasche und flüchteten. Zuvor versuchte einer der Täter, Gebrauch von seiner mitgeführten Schusswaffe zu machen.

Festnahmen nach Flucht der Täter

Akribische Ermittlungsarbeit führte bereits vier Tage nach der Tat zu einer ersten Festnahme. Am 5. April konnte dank mehrerer Hinweise auch der zweite, mittlerweile geständige Täter festgenommen werden. Auch die 36-jährige Freundin des älteren der beiden geständigen Täter muss sich wegen Beihilfe zu dem Raub verantworten. Von Todesangst hatte das Opfer bereits im Laufe des Prozesses berichtet: "Ich hab gedacht, es ist aus".

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