Wetter-Prophet: Das wird kein Rekordwinter

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Starnberg - Viele reden vom bevorstehenden Jahrhundert-Winter. Doch der bekannte Starnberger Wetter-Beobachter Josef Jägerhuber winkt ab: “Es wird ein ganz normaler Durchschnittswinter.“ Wann es endlich schneien soll:

Es ist wieder soweit. Der Countdown läuft, die Spannung wächst, das Weihnachtsfest rückt näher, viele hoffen auf viel Schnee und eine schöne Winterlandschaft. Da häufen sich die Anrufe bei dem kernigen Bayern vom Starnberger See, der immer so gut Bescheid weiß. Der Winter kommt im Dezember, sagt Josef Jägerhuber: “Und an Weihnachten könnte es schon kalt und weiß werden.“

Mit richtigem Winterwetter rechnet er allerdings erst von Mitte Februar an bis in den März hinein. Volker Wünsche, der Chef der Regionalzentrale des Deutschen Wetterdienstes in München, lässt sich auf dieses Spiel freilich nicht ein. Ihm fehlt für eine so langfristige Prognose die seriöse wissenschaftliche Basis. “Sichere Vorhersagen gibt es für eine Woche, einen Trend für 15 Tage“, sagt Wünsche.

Tipps für kalte Tage

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Doch wenn Jägerhuber über das Wetter spricht, hören alle zu. Er ist ein gefragter Ansprech- und Interviewpartner, die Medien kennen und schätzen den großen Mann mit der tiefen Stimme, der so gut erzählt und dem sie so gerne glauben. Sein Bekanntheitsgrad ist beachtlich. Auf der Straße wird er oft angesprochen. “Gell, sie sind doch der Jägerhuber“, heißt es dann. Zur Zeit melden sich besonders viele Bauern bei ihm: “Was moanst, wia werds mim Winter“, fragen sie ihn.

Der 84-Jährige schreibt seit einem halben Jahrhundert auf, wie sich das Wetter entwickelt. “Im Jahresdurchschnitt ist es wärmer geworden“, geht auch aus seinen Aufzeichnungen hervor. Bald gibt er wieder seine Jahresprognose heraus. Einige Schlagzeilen sind ihm dann sicher, sein Tipp hat schon so manchen Sommerurlaub gesteuert. “Mir macht das Spaß“, sagt Jägerhuber, und räumt ein, dass er schon manchmal danebenlag. “Das ist halt ohne Gewähr.“

Vom Balkon seines Hauses im Herzen von Starnberg aus sieht er über den See bis in die Alpen hinein - es ist Jägerhubers Idylle. Sein Großvater und langjähriger Starnberger Bürgermeister hatte hier die älteste Druckerei der Stadt und das traditionsreiche Heimatblatt “Land- und Seebote“, der Vater führte das Unternehmen weiter. Der Sohn - ein Josef wie die beiden vor ihm - übernahm den Betrieb mit 21 Jahren, gerade aus Krieg und Gefangenschaft zurückgekehrt. Noch heute ist der Vater von vier Kindern in der Druckerei, die sich gegen eine mächtige Konkurrenz und Großunternehmen behauptet.

25 Bauernregeln zum Durchklicken

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Das Hobby der Wettervorhersagen hat sich einfach so ergeben. “Ich hab' mir gedacht, jetzt halte ich jeden Tag fest, wie das Wetter aussieht.“ Das war 1960, zwei Jahre später zog ein eisiger Winter durchs Land, der Starnberger See war - recht selten - zugefroren. Damals arbeitete sich Jägerhuber voller Neugier und Interesse erst richtig in die Materie ein, er studierte den Hundertjährigen Kalender, befasste sich mit den Bauernregeln und stellte fest: “Alle sieben Jahre gibt es beim Wetter bestimmte Wiederholungen.“

Sieben Himmelskörper von Sonne und Mond bis zu Merkur, Mars und Venus beeinflussen seiner Überzeugung nach für jeweils ein Jahr das Geschehen. So sammelt er die Informationen. Die kleine Wetterstation mit Filzschreiber auf dem Balkon notiert Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftdruck, besondere Ereignisse wie etwa extreme Hitze oder Dauerregen werden ebenso berücksichtigt wie die Beobachtungen von Natur und Pflanzen.

Im farbenprächtigen Herbst dieses Jahres faszinierte ihn, “dass die Bäume schon das meiste Laub verloren haben“. Die Eichhörnchen seien besonders emsig gewesen, die Regenwürmer immer noch weit oben im Erdreich. Das heißt für Jägerhuber: “Ein Durchschnittswinter zeichnet sich ab“, aber sicher kein Jahrhundertwinter.

So werden Zahlen und Daten verglichen, Übereinstimmungen registriert und Mittelwerte errechnet, die sich dann zu Prognosen verdichten. Nein, sagt Josef Jägerhuber, mit Meteorologie habe er sich noch nie befasst. Auch ein Computer kommt ihm nicht ins Haus. “Den rühre ich in meinem Alter nicht mehr an.“ Alles wird aufgeschrieben, und wenn er Zweifel hat, tauscht er sich mit den Jägern und Bauern aus. Es sind Erfahrungswerte, die ihn stark und sicher gemacht haben und schon dazu führten, dass das Wetter hielt, was Jägerhuber versprach.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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