Dem Schnee folgt das Glatteis

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So sah es zum Teil gestern auf den heimischen Autobahnen aus.

Landkreis - Eine Heli-Notlandung, eine Lawine, Straßensperren, zahlreiche Unfälle mit vielen Verletzten - die Bilanz des "Chaos-Mittwoch" ist verheerend. Jetzt gibt es eine neue Gefahr:

Sturmtief Joachim macht nicht nur den pendelnden Autofahrern schwer zu schaffen. Radlfahrer und Fußgänger müssen heute auf tückisch glatten Rad- und Gehwegen besonders auf der Hut sein. Zwischen 5 und 16.30 Uhr gab es im Bereich des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd am Mittwoch insgesamt 137 Unfälle. So hat es die Polizei am Mittwochnachmittag mitgeteilt. Doch es gab noch viele weitere Vorfälle an diesem "Chaos-Mittwoch", die zum größten Teil erst am Donnerstag bekannt wurden.

Stadt und Landkreis Rosenheim:

Vollsperrung von zwei Staatsstraßen

Service:

Am Mittwoch mussten zwei Staatsstraßen teilweise voll gesperrt werden. Als erstes erwischte es die St 2089 zwischen den Ortsteilen Schönau und Hohenthann. Dort bekam am Mittwoch gegen 6.30 Uhr zunächst die Meldung, ein Bauzaun sei auf die Straße geweht worden. Als die Polizei eintraf, fand sie chaotische Verhältnisse vor: Stellenweise gab es Schneeverwehungen von 30 Zentimeter Höhe und liegengebliebene Fahrzeuge verursachten einen Stau. Die betroffenen Autos konnten weder vor noch zurück fahren. Die Feuerwehr sperrte daraufhin die Straße total und veranlasste die Abschleppung der betroffenen Fahrzeuge.

Auch ein 40-Tonner hatte große Probleme: Er kam aufs Bankett und musste von zwei Traktoren wieder flott gemacht werden. Der Laster bzw. dessen Fahrer hatte Glück, denn beinahe wäre das Gefährt umgekippt. Nach rund zwei Stunden konnte die Straße wieder freigegeben werden.

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Am Nachmittag musste dann die Straße (St. 2080) zwischen Großkarolinenfeld und Deutelhausen total gesperrt werden. Vermutlich aufgrund einer Windböe war ein Lastwagen in den Straßengraben gefallen. Der Fahrer blieb - Gott sei Dank - unverletzt. Die Bergung war aber außerordentlich kompliziert. Es wurde ein Spezialkran angefordert, der aber wegen der winterlichen Straßenverhältnisse am Deutelhausener Berg hängenblieb. Erst als ein herbeigerufenes Räumfahrzeug die Straße frei gemacht hatte, konnte der Lkw geborgen werden. Die Straße war rund drei Stunden total gesperrt (15 - 18 Uhr).

Frontalunfall bei Pfaffenhofen

Am Abend krachte es auf der B15 im Ortsbereich von Pfaffenhofen. Dort stießen ein Audi, der von einem 88-jährigen Kolbermoorer gelenkt wurde, und ein Fiat, der von einem Mann (49) gefahren wurde, frontal zusammen. Beide Fahrer sowie die Beifaherin im Fiat wurden bei diesem Crash leicht verletzt. Es kam zu leichten Verkehrsbehinderungen in diesem Bereich. Beide Autos waren nicht mehr fahrbereit, es entstand Sachschaden von etwa 40.000 Euro.

Chaos im Westen des Landkreises

Auf der Kreisstraße zwischen Feldkirchen-Westerham und Höhenrain türmten sich die Schneeverwehungen bis zu einem Meter hoch. Alle Räumfahrzeuge des Landkreises waren im Einsatz, dennoch gab es viele Unfälle. "Meistens schlicht und ergreifend deswegen, weil die Fahrer zu schnell unterwegs waren", sagte ein Sprecher des Landratsamtes dem Oberbayerischen Volksblatt.

Pkw-Überschlag zwischen Albaching und Edling

Am Nachmittag überschlug sich ein 18-jähriger Fahranfänger aus Eichstätt mit seinem Pkw auf der Straße zwischen Albaching und Edling. Er war ins Schleudern geraten und nach rechts von der Fahrbahn abgekommen. Der Mann wurde leicht verletzt, am Auto entstand Totalschaden.

Wendelstein: Zahnradbahn nicht in Betrieb

Die Zahnradbahn am Wendelstein ist am Donnerstag nicht in Betrieb. Grund dafür sind Räum- und Sprengarbeiten im Bereich der Bahnstrecke. Auch der Skibetrieb ist wegen Lawinengefahr nicht möglich.

Landkreise Mühldorf / Altötting / Erding:

Drei Unfälle mit hohem Sachschaden

In Dorfen, Isen bzw. Taufkirchen gab es am Mittwoch drei schneebedingte Unfälle. Gegen 9 Uhr stellte sich ein VW Lupo aufgrund einer Schneewehe bei Dorfen quer, rutschte auf die Gegenfahrbahn und wurde dort von einem Kleintransporter erfasst. Zwei Menschen wurden verletzt, es entstand Sachschaden von rund 13.000 Euro.

