Altötting: Polizei zieht positive Bilanz

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Altötting - Das sagt der Polizeireport: Das Ergebnis im Landkreis Altötting für das Jahr 2009 sei insgesamt als sehr zufriedenstellend zu bewerten.

Der Landkreis Altötting ist einer von neun Landkreisen im Schutzbereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd. Die etwa 108.000 Einwohner werden polizeilich betreut von den Polizeiinspektionen Altötting und Burghausen, der Kriminalpolizeistation Mühldorf, der Polizeistation Fahndung Burghausen und einer Dienstgruppe der Verkehrspolizei Traunstein in Mühldorf.

Nicht nur die Gesamtzahl der polizeilich bekannt gewordenen Straftaten ist deutlich zurückgegangen, diese positive Tendenz ist auch bei fast allen wesentlichen Deliktsfeldern zu verzeichnen. Insgesamt konnte in der Kriminalstatistik das beste Ergebnis der letzten sechs Jahre erreicht werden. In der Verkehrsunfallbilanz schlagen zwar etwas mehr registrierte Unfälle zu Buche, erfreulich ist jedoch die gesunkene Zahl der verletzten Verkehrteilnehmer. Die verhältnismäßig hohe Anzahl der Verkehrstoten ist auf einen verheerenden Geisterfahrerunfall mit fünf Getöteten zurückzuführen. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) ist eine Zusammenstellung aller bekannt gewordener strafrechtlicher Sachverhalte. Berücksichtigt sind alle polizeilich bearbeiteten Verstöße gegen das Strafgesetzbuch und strafrechtliche Nebengesetze ohne Verkehrs- und Staatsschutzdelikte.

Gesamtentwicklung

Im Jahr 2009 wurden im Landkreis Altötting insgesamt 4.808 Straftaten erfasst und damit 322 Fälle weniger als im Vorjahr (- 6,3 %). Strafbare Versuche zählen dabei wie vollendete Handlungen. Dies bedeutet den niedrigsten Stand seit 6 Jahren.

Kriminalitätsstruktur

Der jährliche Vergleich der Straftatenanteile an der Gesamtkriminalität stellt sich für das Jahr 2009 wie folgt dar:

Aufklärungsquote

Von den 4.808 Straftaten 2009 wurden 2.924 Fälle aufgeklärt. Die Aufklärungsquote konnte damit auf 60,8 % gesteigert werden (+ 1,2 %).

Häufigkeitszahl

Die Kriminalitätsbelastung (=Häufigkeitszahl) bezeichnet die Anzahl der polizeilich erfassten Straftaten auf jeweils 100.000 Einwohner. Deren Aussagekraft wird dadurch beeinträchtigt, dass nur die amtlich gemeldeten Einwohner zur Berechnung herangezogen werden können, also nicht z. B. Touristen, Durchreisende, Personen mit ausländischem Wohnsitz oder Ausländer, die sich illegal aufhalten. Die Belastung der Bevölkerung im Landkreis Altötting mit Straftaten ist 2009 mit 4.444 Straftaten pro 100.000 Einwohner deutlich um 5,8 % zurückgegangen. Dies bedeutet die niedrigste Belastung seit 6 Jahren und liegt unter dem Landesdurchschnitt von 5.073 und dem Wert des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd von 4.600.

Tatverdächtigenstruktur

Zu den 2.924 geklärten Straftaten 2009 wurden 2.222 Tatverdächtige ermittelt. Darunter befand sich ein Anteil von 15,8 % nichtdeutscher Personen. Nach Abzug der ausländerspezifischen Delikte nach dem Ausländer- und Asylverfahrensgesetz sinkt der Anteil Nichtdeutscher auf 14,7 %. Von den 2.222 ermittelten Tatverdächtigen waren 578 jünger als 21 Jahre, d.h. etwa jeder vierte Tatverdächtige (26 %) war ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender. Gegenüber 2008 ging die Zahl um 2% zurück und erreichte den niedrigsten Stand seit 2006. Vergleicht man den Anteil der Jugendlichen und Heranwachsenden an der Wohnbevölkerung mit der Straftatenbeteiligung, so kann man eine Überrepräsentation dieser Altersgruppe (16-21 Jahre) erkennen. Dies resultiert großteils aus ihrer hohen Beteiligung an Diebstahls-, Sachbeschädigungs- und Körperverletzungsdelikten.

Ausgewählte Deliktsbereiche

Gewaltkriminalität

Darunter fallen in erster Linie Mord- und Totschlag, Vergewaltigung, Raub und gefährliche sowie schwere Körperverletzungsdelikte. Im Landkreis Altötting wurden 126 entsprechende Delikte im Jahr 2009 registriert. Dies bedeutet einen erheblichen Rückgang um 13 Fälle (– 9,4 %) und damit den niedrigsten Wert seit 6 Jahren. Der Anteil an der Gesamtkriminalität liegt bei 2,6 %. Von diesen Straftaten konnten 84,9 % aufgeklärt werden, was eine Steigerung um 10,1 % ausmacht.

