"Der Muezzin in der katholischen Kirche"

Angelusläuten: Kulturgut oder "kann das weg"?

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Ob nun Partynacht oder nicht: Offenbar wollen nicht wenige Burghauser das morgendliche Angelusläuten nicht mehr

Burghausen - "In anderen Kommunen findet es schon nicht mehr statt", das Angelusläuten. Norbert Englisch (SPD) wirft mit seinem Beitrag im Stadtrat eine Grundsatzfrage auf.

Das Angelus- oder auch Aveläuten: „Ja, das hat irgendwas mit der Kirche zu tun“. Damit könnte man bei „Wer wird Millionär“ bestimmt schon mal zwei Antwortmöglichkeiten ausschließen. Tatsächlich ist es in der katholischen Kirche das Läuten zum Angelusgebet, drei Mal am Tag.

Wohnt man direkt neben einer Kirche, dann kann gerade das morgendliche Angelusläuten schon mal stören, wie überhaupt jedes Geläut stören kann, je näher dran man wohnt. So steht offenbar jetzt auch Burghausen vor einer Grundsatzfrage: Ist das Angelusläuten in der Stadt noch zeitgemäß, religiöses Kulturgut, das gerade im meist katholischen Bayern gepflegt werden muss „oder kann das weg"?

Offen darüber reden

Mehrfach sei er darauf angesprochen worden, so Stadtrat Norbert Englisch (SPD) auf der jüngsten Sitzung und so bat er Ersten Bürgermeister Hans Steindl (SPD), auf einem bereits angesetzten Termin mit den Kirchen Ende September, das Thema anzusprechen. Was dann folgte, war eine grundsätzliche Aufklärung zum Thema Angelusläuten. Das hat nämlich nichts mit dem Glockenläuten zu jeder vollen Stunde zu tun.

Ein Ausflug in die Geschichte

Die Kirchenglocken waren ursprünglich nicht dazu da, die Uhrzeit zu melden. Es ging darum, die Menschen zum Gebet zu rufen oder hörbar anzuzeigen, dass die Kirche gerade geöffnet oder schon bald geschlossen wird. Das richtete sich nach Tag und Nacht und nicht nach der tatsächlichen Uhrzeit. Erst später gab es die präzisen Uhrwerke. Jahrhunderte später sind wir es gewohnt, dass die Glocke läutet, alle 15 Minuten. Das Angelusläuten hat damit nichts zu tun. Es dauert länger und ist damit eindringlicher.

Dann ist das Angelusläuten so etwas wie der Muezzin“, kommentierte Stadtrat Paul Kokott (CSU) die Herleitung.

Es geht um die Uhrzeit

Mit den Uhrwerken kam eine andere Taktung in das Leben der Menschen und das Angelusläuten wurde auf 6.00 Uhr festgelegt und genau da liegt das Problem für viele, insbesondere am Wochenende. Schichtarbeiter, Postbote, ob man nun früh raus muss oder nicht – „Um 6.00 Uhr muss das am Wochenende nicht sein“. Das hätten ihm die Menschen gesagt, so Englisch. „In anderen Kommunen findet es schon nicht mehr statt“.

Eine Grundsatzfrage also, angesiedelt im Bereich Kultur unter dem Schrägstrich Religion, die zumindest auf der jüngsten Stadtratssitzung nicht abschließend geklärt werden konnte.

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