"Ehrenamt ist unverzichtbar!"

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Tüßling - Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert war Festredner beim 21. Dürnitz-Forum, das heuer zum dritten Mal auf Schloss Tüßling stattfand.

In die lange Liste der prominenten Redner beim Dürnitz-Forum, wie Franz-Josef Strauß, Willy Brandt, Hans-Dietrich Genscher, Rita Süßmuth, Johannes Rau, Edmund Stoiber, Dr. Günther Beckstein, Kardinal Karl Lehmann, Ratspräsident Bischof Dr. Huber und Altbundeskanzler Gerhard Schröder, reihte sich am Sonntag auch Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert.

"Man hat den Eindruck, wer nicht beim Dürnitz-Forum geredet hat, spielt im öffentlichen Leben keine Rolle", lachte Lammert zu Beginn seiner Rede und bedankte sich bei Schirmherr Altlandrat Seban Dönhuber und den Vertretern der Wohlfahrtsverbände Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie und Bayerisches Rotes Kreuz, dass er nach Tüßling geladen worden ist.

Zentrale Punkte seiner anschließenden Rede waren die heutige Rolle von Parlamenten, der Sozialstaat Deutschland und wie es mit der gesetzlichen Absicherung der Bürger weitergeht und die Bedeutung des Ehrenamtes.

21. Dürnitz-Forum Tüßling

"Alles was Geld kostet, kann nicht ohne die Zustimmung von Parlamenten stattfinden. Von Entmachtung der Parlamente kann also keine Rede sein", so der Bundestagspräsident. Das Modell der Europäischen Gemeinschaft werde auf der ganzen Welt diskutiert und wirke auf andere attraktiv. "Nur die Europäer scheinen eher frustriert als begeistert zu sein." Dabei gebe es keinen Zweifel, dass von der Einführung des Euro nicht nur Europa, sondern vor allem Deutschland profitiert habe.

Die Regierung mache nicht von vornherein alles richtig, aber Demokratie sei auch kein System, um Streit zu vermeiden, sondern eher ein Rahmen, in dem er ausgetragen werden könne. "In Ägypten oder Libyen gehen die Menschen auf die Straßen und kämpfen für Verhältnisse, die bei uns selbstverständlich sind. Wir klagen also auf sehr hohem Niveau", so Lammert.

Wenn Menschen behaupten, der Staat kürze permanent seine Leistungen, sei das falsch, betonte der Bundestagspräsident. Deutlich ließe sich das an der Sozialleistung sehen. "Die Wahrheit ist: Nichts ist schneller und stärker gestiegen als die Sozialleistung!" Während in den 50er und 60er Jahren der Anteil an Sozialleistungen noch ein Sechstel des Bruttosozialprodukts betragen habe, sei er in den 70ern auf ein Fünftel, in den 80ern auf ein Viertel gestiegen. Seit den 90ern liege er bei einem Drittel.

"Die immer bessere gesetzliche Absicherung von Risiken hat die Bereitschaft der Bevölkerung, selbst eine Familie zu gründen gedämpft", so Lammert weiter. Nicht umsonst sei Deutschland das kinderärmste Land in Europa, in dem zuletzt 1970 die Geburten- höher als die Sterberate war. Dank der starken Zuwanderungsrate sei die Statistik hierzulande aber noch stabil. "Die weitere Entwicklung des Sozialstaats kann nicht in der zahlenmäßigen Expansion liegen", schloss Lammert seine Ausführungen. "Wir müssen es anders organisieren und brauchen noch mehr als früher einen Sozialstaat mit einer engagierten Bürgergesellschaft. Sowohl das Haupt- als auch das Ehrenamt sind dabei unverzichtbar."

Anette Mrugala

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