Straßenkriminalität

Diese umfasst alle Straftaten, die einen speziellen Bezug zum öffentlichen Verkehrsraum haben, z. B. Handtaschenraub, Körperverletzungsdelikte, Sachbeschädigungen und Diebstähle rund um das Kfz, Fahrraddiebstähle und Automatenaufbrüche. Dem Deliktsbereich waren 2009 insgesamt 1.112 angezeigte Straftaten zuzuordnen und damit um 33 Fälle weniger als im Vorjahr (-2,9%).

Sexualdelikte

In diesem Deliktsbereich wurden im vergangenen Jahr 65 Fälle gegen über 57 Fälle 2008 angezeigt. Dies stellt zwar eine Steigerung um 14 % dar, die Anzahl der Delikte liegt jedoch unter dem Durchschnittswert der letzten 6 Jahre (=68 Fälle). Die Aufklärungsquote lag bei 96,9 %.

Diebstahlskriminalität

Mit 1.707 Diebstählen blieb die Zahl im Landkreis Altötting konstant. Es musste lediglich eine Anzeige mehr als im Vorjahr bearbeitet werden. 42,1 % aller Diebstähle konnten aufgeklärt werden. Vermögens- und Fälschungsdelikte Unter die

Vermögens- und Fälschungsdelikte

fallen Straftaten wie z.B. Betrugsdelikte aller Art, Unterschlagungen, Urkundenfälschungen, Geld- und Wertzeichenfälschungen. Allgemein zugenommen haben in den letzten Jahren Betrugsstraftaten, die über das Internet angebahnt oder abgewickelt werden. Im Landkreis Altötting gingen die Fallzahlen jedoch deutlich zurück. Die angezeigten Fälle nahmen um fast ein Viertel ab (- 23,3 %). Es waren 733 entsprechende Straftaten zu bearbeiten. Die Aufklärungsquote betrug 85 %.

Rauschgiftdelikte

Dazu zählen neben den Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz auch die direkte Beschaffungskriminalität, z. B. Rezeptfälschungen. 2009 waren mit 206 Fällen 39 weniger als 2008 zu verzeichnen (- 15,9 %). Die Aufklärungsquote betrug 94,7 %. Drei Menschen (zwei Männer im Alter von 30 bzw. 47 Jahren und eine 39-jährige Frau) fielen ihrer langjährigen Drogenabhängigkeit zum Opfer und verstarben an den Missbrauchsfolgen.

Fallbeispiele

Vermisstenfall entpuppte sich als Mord: Im Dezember 2008 verschwand ein 31-jähriger Altöttinger spurlos. Sechs Wochen später, am 17. Januar 2009, entdeckten Spaziergänger im Inn bei Neuötting eine Leiche, die als der vermisste Mann identifiziert wurde. Er war gewaltsam zu Tode gekommen. Umfangreiche Ermittlungen führten zur Festnahme von drei Tatverdächtigen. Sie wurden zwischenzeitlich zu langjährigen Haftstrafen verurteilt. Brutaler Mordversuch an Mädchen: Ein 16-jähriges Mädchen wurde am 21. Juli auf dem Nachhauseweg überfallen und vom Fahrrad in ein Maisfeld gezerrt. Nach einem Vergewaltigungsversuch stach der Täter mit einem Messer auf das Mädchen ein und übergoss es mit einer brennbaren Flüssigkeit, bevor er floh. Noch im Rahmen der Sofortfahndung konnte ein 40-jähriger Tatverdächtiger festgenommen werden. Er wurde zu einer 13-jährigen Haftstrafe und anschließender Sicherungsverwahrung verurteilt. Einbruchserie geklärt: Im Herbst 2009 beschäftigte die Polizei in den Landkreisen Altötting und Mühldorf eine Einbruchserie, vorwiegend in Kindergärten und Schulen. Drei Waldkraiburger, eine Frau und zwei Männer im Alter von 20 bis 23 Jahren, konnten schließlich als Tatverdächtige ermittelt werden. Insgesamt 30 Einbrüche konnten aufgeklärt werden. Gegen den 20-jährigen Haupttäter erging Haftbefehl.

