Stadtrat fasst neuen Grundsatzbeschluss

Trinkwasserdebatte in Töging: Reizwort PFOA

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Wie gesund ist welches Wasser? Für das Altöttinger Wasser spricht die geringe Nitratbelastung. Stadträtin Birgit Noske warnt aber vor der Substanz PFOA.
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Töging - Der Stadtrat tat sich relativ schwer mit dem neuen Grundsatzbeschluss zum Trinkwasser. Zum besonderen Reizthema avancierte die Substanz PFOA und deren Gefährlichkeit.

Die Töginger Stadträte tun sich weiterhin schwer mit dem Abschied von der Eigenständigkeit bei der Trinkwasserversorgung. Der am Donnerstagabend gefasste neue Grundsatzbeschluss ist entsprechend ausführlich formuliert und enthält mehrere Teilaspekte. Wie bereits berichtet, ist das Wasserschutzgebiet durch die Bebauungen der letzten Jahre (zum Beispiel die Logistikzentren von Netto und Hermes sowie der Autohof) nicht mehr haltbar. Eine Versorgung über Flachbrunnen ist deshalb - und aufgrund anderer Faktoren wie der relativ hohen Nitratbelastung - nicht mehr zukunftsfähig.

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Der Stadtrat folgte daher letztlich (bei sieben Gegenstimmen) der Einschätzung von Bürgermeister Dr. Tobias Windhorst, den alten Grundsatzbeschluss zum Trinkwasser aus dem Jahr 2010 aufzuheben. Darin hatte der Stadtrat erklärt, an der Eigenständigkeit bei der Trinkwasserversorgung mittels Flachbrunnen festzuhalten. "Man sieht schon, dass dieser Grundsatzbeschluss in dieser Form nicht mehr haltbar ist", sagte Windorst - eine Einschätzung die die Stadtratsmehrheit teilte.

Kreitmeier kritisiert "Panikmache" von Noske

Eine echte Alternative für die Stadt Töging scheint derzeit ein Anschluss an die Altöttinger Gruppe zu sein. Allen voran Birgit Noske (SPD) meldete allerdings große Zweifel an, ob das Alt- und Neuöttinger Wasser tatsächlich unbedenklich ist. Noske verwies auf die Perfluoroctansäure (PFOA) im Boden. "Ich habe einfach ein Problem damit, dass dieses Wasser ein bedenkenloses Wasser ist", sagte Noske. Die SPD-Stadträtin kritisierte, dass sich PFOA in Organismen anreichere und kaum aus dem menschlichen Körper ausgeschieden werde. "Wir haben hier Kinder, denen wir das zu trinken geben", warnte Noske.

Bei einigen Stadträten erntete Noske mit ihrer massiven Kritik Kopfschütteln. Die zweite Bürgermeisterin Renate Kreitmeier (CSU) warf Noske "Panikmache" vor und Windhorst sagte: "Birgit, das ist wirklich unverantwortlich. Da kann man nur mit dem Kopf schütteln." SPD-Stadtrat Günter Zellner relativierte die Ausführungen seiner Fraktionskollegin. Zwar habe die Alzgerner Gruppe jetzt schon ein Problem eines zu hohen PFOA-Wertes. Andererseits sei PFOA filterbar.

Tatsächlich hat das Wasser der Altöttinger Gruppe eine hohe Qualität. Die Nitratbelastung etwa steuert in Töging auf den Grenzwert zu, spielt aber in Alt- und Neuötting gar keine Rolle, weil das dortige Wasser im Wald gewonnen wird. Dies räumte auch Werner Noske ein (SPD), warnte aber: "Da ist was drin, was da nicht hingehört. Das ist das PFOA." Er wolle wissen, was auf Alt- und Neuöttinger Seite dagegen getan werde, so Noske.

Zellner geht es zu schnell

Insgesamt kam der neue Grundsatzbeschluss manchen Stadträten zu schnell. Zellner etwa kritisierte, dass er die Altöttinger Brunnen noch gar nicht kenne. "Bevor wir so was beschließen, schauen wir es an", forderte Zellner. FW-Fraktionssprecher Sepp Neuberger sprach sich dafür aus, den alten Grundsatzbeschluss erst dann zu kippen, wenn der Anschluss nach Altötting definitiv kommen soll. Für den Bürgermeister stand dagegen fest: "Der Beschluss, der muss weg. Und zwar jetzt." Windhorts wies darauf hin, dass die Stadt aufgrund des alten Grundsatzbeschlusses eigentlich noch nicht einmal mit Altötting reden dürfte.

Das hat der Stadtrat beschlossen:

Am Ende der Debatte fassten die Stadträte einen mehrteiligen Grundsatzbeschluss. Einstimmig votierte das Gremium für regelmäßige Informationen zu den Planungen im Stadtrat (mindestens alle vier Monate), für einen Notverbund mit Mühldorf (dieser entsteht bereits und war schon Bestandteil des alten Beschlusses) und dafür, sich beim Freistaat Bayern um finanzielle Unterstützung zu bemühen. Nachdem der alte Grundsatzbeschluss mit sieben Gegenstimmen gekippt wurde, ist das Thema Flachbrunnen von Tisch. Einstimmig beschloss der Stadtrat, die Möglichkeit einer Versorgung mittels Tiefbrunnen zu prüfen. Eine Genehmigung für einen Tiefbrunnen scheint zwar nicht realistisch, dies war bereits in der Januarsitzung des Stadtrats deutlich geworden. Windhorst betonte aber, man wolle sich nichts vorwerfen lassen.

Bei fünf Gegenstimmen beschloss der Stadtrat außerdem, einen Anschluss nach Altötting anzustreben, falls ein Tiefbrunnen nicht infrage kommen sollte. Die fünf Stadträte, die dagegen stimmten, begründeten ihr Nein damit, dass es sich bei dem Beschluss um einen Vorratsbeschluss handle - er also nur greift, wenn aus der Option Tiefbrunnen nichts wird. Die Stadträte wollten ihr Nein nicht als generelle Ablehnung eines Anschlusses an die Altöttinger Gruppe verstanden wissen.

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