Seit 23 Jahren Hilfe zur Selbsthilfe

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Lebensmittel und andere Waren aus Töging helfen, die Einrichtungen der Caritas zu versorgen, hier beim Abladen. Fotos köhler

Töging - Not und Elend gibt es auch mitten in Europa, in einem EU-Mitgliedsstaat, in einem Ausmaß bei dem man eher an Lateinamerika, Afrika oder Teile Asiens denkt.

Der Töginger Marcus Köhler berichtet vom diesjährigen Hilfszug der Töginger Rumänienhilfe nach Satumare.

Seit mittlerweile 23 Jahren kümmert sich die Töginger Rumänienhilfe um die notleidenden Menschen im nordwestlichen Teil Rumäniens. Initiiert und bis heute organisiert wurde das Hilfsprojekt von der ehemaligen Stadträtin Juliane Einöder, die inzwischen für ihr Engagement mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde.

Das ganze Jahr über sammeln die fleißigen Helfer Hilfsgüter in Form von Lebensmitteln, Kleidung, Möbeln, Haushaltsgegenständen und allerlei weiteren Waren. Besonderer Wert wird dabei darauf gelegt, dass die gespendeten Güter in einem gebrauchsfähigen Zustand sind und dadurch auch wirklich eine echte Hilfe darstellen. Alter und Mode sind dabei meist zweitrangig.

Einmal im Jahr macht sich ein Hilfskonvoi der Töginger Rumänienhilfe selbst auf den Weg ins etwa tausend Kilometer entfernt liegende Satumare. Die Fahrt führte in diesem Jahr vom 17. bis 21. Februar - bei teils widrigen Straßen- und Witterungsverhältnissen - über Linz, Wien, Györ, Budapest und Nyiregyhaza direkt an die rumänisch-ungarische Grenze. Der zwölf Fahrzeuge umfassende Konvoi erreichte Satumare nach etwa 17 Stunden Reisezeit. Am folgenden Morgen begannen die ehrenamtlichen Fahrer dann mit den Helfern in Rumänien, mit dem Abladen der Hilfsgüter.

Satumare, Hauptstadt des gleichnamigen Kreises, hat etwa 110000 Einwohner. Vor Ort arbeitet die Töginger Rumänienhilfe zusammen mit der Caritas in der Diözese Satumare. Etwa 10000 Menschen nehmen jeden Tag Leistungen der Caritas Satumare in Anspruch, die diese Leistungen in der etwa eine Million Menschen umfassenden Diözese durch etwa 300 eigene Mitarbeiter bewerkstelligt.

Alt, aber funktionsfähig: Beim Abladen einer Nähmaschine nach dem Motto "Hilfe zur Selbsthilfe": (oben von links) Ernst Frank und Armin Glötzl, (unten von links) Siegfried Stiegler und Christian Engleder.

Die Hilfe aus Töging ist in Satumare gerne gesehen. Mit Hilfe der Töginger kann die Caritas sowohl an Bedürftige notwendige Lebensmittelpakete oder Kleidungsstücke verteilen, als auch eigene Einrichtungen mit den benötigten Gütern versorgen. Durch den Verkauf des Restes, eines kleinen Teils der Sachspenden, kann ein Beitrag zur Finanzierung der Personalkosten für die diversen Projekte geleistet werden. Unter anderem bietet die Caritas Kinder- und Jugendheime, Tagesstätten, Straßenkinderprojekte, Integrationskindergärten, in welchen Kinder ethnischer Minderheiten integriert werden, Einrichtungen zur häuslichen Kranken- und Altenpflege, eine Poliklinik, eine Sozialapotheke, Sozialstationen, Armenküchen, Therapie- und Rehabilitationseinrichtungen an.

Ein großes Augenmerk liegt immer stärker im Bereich der Drogen- und Suchtprävention. Die Caritas unterhält mehrere Beratungseinrichtungen. "Aufgrund der angespannten wirtschaftlichen Situation, fehlender Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt und die zunehmende soziale Isolation flüchten sich immer mehr Menschen, vor allem auch Kinder und Jugendliche, in Drogen und Alkohol", berichtet der Töginger Marcus Köhler, der seit Jahren die Initiative unterstützt. "Hier will und muss die Caritas ansetzen, um die Situation wenigstens ein wenig zu lindern."

Auch in diesem Jahr wieder konnten sich die Fahrer der Töginger Rumänienhilfe eindrucksvoll davon überzeugen, dass die Hilfe aus Töging vor Ort dringend benötigt wird und vor allem, dass die Waren der vielen Spenderinnen und Spender auch zielgerichtet, sinnvoll und effizient eingesetzt werden. "Jede Spende kommt richtig und vollständig an", betont Köhler. Natürlich wurde dieses Wochenende auch dazu genutzt, seit Jahren gewachsene Freundschaften zwischen Deutschen und Rumänen zu pflegen und neue Freundschaften zu schließen.

Einer der Höhepunkte der diesjährigen Fahrt war der gemeinsame, sonntägliche Gottesdienstbesuch. Zufälligerweise wurde just an diesem Sonntag die Kalvarienkirche, Heimat der deutschstämmigen, katholischen Gemeinde in Satumare nach eineinhalbjähriger Renovierung neu eingeweiht. Den Gottesdienst zelebrierte der Bischof der Diözese Satumare, Eugen Schönberger, mit zahlreichen Geistlichen, unter anderem dem Töginger Pfarrer Albert Lang, der ebenfalls unter den Fahrern des Hilfskonvois war.

Seit Oktober des letzten Jahres gibt es auch eine Annahmestelle der Rumänienhilfe in Ampfing vor allem für den westlichen Landkreis Mühldorf. Seither wurden etwa 300 Kartons mit Hilfsgütern eingesammelt. Ansprechpartner ist Stefan Pertl (Telefon 08636/1451).

Nähere Informationen zu den verschiedenen Projekten der Caritas Satumare gibt es im Internet unter www. caritas-satumare.ro.

rob/Mühldorfer Anzeiger

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