Der Star ist das Auto

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Die Kurven eines 911er sind unverkennbar: „Früher, wenn ein schmucker Wagen in der Werkstatt stand, kam es schon mal vor, dass ich mich abends im Schlafanzug reingesetzt habe“, sagt Norbert Waldinger.

Töging - Norbert Waldinger erfüllt mit seiner Firma „NOWA“ Porsche-Fahrern nahezu jeden Wunsch – egal wie ungewöhnlich, egal wie teuer.

Die Geschichte ist so gut, dass man sie gleich zu Beginn erzählen muss. Passiert ist sie nicht in Töging, sondern bei einem Zubehör-Hersteller in Baden-Württemberg. Dort tauchte vor ein paar Jahren ein Kunde auf, der den Innenraum seines Porsches unbedingt mit Leder von Louis Vuitton ausgestattet haben wollte. „Weil der Lederwaren-Hersteller aber keine Meterware liefern konnte, kaufte der Zulieferer jede Menge Taschen auf, die nach und nach von Hand aufgetrennt und verarbeitet wurden.“ Norbert Waldinger weiß, wie verrückt sich das anhört. Von den Kosten ganz zu schweigen. Und doch liegt in seiner Stimme kein Hauch von Unverständnis. „Solche Geschichten sind ein Teil dieser Marke“, sagt er. „Sie gehören zu dem Mythos Porsche.“

Waldinger kennt sich aus in der Welt der Sonderwünsche und Extras. Der alugebürstete Schalthebel mit Lederknauf und Naht nach Wunsch ist da noch die leichteste Übung. Auch die beleuchtete Unterschrift des Besitzers in der Einstiegsblende ist für Waldinger und seine sieben Mitarbeiter keine Herausforderung mehr. „Wenn es keine technischen Hürden gibt, ist alles machbar.“ Rund ein Viertel seines Werkstatt-Umsatzes macht der 41-Jährige im Bereich Veredelung. Das Wort Tuning mag er nicht. „Das klingt immer nach breit, laut und tief. Das wird den meisten Wünschen unserer Kunden aber nicht gerecht.“ Denn im Kern gehe es allen Porschebesitzern darum, ihrem Wagen eine individuelle Note zu verpassen. Und das obwohl jeder Sportwagen aus Zuffenhausen ohnehin ein Einzelstück ist: Gebaut wird ein Porsche nämlich nur auf Bestellung.

Doch wer sind die Kunden, die hier am Ortsrand Tögings regelmäßig vorbeischauen, einen Blick auf die Gebrauchtwagen werfen, bestickte Fußmatten bestellen oder sich nach einem neuen Auspuff mit 911er Sound erkundigen? Diese Frage stellt sich der Kfz-Meister auch immer wieder – vor allem, wenn Präsentationen anstehen. „Dann müssen wir nämlich entscheiden, was es zum Essen gibt.“ Längst ist er zu dem Schluss gekommen: „Das Auto ist der Star, nicht der Shrimpsspieß.“ Tatsächlich geht es in Waldingers Autohaus familiär zu, nicht exklusiv. Hier trägt der Chef Blaumann, keinen Anzug. „Dem Klischee entsprechen meine Kunden sicher nicht“, sagt Waldinger. Dem Klischee? „Krawatte, Aktenkoffer, geschniegelt, leicht rotes Bankkonto. Und ein geleaster 911er.“ Waldinger schüttelt den Kopf: „Nein, zu mir kommen die Liebhaber. Menschen, die sich diesen Luxus gönnen. Die sich die Zeit nehmen, um am Wochenende ihr Baby auszuführen.“

Denn eines ist klar: Ein Porsche ist ein Zweitwagen. Zwischen vier- und sechstausend Kilometer fahren NOWA-Kunden im Jahr. Und doch: „Ein wenig eigen sind Porschefahrer schon“, gibt Waldinger zu. „Die würden nicht akzeptieren, dass in ihrer Werkstatt auf der Hebebühne nebenan an einem Fiat Panda rumgeschraubt wird.“ Für den Wagen nur das Beste, nur die Experten. Jahrelange Porsche-Erfahrung vorausgesetzt. Dabei haben sich die Zeiten durchaus geändert. „Früher war Porsche ein Auto für die Spitzenverdiener. Heute liegt der Wertverlust eines Porsches nach drei Jahren bei rund 45 Prozent. Ab dann wird es selbst für die Sparer interessant. Immer vorausgesetzt, sie wollen einen Porsche für ihr Leben gern.“ Viele wollen.

Knapp 850 Kunden hat Waldinger in seiner Kartei, die einen Umkreis von 200 Kilometern umfasst. Und für fast alle gilt: Wer einen Porsche fährt, kann ihn sich auch leisten. Der beste Beweis: „Ich verschicke so gut wie nie eine zweite Mahnung“, sagt Waldinger, der vom Porsche-Virus völlig unromantisch infiziert wurde: „Es war eher Zufall, dass ich in meiner Ausbildung ausgerechnet in einem Porsche-Zentrum gelandet bin. Mein Vater war BMW-Fahrer.“ Inzwischen lässt ihn die Faszination Porsche natürlich nicht mehr los, auch wenn die Marke aufgrund der steigenden Stückzahlen an Exklusivität eingebüßt hat: „Das macht mir nichts“, sagt Waldinger. „Wenn ich in einem 964 RS sitze und den Geruch des Leders einatme, dann bekomme ich immer wieder eine Gänsehaut.“ Selbst wenn das Leder nicht von Louis Vuitton stammt. ha

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