Abschied von Traditionscafé

  • schließen
  • Weitere
    schließen
Eine Menge Haager Erinnerungen sind mit dem Café Wanger verbunden, das jetzt einem Neubau weichen muss.

Haag - Das Café Wanger wird abgebrochen. Das Gebäude, das zentral am Bräuhausplatz zwischen Raiffeisenbank und Milchwerk Jäger liegt, soll innerhalb eines Jahres wieder aufgebaut werden.

Ein Büro- und Geschäftshaus wird entstehen, so lautet die Vorgabe von Eigentümerin Ingrid Bisquolm. Ihr Mann, der Ramsauer Spediteur, hatte das Bauwerk im Jahr 1995 gekauft. Damals führte noch Marielle Winkler das Café, das sie zwölf Jahre lang gepachtet hatte.

Für das historische Bauwerk besteht Ensembleschutz. Es darf deswegen nach dem Abriss in der selben Höhe wie die Nachbargebäude von Jäger und Raiffeisenbank errichtet werden. Das bedeutet: erstes und zweites Obergeschoss mit Dachgeschoss.

Für die neue Fassadengestaltung gibt es bislang noch keine näheren Pläne. Farbliche Festlegungen wurden von Behördenseite nicht vorgegeben.

Die Abbrucharbeiten gehen weiter

Das künftige Geschäfts- und Bürohaus kann nach rückwärts verlängert werden. Dort sind auch 24 Stellplätze auf der 1300 Quadratmeter großen Fläche zugesagt. Wer in einem Jahr das nagelneue Bauwerk im "Herzen von Haag" als neuer Pächter beziehen wird, steht heute noch nicht fest. Mit dem Schritt der Neugestaltung möchte Besitzerin Ingrid Bisquolm jedenfalls dazu beitragen, dass das Haager Zentrum eine neue Belebung erfährt.

Belebt war das Haus nach dem Haager Familienforscher Dr. Eugen Kellner spätestens seit 1717. Es lag zwischen dem "Brandlwirt" und der "Post", die heute das Milchwerk Jäger beherbergt. Die Haager nannten es das "Hofbinderhaus", weil darin die Schäffler wohnten, die um die Bierfässer die Reifen banden. Aufgeführt ist der Bräuhaushofbinder Sebastian Fischer als Bewohner. Dahinter, später Biergarten des Café Wanger, lagen die Hofbinderfelder, die landwirtschaftlich genutzt wurden.

Abbruch des Café Wanger

1818 wechselte das Haus in die Hände des Weißgerbers Leopold Weiß, der die Magd des bisherigen Besitzers geheiratet hatte. Im Haus wohnten weiterhin auch verschiedene Dienstboten. Privatier Bartholomäus Ziegler aus Winden erwarb 1873 das Gebäude, das kurz danach in den Besitz des Nachbarn, des Postwirts Alois Greißl, überging. Eingemietet hatten sich damals auch ein Regenschirmmacher und der Haager Arzt Dr. Stephan Wurm, der auch Geburtshelfer war und am Krankenhaus wirkte.

1900 kam der Wachszieher und Konditor Otto Kuchler, der auch die Grundstücke erwarb, die später zur Molkerei Jäger kamen. 1923 eröffnete Wilhelm Wanger eine "Konditorei und Kaffee, Wachszieherei und reale Bierwirtschaft". Das Geschäft führte Sohn Fritz Wanger nach der Heimkehr aus dem Krieg weiter. Der "Alte Fritz" war lange in Haag als Feuerwehrler, Rot-Kreuzler und Gemeinderat engagiert. Von Fritz Wanger pachtete eine seiner Bedienungen, Marielle Winkler, das Café, das lange als zentraler Treffpunkt am Haager Bräuhausplatz galt.

Mit dieser reichen Geschichte gibt das Haus eine Menge historischer Tipps für die weitere Nutzung. xy

Weitere Bilder unter

xy/Wasserburger Zeitung

Zurück zur Übersicht: Haager Land

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser