1,65 Millionen, ein Jahr

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In völlig neuem Licht erstrahlen wird der Haager Schlossturm, wenn er saniert ist. Das Konzept dafür steht jetzt. Foto Bauer

Haag - Rund 1,65 Millionen Euro soll die Sanierung von Schlossturm und Mauer kosten. Das ergab die Untersuchung, die jetzt im Gemeinderat vorgestellt wurde.

1403 wurden die Bäume gefällt, mit dem die oberen Geschoße des Schlossturms gebaut sind. Das stellte Dr. Christian Kayser vom Denkmalschutz fest. 1490 habe man den Turmhelm gesetzt. Für die unteren zwei romanischen Bauphasen wurde kein Holz verwendet. Also konnte die zeitliche Einordnung nicht präzise vorgenommen werden.

In Zeitscheiben ergründeten die Denkmalschützer per Georadar den Hof bis in eine Tiefe von vier Meter. Rechts vom kleinen Turm schloss sich an die Kapelle der dreiteilige Palas an, der unterkellert war. Bis 80 Zentimeter Tiefe fand man nur Aufschüttungen. Weiter konnten alle Grundrisse für die Stallungen und Dienstgebäude, den Grafenstock und die erst im 17. Jahrhundert gebaute Schlosskapelle nachvollzogen werden.

Über Archivforschung fanden die Fachleute die heute fehlenden Bauten wie die Torturkammer, aber nicht den legendären unterirdischen Gang. Schon ab 1600 lässt sich für alle 20 Jahren das Beheben von Schäden am Turm nachweisen. Der war bis 1609 mit Schindeln bedeckt und wurde rund alle 100 Jahre eingerüstet. Schäden an der Außenmauer sind für das 19. Jahrhundert bekannt. 1949 erscheint in den Akten das Bröckeln von Steinen.

Dach liegt nicht mehr richtig auf

Die heutigen Risse verursacht das Dachwerk, das nach Erkenntnissen der Experten nicht mehr richtig aufsitzt. Die Haube liegt auf dem Sprengwerk und drückt nach außen. Die mit Gips gekennzeichneten Risse von 2006 sind alle schon wieder gesprengt. Leichte Schrägstellungen weist laut Untersuchungsbericht die Ringmauer auf, aber keine besorgniserregenden Risse. Außen jedoch verursachte der dichte Efeu, der in die Ritzen kroch, Substanzschäden. So ist teilweise der Mörtel frei und es drohen Steine herabzufallen.

Restaurator Armin Schmickl hatte den Turm mit einer Hebebühne befahren und neben dem sichtbaren Wappen zwei weitere entdeckt. Unglaublich nannte er den noch erhaltenen 500 Jahre alten Mörtel: "So ein Material findet man heute nicht mehr." Er sei per Hand sehr präzise und dauerhaft gemischt worden.

Weniger genau hätten es die Restauratoren 1985 genommen. Der Putz sei vielfach weg, der Turm "schwerstbeschädigt".

Das Konservierungskonzept beinhaltet nun den Erhalt der alten Putze, aber kein flächiges Verputzen. Mit der Technik sei man heute schon weiter als 1985. Man werde das Material an Ort und Stelle mit Originalmaterial mischen.

In der ausgiebigen Diskussion wurden einige Zweifel geäußert: Auch 1985 hätten die Behörden behauptet, das Beste nach neuestem Stand der Technik zu verwenden. Dr. Wolfgang Weißmüller (PWG) fragte mit Zweitem Bürgermeister Dr. Winfried Weiß (CSU) nach einer Alternative, beispielsweise, ob man auch nur ganz offensichtliche Schäden reparieren könne, nicht gleich den ganzen Turm. Dagegen sprachen die Denkmalschützer von der Pflicht zur Konservierung.

Bürgermeister Hermann Dumbs schimpfte zum wiederholten Mal auf den Staat, der den Turm vernachlässigt habe. Das vorgelegte Konzept fand er aber gut.

Für eine Überraschung sorgte Felix Martin vom Denkmalamt, der von einer relativ kurzen Renovierungsphase von nur einem Jahr sprach - bisher nahm man drei Jahre an. Schließlich stimmte der Gemeinderat mit 16:2 Stimmen dem Sanierungskonzept zu.

xy/Wasserburger-Zeitung

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