Kriminalprävention

Der kriminalpolizeiliche Fachberater der Kriminalpolizeistation Mühldorf führte in den Landkreisen Mühldorf und Altötting 2009 insgesamt 126 individuelle Einzelberatungen zu technischen Sicherungsmöglichkeiten von Eigentum durch und erteilte zudem Rat mit 75 schriftlichen Sicherungsvorschlägen. Dazu konnte eine große Anzahl interessierter Bürger bei 4 öffentlichen Informationsveranstaltungen erreicht werden. Für die Jugend- und Präventionsbeamten der Dienststellen lagen die Schwerpunkte im Rahmen der verhaltensorientierten Prävention auch im Jahr 2009 bei den Themen Gewalt, Sucht, Eigentum sowie bei den Gefahren in Zusammenhang mit den modernen Medien. Neben 24 Vorträgen an Schulen und Kindergärten sowie 16 Informationsveranstaltungen bei verschiedenen Zielgruppen wurden in 40 Schulklassen die Polizeikurse „Zammgrauft“ zur Gewaltprävention oder „Aufgschaut“ zum Thema Zivilcourage durchgeführt. Viel investiert wurde auch in die Schulung zu den Jugendschutzbestimmungen für Veranstalter aller Art. Nicht erst seit den Geschehnissen in Erfurt und Winnenden arbeitet das Polizeipräsidium Oberbayern Süd im Sinne der AMOK-Prävention eng mit den Schulen zusammen. Im Landkreis Altötting wurden 2009 insgesamt mit 13 Schulen entsprechende Beratungsgespräche geführt. Zur Information und Unterstützung Betroffener bei Gewalttaten im sozialen Nahraum und bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung ist beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd die Beauftragte für Frauen und Kinder (BPFK) angegliedert. Sie war mit Unterstützung der festen Ansprechpartnerin der Kriminalpolizeiinspektion Traunstein mit persönlichen Beratungsgesprächen und Vorträgen zu den Themen Sexueller Missbrauch von Kindern, Häusliche Gewalt, Gewalt gegen Frauen und Kindern sowie Stalking auch im Landkreis Altötting tätig.

Besondere Einsatzlagen im Landkreis Altötting

Im Jahr 2009 wurden von der Polizei insgesamt 18 Fußballspiele des SV Wacker Burghausen betreut. Insgesamt waren dabei 1.188 Beamte eingesetzt, wobei das Spiel gegen Dynamo Dresden am 22.03.09 mit 383 eingesetzten Kräften für die Polizei die personalintensivste Begegnung war.

Gesamtentwicklung

Im Jahr 2009 wurden auf den 1.600 Straßenkilometern und sonstigen öffentlichen Verkehrsflächen im Landkreis Altötting 2.579 Verkehrsunfälle und damit geringfügig um 28 mehr als im Vorjahr registriert (+1,1 %). Rückläufig entwickelten sich dagegen die Personenschadensunfälle. Die Zahl der verletzten Verkehrsteilnehmer ging um – 4,9 % von 654 im Jahr 2008 auf 622 im Jahr 2009 zurück. Die Zahl der Verkehrstoten dagegen stieg von 10 auf 18 Todesopfern.

Entwicklung der letzten fünf Jahre

Hauptunfallursachen

Im Vergleich der Unfallursachen hat die „nicht angepasste Geschwindigkeit“ mit 331 Unfällen nicht den höchsten Anteil an den Gesamtunfällen. Jedoch hat diese Ursache mit 202 Verletzten (32,5 %) und 4 Verkehrstoten (22,2 %) überproportional massive Auswirkungen auf die Opfer zur Folge. Durch Vorfahrtsverletzungen wurden 214 Unfälle verursacht. Dabei wurden 148 Menschen verletzt. 2 Verkehrstote waren hier zu beklagen. 57 mal krachte es auf den Straßen im Landkreis, weil Verkehrsteilnehmer unter Alkoholeinfluss standen. Verletzt wurden hierbei 31 Personen. 8 Verkehrsteilnehmer wurden getötet (44,4 %). Zu dieser hohen Zahl führte ein Geisterfahrerunfall mit 5 Getöteten.

Verteilung der Hauptunfallursachen

Fallbeispiel

Geisterfahrer-Unfall: Einen Verkehrsunfall mit 5 Toten und einem Schwerverletzten verursachte ein 28-jähriger Autofahrer am 27. September auf der Autobahn A 94. In den frühen Morgenstunden war er vermutlich an der Anschlussstelle Altötting falsch aufgefahren. Ein Pkw-Fahrer konnte gerade noch ausweichen. Zwischen Töging und Altötting kam es dann zum verhängnisvollen Zusammenstoss mit einem entgegen kommenden Pkw mit den verheerenden Folgen. Auch der Unfallverursacher starb. Es wurde ein Promillewert von über 1,5 bei ihm festgestellt.

Verkehrsüberwachung und -prävention

Die Polizeidienststellen führten 2009 im gesamten Landkreis 356 Geschwindigkeitsmessungen mit insgesamt 137.000 registrierten Fahrzeugen durch. 3.451 Fahrzeugführer mussten wegen Geschwindigkeitsüberschreitungen beanstandet werden. 222 Fahrzeuglenker wurden bei Verkehrsicherheitskontrollen mehr oder weniger alkoholisiert am Steuer ihrer Fahrzeuge angetroffen und zur Anzeige gebracht. Berauscht unter dem Einfluss illegaler Drogen waren 74 Fahrzeugführer unterwegs. Gegen sie wurde ebenfalls ein Straf- oder Bußgeldverfahren eingeleitet. Durch die vier Jugendverkehrserzieher der Polizei wurden im Landkreis 1.190 Schulkinder der vierten Jahrgangsstufe mit den Verkehrsregeln vertraut gemacht. Darüber hinaus legten die meisten dieser Kinder nach entsprechendem Training mit Erfolg die Fahrradprüfung ab.

Pressemeldung Polizeipräsisium Oberbayern Süd Rosenheim

Rubriklistenbild: © DPA

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