Spur führte von Zorneding nach München

Nach Morddrohungen gegen dunkelhäutigen Pfarrer: Verdächtiger ermittelt

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Pfarrer Ndjimbi-Tshiende

Zorneding - Völlig überraschend verkündete der dunkelhäutige Pfarrer von Zorneding, Olivier Ndjimbi-Tshiende, dass er die Gemeinde verlassen werde. Der Grund waren rassistisch motivierten anonymen Morddrohungen.

Nach dem Eingang einer Postkarte mit bedrohlichen und beleidigenden Inhalten im November vergangenen Jahres bei der Pfarrgemeinde Zorneding, nahm die Staatsanwaltschaft München II und das Staatsschutzkommissariat der Kripo Erding u.a. wegen des Verdachtes der Volksverhetzung Ermittlungen auf. 

Der damalige Pfarrer erstattete Strafanzeige bei der Polizeiinspektion Poing. Ein Anruf im März 2016 aus dem Briefzentrum Freising führte die Kripo auf die Spur eines tatverdächtigen Absenders, einem 74-jährigen Rentner aus München. Die Post hielt ein Schreiben an die Zornedinger Pfarrei zurück, weil bereits außen am Umschlag Schmähungen und Bedrohungen zu lesen waren. 

Die über das Landeskriminalamt veranlasste kriminaltechnische Untersuchung und zahlreich festgestellte Eindruckspuren wiesen auf die mögliche Täterschaft des Rentners. Beim Vollzug eines richterlichen Durchsuchungsbeschlusses für seine Wohnung konnten weitere Beweismittel sichergestellt werden. Neben anderen handschriftlich verfassten Schreiben mit Beleidigungen und Unterstellungen, konnten Reste eines Werbeprospektes aufgefunden werden, welches für das zuletzt angehaltene Drohschreiben verwendet wurde. Der Beschuldigte wurde vorläufig festgenommen und erkennungsdienstlich behandelt. 

Er leugnete die Tatvorwürfe und machte darüber hinaus keine Angaben bei der Polizei. Der Beschuldigte trat bereits mehrfach polizeilich einschlägig in Erscheinung. Die Ermittlungen zu weiteren zwei Briefen und einer Postkarte, im die im Januar und Februar an mit Drohungen und Beleidigungen an das Pfarramt verschickt wurden, dauern an.

Fall schlug hohe Wellen

Der Fall aus Zorneding schlug im gesamten Freistaat und darüber hinaus hohe Wellen. Eine Online-Petition zum Verbleib des Geistlichen in der Gemeinde wurde gestartet. Auch die bayerische Staatsregierung verurteilte die Drohungen scharf. Zudem solidarisierten sich die 21 Bürgermeister des Landkreises Ebersberg mit dem Pfarrer. 

Der 66-Jährige hatte sich zuvor gegen fremdenfeindliche Äußerungen der ehemaligen CSU-Ortsvorsitzenden Sylvia Boher positioniert. Deren Vize Johann Haindl hatte Ndjimbi-Tshiende daraufhin als "Neger" beschimpft. Die beiden CSU-Funktionäre mussten zurücktreten

mg/Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Nord

Quelle: rosenheim24.de

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