Behörden erteilen beschränkte Erlaubnis

Wacker braucht eine Milliarde Liter Wasser

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Burghausen/Haiming - Auf 1,3 Milliarden Liter Grundwasser darf Wacker künftig jährlich zurückgreifen. Welche Auswirkungen hat dies auf das Naturschutzgebiet?

Auf den ersten Blick ist es eine gigantische Zahl: 1,3 Milliarden Liter (1,3 Millionen Kubikmeter). So viel Grundwasser darf Wacker künftig aus dem werkseigenen Brunnen entnehmen, das ist gut fünfmal so viel wie bislang. Die Erlaubnis haben dem Unternehmen das Wasserwirtschaftsamt Traunstein und das Altöttinger Landratsamt erteilt, allerdings beschränkt auf einen Zeitraum von fünf Jahren. Eine sogenannte "beschränkte Erlaubnis" sei aus Sicht des Antragsstellers die "schwächste Genehmigungsform", erklärt Dr. Robert Müller, Leiter des Umweltamts am Altöttinger Landratsamt.

Kaum Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet

Wacker hat sich bislang im Mühlbach im österreichischen Überackern mit Reinstwasser für die Produktion versorgt. Die Wasserqualität im Mühlbach hat zuletzt aber nachgelassen, insbesondere in den Sommermonaten befindet sich mittlerweile zu viel Harnstoff im Wasser. Deshalb möchte Wacker nun verstärkt auf das örtliche Grundwasser zurückgreifen.

Die Behörden mussten vor der Genehmigung prüfen, inwieweit diese Entnahme die Grundwasserpegel, und damit das Naturschutzgebiet in der Nähe beeinflussen könnte. Die Salzachaue ist als FFH-Gebiet "Salzach und Unterer Inn", als Vogelschutzgebiet "Salzach und Inn" sowie als Landschaftsschutzgebiet "Salzachtal" ausgewiesen und umfasst mehrere großflächige Biotope. Die Behörden sind zu dem Schluss gekommen, dass die maximale zeitweilige Grundwasserabsenkung auf dem Werksgelände zu erwarten ist. Im Bereich des FFH- und Vogelschutzgebiets rechnet man mit einer temporären Absenkung von nur 12 Zentimetern am Westrand, innerhalb des FFH-Gebiets sollen die Auswirkungen noch geringer sein.

17,4 Milliarden Liter Grundwasserneubildung?

Ein Grund dafür ist, dass die Grundwasserstände im FFH-Gebiet in erster Linie vom Wasserstand der Salzach sowie des Unterwasserkanals abhängig sind - und diese Gewässer sind unabhängig von der erhöhten Entnahme durch Wacker.

Hinzu kommt, dass 1,3 Millionen Kubikmeter bezogen auf die gesamte Grundwassermenge vor Ort vergleichsweise wenig ist. In den Antragsunterlagen ist von einer Grundwasserneubildung von jährlich 17,4 Millionen Kubikmetern die Rede, das Wasserwirtschaftsamt Traunstein kommt in seiner Bewertung sogar auf eine noch größere Zahl. Das Grundwasser, das im Bereich Haiming zuströmt, wird zu einem großen Teil vom Pumpwerk Haiming in den Inn gepumpt - eine jährliche Menge von etwa 22 Millionen Kubikmeter. "Das ist der Maßstab, um den es letzten Endes geht", erklärt Dr. Robert Müller.

Haiming: Sorge um den Auwald

Zugleich räumt der Leiter des Umweltamts ein, dass die Berechnungsergebnisse immer davon abhingen, von welchen Berechnungsparametern man ausgehe. Doch auch wenn die Berechnungsergebnisse nicht exakt den tatsächlichen Gegebenheiten entsprechen - dass in dem Gebiet jährlich deutlich mehr Grundwasser gebildet wird, als Wacker nun nutzen darf, scheint klar zu sein. "In der Größenordnung wird es wohl so richtig sein", sagt Müller.

Dennoch begleiten vereinzelt Sorgen um die Natur das Vorhaben von Wacker. Gegenüber dem Alt-Neuöttinger Anzeiger forderte Haimings Bürgermeister Wolfgang Beier "sorgsamsten Umgang" mit dem "sehr kostbaren Gut" Wasser. Gerade in Neuhofen, dem Ortsteil, der der Industrie am nächsten liegt, gebe es große Sorgen, in erster Linie um den dortigen Auwald, erklärte Beier gegenüber dem Alt-Neuöttinger Anzeiger.

Genehmigung ist an Auflagen gebunden

Mit der beschränkten Erlaubnis gehen die Behörden auf Nummer sicher. Diese Form der Genehmigung könne von behördlicher Seite relativ einfach widerrufen werden, erklärt Müller. In den kommenden Jahren wird ein Monitoring Aufschluss darüber geben, welchen Einfluss die Grundwasserentnahme tatsächlich auf die Pegelstände hat. Neben einer kontinuierlichen Erfassung der Entnahmemenge durch Wacker müssen mindestens täglich an fünf verschiedenen Stellen die Grundwasserpegel gemessen werden.

"Man muss schauen, wie es sich entwickelt", sagt Müller. Sollten sich die Pegelstände so verändern, dass es aus Sicht der Fachbehörde nicht tolerierbar ist, könnte man dank der beschränkten Erlaubnis relativ einfach reagieren. "Das Ganze ist aus meiner Sicht gut abgesichert", so Müller.

Wasserqualität im Mühlbach verbessern

Hinzu kommt, dass noch gar nicht sicher ist, wie viel Wasser Wacker tatsächlich benötigt. Sollte die Verunreinigung des Mühlbachs weniger schwer ausfallen, braucht das Unternehmen vielleicht jährlich gar keine 1,3 Milliarden Liter Grundwasser. Die Situation im Mühlbach ist ebenfalls Bestandteil der beschränkten Erlaubnis. Die Behörden haben Wacker die Auflage gemacht, bis Ende 2019 darzustellen, wie man die Wasserqualität am Mühlbach erhöhen kann.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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