Bücherei im Haager Zehentstadel

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Haag - Die Haager erhalten eine neue Bibliothek. Im Vordergrund dieses Gemeinderatsbeschlusses stand die Nutzung des Zehentstadels.

Ob sich Haag das Projekt für eine knappe Million leisten könne, darüber war sich der Rat nicht einig. 

"Machen wir sie oder nicht?" Vor diese Alternative stellte Bürgermeister Hermann Dumbs die Räte. Kämmerer Manfred Mörwald legte die zwei Ausbaumodelle des Städteplaners vor. Das eine für 910.000 Euro sieht die Erschließung vom Zentrum des Zehentstadels aus vor mit Aufzug und Treppe. Dabei sind Leseinseln integriert und per Lift erreichbar.

Die günstigere Variante für 695.000 Euro hat den Eingang im Westteil, wird ebenfalls mit Aufzug und Treppe erschlossen, klammert aber die Leseinseln aus. Die Investitionskosten liegen bei 467.000 Euro, der Ausbau bei 695.000, die Heizung bei 154.000 und die Ausstattung bei 50.000 Euro. Zu erwarten ist eine Förderung für den Bestand von 70 Prozent und für den Ausbau von 60 Prozent. Für die Ausstattung gibt es nichts.

Der Kämmerer errechnete jährlich 100.000 Euro Betriebskosten, die von der Gemeinde für die neue Bibliothek dann aufgewendet werden müssen. Darunter fallen unter anderem eine eventuelle Vollzeitstelle, der Medienunterhalt für 14 400 Euro, 1200 Euro für das Ehrenamt, 6150 für die Reinigung und 4800 für neue Medien.

"Der Ausbau läuft, Kosten haben wir sowieso", stellte Zweiter Bürgermeister Dr. Winfried Weiß (CSU) fest und forderte die Bücherei. Die Vollzeitstelle bleibt seiner Meinung nach allerdings unrealistisch. Seit zehn Jahren seien die Räte um Lösungen für den Zehentstadel bemüht. Jetzt müsse es vorangehen. Das Zentrum werde auch durch die Bücherei eine Belebung erfahren. Mache die Gemeinde nichts, bilde sich wieder der Schimmel.

Ganz anders sah das Thomas Sax (CSU). Im Pfarrheim habe man erst die Bücherei durch Spenden erweitert. Das solle nun alles "für die Katz" sein. Eine Million für eine Bibliothek auszugeben, hielt er für Haag übertrieben: "Wie viele Bücher können wir den Haagern für dieses Geld schenken!"

Für Herbert Zeilinger (CSU) stand im Vordergrund, dass mit dem Einbau der Bücherei auch weitere Interessenten aufmerksam würden. Das sporne an zur nächsten Nutzung. Eine Rendite sei sowieso nicht zu erwarten. Dagegen protestierte Konrad Kolbinger (CSU): "Mir stellt es die Haare auf." Die Räte sollten doch nur an den Schuldenberg denken. Keiner rede mehr wie sonst vom Sparen.

Bürgermeister Hermann Dumbs hielt grundsätzlich fest, die Gemeinde habe mit dem Erwerb des Zehentstadels einen richtigen Schritt unternommen und müsse das historische Gebäude im Zentrum nun auch mit Leben füllen. Für den Bibliotheksausbau genüge allerdings die günstigere Lösung. Einen weiteren Vorteil bringe die Fertigstellung des Daches. Dann könnten alle Zwischentrakte sofort genutzt werden.

"Eigentlich können wir sie uns nicht leisten", fand Ludwig Schletter (CSU). Nach zehn Jahren aber bleibe der Zehentstadel immer noch ohne konkrete Nutzung. Also müsse etwas geschehen, denn auch ein leeres Gebäude koste Geld. Der Zehentstadel bleibe der Gemeinde als "große, teure Hütte". Sissi Schätz (SPD) schockierten die Kosten. Sie plädierte aber für die Lösung des Lüftungsproblems und den weiteren Ausbau. Fraktionskollege Peter Bauer hielt zehn Euro pro Einwohner als jährlichen Aufwand für angemessen, da man ja das Bildungsangebot erweitere.

So stimmten 13 Räte gegen vier für die Verwirklichung der Bibliothek. Details wolle man später abklären, sofort will man aber in das "kleinere Städteförderprogramm".

xy/Wasserburger Zeitung

Rubriklistenbild: © dpa

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