10 Liter Pech für einen Hirschen

Sind die Hofdult-Fässer startklar? 

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Alles noch von Hand: Auch der Ofen muss manuell befeuert werden.

Altötting - Da hat er am Samstag Pech gehabt, der Hell-Bräu, und das nicht zu knapp. Das ist auch gut so. Keine zwei Wochen mehr vor der Hofdult war es höchste Zeit dafür.

Fünf Schöpfkellen voller glühend heißem Pechs pro 200-Liter-Bierfass

Es gäbe Spezialfirmen, die das machen. Die haben Spezialmaschinen dafür. Warum also tut sich der Hell-Bräu das an? „Weil es sich für 40 Hirschen, einige Hunderter und die Partys finanziell nicht lohnt“, sagt Georg Hell junior. „Das machen wir lieber selbst“. Die Rede ist vom Fasspichen. Am Samstag war es im Hof der Brauerei Hell wieder soweit: Ein Tag bodenständiges Handwerk zusätzlich zum Bierbrauen.

Biergenuss aus dem Holzfass

Braumeister Georg Hell junior hält das tradiitonelle Handwerk hoch.

Alle zwei Jahre picht der Hell-Bräu seine Fässer und keine zwei Wochen vor der Hofdult ist es höchste Zeit dafür. Dort soll nämlich das Dult-Märzen wieder aus dem Holzfass gezapft werden. Ein Genuss für Biertrinker, ist es doch Zeichen für Handwerk und damit für Klasse statt Masse. Für den Bräu ist es allerdings ein Luxus in Form von Mehraufwand, auf den Familie Hell und ihre Mitarbeiter allerdings großen Wert legen.

Bilder vom Fasspichen beim Hell-Bräu Teil 1v2

Eine heiße Angelegenheit

Erst bei 240 Grad kann das Pech verarbeitet werden.

Früh morgens haben sie den Ofen angeheizt und das Pech auf Temperatur gebracht. Dann wird dieses spezielle Baumharz flüssig und bei 240 Grad kann es losgehen: 5 Kannen davon pro Hirschen – das ist ein 200 Liter Fass – dürfen es schon sein. Das entspricht etwa 10 Litern Pech.

Was jetzt folgt ist ein Tanz mit dem Fass. Die „heiße Suppe“ muss sich nämlich im Inneren gleichmäßig verteilen, altes Pech lösen und schließlich als neue Schicht an die Außenwand legen. Danach wird das überschüssige Pech mit den Rückständen der alten Schicht abgelassen. Dann geht es auf eine rund 15-minütige Trockenrunde. Das Fass ist dabei ständig in Bewegung. Die Mitarbeiter vom Hell-Bräu in Altötting rollen die frisch gepichten Fässer auf einer rund sieben Meter langen Bahn solange hin und her, bis das Pech im Inneren kalt und hart geworden ist. Das ist Handarbeit und dieses Handwerk wäre keins, käme es nicht auf die Hände an. Am Ende dieses Arbeitsschrittes ist es der Zeigefinger. Mit dem testet man nämlich durch das Füllloch, ob das Pech im Inneren noch klebrig ist, oder das Fass einen Arbeitsschritt weiter geschickt werden kann.

Georg Hell junior brennt die Fülllöcher aus.

Dann brennt Georg Hell jun. die Fülllöcher noch mit einem glühend heißem Metallkonus aus. Grund: Das Gewinde verklebt sonst und das Fass wird unbrauchbar. Letzte Pechreste werden mit einem speziellen Kratzwerkzeug entfernt.

Bilder vom Fasspichen beim Hell-Bräu Teil 2v2

Wasser für die Dichtigkeit

Rund 15 Minuten müssen die Fässer gerollt werden, bis das Harz im Inneren trocken ist.

Einen ganzen Tag brauchen sie für rund 90 Fässer verschiedener Größe. 40 davon sind die sogenannten „Hirschen“, mit denen die Hells das Festzelt auf der Hofdult mit Bier beschicken. Das Fass zur Eröffnung mit dem obligatorischen Anzapfen durch Altöttings 1. Bürgermeister Herbert Hofauer ist natürlich auch darunter. Rund 200 Liter gehen in so ein Fass. Mal 40 ergibt das 80 Hektoliter Dult-Märzen. Das sind 8.000 Maß Bier für die Hofdult.

Bis es soweit ist, gibt es aber noch viel zu tun beim Hell-Bräu. Nach dem Pichen müssen die Fässer noch gewässert werden. Erst dadurch werden sie nämlich erst dicht: Das Holz saugt sich voll und dehnt sich aus – nichts kommt mehr aus (wenn man es nicht will).

Das Pech im Inneren hat mit der Dichtigkeit eines Holzfasses nichts zu tun. Es verhindert – anders als beim Wein – „nur“, dass das Bier vom Holz Geschmack annimmt. Erst wenn das Fass gepicht und dicht ist, geht es in die Füllerei.

Ein ausführlicher Bericht zur Abfüllung und ein erster Blick auf das Fass, das Herbert Hofauer anstechen wird, folgt im Laufe der Woche.

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Hofdult-Infos

Auf dem Dultplatz vom 20. bis zum 29.05.2016:

- Startschuss: 20. Mai um 19 Uhr

- Dultauszug: 21. Mai ab 14 Uhr (Vom Hell-Bräu bis zum Dultplatz)

- Hofdultanschießen: 21. Mai um 16 Uhr (Traunsteiner Straße)

- "Radl-Roas": 22. Mai ab 10 Uhr (Radl-Schnitzeljagd durch ganz Altötting)

- Standkonzert: 22. Mai ab 12.30 Uhr (Kapellplatz)

- Dultfeuerwerk 29. Mai ab 22.00 Uhr

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