Schäden in Millionenhöhe nach Geothermiebohrung

Geothermie: Sorgen wegen Beben in Baden

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Die Schäden an den Häusern in Staufen sind zum Teil enorm. Dieses Foto zeigt Csaba-Peter Gaspar, Vorsitzender der Interessensgemeinschaft der Riss-Geschädigten in Staufen, an einer beschädigten Hauswand.
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Landkreis - In Staufen im Breisgau hebt sich nach Geothermiebohrungen seit Jahren die Erde, die Schäden gehen in die Millionen. Besteht auch in der Region Grund zur Sorge?

Staufen im Breisgau befindet sich seit sechs Jahren im Ausnahmezustand. Nach zwei Geothermiebohrungen begann die Erde sich zu heben, anfangs einen Zentimeter im Monat. Auch heute hält die Erde noch nicht inne. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet, hebt sich der Boden noch heute monatlich um 2,9 Millimeter. Zwischen Rathaus und ehemaligem Schloss seien 269 Häuser mehr oder weniger aus den Fugen geraten und Straßen und Gehwegpflaster aufgestülpt worden, berichtet die Zeitung.

An Gebäuden und Straßen dürfte ein Schaden in Millionenhöhe entstanden sein. Wie die Stuttgarter Zeitung meldet, bezifferte ein Ingenieurbüro den Schaden jüngst auf 50 Millionen Euro. Einem Bericht der Südwest-Presse zufolge ist inzwischen das Land Baden-Württemberg mit einer umfangreichen finanziellen Hilfe in die Bresche gesprungen. Staufen erhält 24 Millionen Euro für die Sanierung von beschädigten Gebäuden, die Stadt selbst steuert zusätzlich 6 Millionen Euro bei. Seit 2008 hatten das Land und die Kommunalen Landesverbände bereits rund 5,3 Millionen Euro für verschiedene Maßnahmen in der Stadt zur Verfügung gestellt. Die Stadt Staufen selbst hatte dafür bislang mehr als 2,5 Millionen Euro aufgewandt.

Aufgequollener Gips drückt Boden nach oben

Grund für das regelrechte Aufquellen der Erde könnte eine missglückte Geothermiebohrung sein. So soll aufgrund einer Bohrung Grundwasser zu einer höher gelegenen Gipskeuperschicht aufgestiegen sein. Mit dieser soll das Wasser zu Gips aufgequollen sein, was den Boden nach oben gedrückt haben soll. Schäden an Häusern, wie sie nun in Staufen zu sehen sind, sind die wohl unvermeidbare Folge in diesem Szenario.

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Das Unternehmen Geo-Energie Bayern, das in Garching und Kirchweidach Geothermie-Projekte realisiert, ist angesichts der Nachrichten aus Staufen nicht beunruhigt. Für Geschäftsführer Bernhard Gubo sind die Geothermie-Projekte im Landkreis Altötting überhaupt nicht mit dem Staufener Vorhaben vergleichbar. Einen Zwischenfall wie in Staufen könne man ausschließen, so Gubo. "Bevor eine Bohrung genehmigt wird, muss man nachweisen, welche Schichten man durchbohrt", erläutert der Geo-Energie-Geschäftsführer. "Wir verrohren unsere Bohrungen, zementieren unsere Bohrungen und wissen, welche Schichten wir anbohren."

Zudem dürften nur jene Unternehmen zementieren und verrohren, die dafür eine Zulassung haben. Grund für diese strengen Vorgaben sei der Umstand, dass die Bohrungen unter das Bergrecht fallen. "Wir haben höchste Auflagen in der Auswahl der Firmen." In Staufen sei dies nicht der Fall gewesen, erläutert Gubo.

"Da liegen Millionen Tonnen auf der Schicht"

Auch der Boden ist dem Geo-Energie-Geschäftsführer zufolge im Landkreis Altötting ein ganz anderer als in Staufen. Anders als in der Stadt im Breisgau gebe es in Oberflächennähe keine Anhydritschicht. Das Anhydrit hatte in Staufen gemeinsam mit dem Wasser den Gipskeuper aufquellen lassen. Im Landkreis Altötting gebe es erst sehr tief im Boden eine vergleichbare Schicht. Dort fließe schon jetzt Wasser. Sollte es also Wölbungen geben, hätte es diese schon immer gegeben, so Gubo. Außerdem könnte der Boden von einer aufquellenden tiefliegenden Schicht niemals nach oben gedrückt werden. "Da liegen Millionen Tonnen auf der Schicht."

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