Wiesn: „Wir dürfen uns keine Angst machen lassen“

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Am Haupteingang zur Wiesn hat die Polizei Kontrollen eingerichtet.

München - So viel Polizei gab‘s auf der Wiesn noch nie: Nach Terrordrohungen muss sich jeder in Taschen, Rucksäcke oder ins Auto schauen lassen, wer zur Riesengaudi will. Zwischen Polizei und Party: Was halten die Besucher davon?

„Das ist beruhigend“, sagt Andreas Hirth (46). Gerade ist er durch die Polizeikontrolle am Haupteingang der Wiesn marschiert. Vorbei an zwei Bussen der Polizei, die den Weg versperren, und mehreren Beamten. Einer der Polizisten hat sogar eine Maschinenpistole umgehängt. Andreas Hirth nimmt‘s gelassen. Mit Bekannten ist er am Montag aus Heidelberg angereist - obwohl der von den Terrordrohungen wusste. Egal, in Lederhosen und Leinenhemd geht es dem ersten Bier entgegen.

Sicherheitsring: So schützt die Polizei das Oktoberfest

Sicherheitsring: So schützt die Polizei das Oktoberfest

Ilse Wegener: „Ich habe Angst.“

Die Polizisten am Haupteingang schauen sich jeden genau an, der durch das Eingangstor kommt. Doch die strikten Sicherheitsmaßnahmen, die seit dem Wochenende gelten, beunruhigen offenbar die wenigsten Besucher. Ohnehin wird nur kontrolliert, wer eine Tasche oder einen Rucksack dabei hat. Von Panik also keine Spur.
„Wir dürfen uns keine Angst machen lassen“, sagt Beate Zientek (46). Sie will sich den Spass an der riesen Biergaudi nicht verderben lassen. Mit den Sicherheitsmassnahmen hat sie kein Problem: „Bei Konzerten wird ja auch kontrolliert.“

Ganz anders Ilse Wegner aus Berlin: „Ich habe Angst“, sagt sie ehrlich. Die Videobotschaten der El Kaida, die vielen Drohungen der letzten Zeit - das lässt sie schaudern. Die Kontrollen stören sie da natürlich nicht: „Das ist völlig richtig.“ Mit ihrer Gruppe wurde sie von den Polizisten gerade angehalten, die älteren Damen mussten ihre Handtaschen öffnen. Angst macht Ilse Wegener aber nicht nur ihr Besuch auf dem Oktoberfest: Am Abend muss sie wieder zurück nach Berlin - mit dem Flugzeug.

Kontrolle am Sperrring: Die Insassen dieses VW Sharan werden gründlich unter die Lupe genommen.

Wirbel gibt es unterdessen wenige hundert Meter entfernt an einem Kontrollpunkt des Sperrriegels, der sich seit Sonntagabend um die Wiesen zieht. Schwere Polzeifahrzeuge blockieren die Martin-Greif-Straße. Wer hier durch will, wird genau unter die Lupe genommen. Taxis und Lieferverkkehr dürfen passieren, wenn sich die Fahrer ausweisen können. Probleme gibt‘s bei einem schwarzen VW Sharan. Die fünf Insassen sind Spüler in verschiedenen Zelten, sie wollten zur ihrer Arbeit. Die vier Männer und eine Frau stammen aus der Türkei, dem Irak und Tunesien - das scheint das Misstrauen der Beamten zu erregen. Und einer von ihnen hat keinen Ausweis bei sich. Sie müssen aussteigen und werden durchsucht. Ein Polizeihund schnüffelt an dem Auto. Mehrere Polizisten in Schwarz stehen um sie herum. Der Frau macht das sichtlich Angst. Wann sie auf die Wiesn dürfen, ist unklar.

Am Haupteingang ist gerade Peter Szanto (29) aus München mit seiner Familie durch die Kontrolle gegangen. Ein Beamter hat sich kurz den Kinderwagen angesehen, in dem Szantos kleine Tochter sitzt. „Das passt schon“, sagt der Mann in Lederhose dazu knapp. „Einerseits sind die Leute gegen Kontrollen, anderseits sind sie empört, wenn doch was passiert.“

mm

Quelle: Oktoberfest live

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