Kurz darauf, gegen 10.15 Uhr, kam es zu einem schweren Unfall bei Isen. Ein Pkw kollidierte wegen Schneeglätte frontal mit einem Lastwagen aus Niederbayern. Die Fahrerin wurde in ihrem Wrack eingeklemmt und kam anschließend ins Krankenhaus. Der Schaden beträgt satte 30.000 Euro.

Vermutlich Schneeglätte war auch die Ursache dafür, dass eine 18-jährige Fahranfängerin bei Taufkirchen von der B15 abkam. Das Auto blieb in einem angrenzenden Acker stehen und wurde stark beschädigt. Der Schaden beträgt circa 20.000 Euro.

Neuötting: 11-jähriger Bub verletzt

Bei einem Unfall, der sich bereits am Dienstagabend zutrug, wurde ein 11-jähriger Bub verletzt. Die 39-jährige Fahrerin war auf der Fahrt in Richtung Alzgern bei Schneeglätte auf die Gegenfahrbahn geraten und dort mit einem anderen Wagen kollidiert. Der Junge kam ins Krankenhaus, der Schaden beläuft sich auf 25.000 Euro.

Kraiburg/Waldkraiburg: Fünf Verletzte bei Unfällen

Auch in Waldkraiburg bzw. Kraiburg kam es zu Unfällen. Gegen 6 Uhr morgens kam es zunächst bei Kraiburg zu einem Frontalzusammenstoß, bei dem zwei nicht angeschnallte Beteiligte verletzt wurden. Der Unfallgegner wurde ebenfalls leicht verletzt. Beide Wagen mussten abgeschleppt werden. 

Gegen 13 Uhr geriet ein 38-Jähriger auf der MÜ 18 von St. Erasmus kommend ins Schleudern und kollidierte mit einer 45-Jährigen. Deren VW wurde daraufhin in die Leitplanke gedrückt. Beide Fahrer wurden leicht verletzt und kamen zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus.

Mühldorf/Ampfing: Unfälle mit Sachschaden

Im Bereich von Mühldorf und Ampfing kam es zu mehreren Zusammenstößen, bei denen zwar niemand verletzt wurde, aber teilweise beträchtlicher Sachschaden entstand. Unter anderem wurde auch ein Telefonmast beschädigt. Die Polizei schätzt den Schaden auf circa 20.000 Euro.

Burghausen: Auto fährt gegen Baum

Am Vormittag gegen 9.30 Uhr kam eine Burghauserin (32) mit ihrem Auto ins Rutschen und fuhr mit ihrem Auto mit der linken Frontseite gegen einen Baum. Dabei wurden beide Front-Airbags ausgelöst. Die Dame und ihre beide Kinder im Alter von zwei Jahren bzw. fünf Monaten wurden dabei leicht verletzt.

Am Mittag stieß dann ein Gelenkbus mit einem BMW an der Kreuzung Berchtesgadener-/Tittmoninger Straße zusammen. Verletzt wurde niemand, es entstand allerdings Schaden in Höhe von 65.000 Euro.

Am frühen Morgen (gegen 6.30 Uhr) hatte es bereits im Gemeindebereich von Mehring gekracht, woran drei Pkw beteiligt waren. Alle drei Fahrer sowie ein Beifahrer wurden leicht verletzt und mussten zur ambulanten Behandlung ins Krankenhaus.

Stadt und Landkreis Traunstein:

Unfall zwischen Grassau und Übersee

Wegen Schneeverwehungen geriet am Mittwoch auf der Straße zwischen Grassau und Übersee ein 22-jähriger Mann mit seinem Auto ins Schleudern und kam auf die Gegenfahrbahn, wo die Kollision mit einem anderen Fahrzeug, das von einer Frau aus Grabenstätt gelenkt wurde, erfolgte. Die Fahrzeugführer kamen in diesem Fall mit dem Schrecken davon. Der Sachschaden ist allerdings beträchtlich.

Schwerer Auffahrunfall auf der A8

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Polizeimeldung

Zwischen Bernau und Felden kam es am Nachmittag zu einem heftigen Auffahrunfall, bei dem zwei Menschen verletzt wurden. Wie die Polizei bei der Unfallaufnahme feststellte, war der Unfallfahrer auch noch alkoholisiert. Überhaupt kam der Verkehr auf der A8 zwischen Frasdorf und Bad Reichenhall wegen dichtem Schneefall und teilweise starkem Wind am Nachmittag immer wieder zum Erliegen.

Landkreis Berchtesgadener Land:

Rettungshubschrauber muss "notlanden"

Dieser Rettungshubschrauber musste in Piding eine Sicherheitslandung hinlegen.

Am Mittwoch zwang der extreme Schneesturm über Piding einen Notarzthubschrauber, der im Anflug auf das Klinkum Bad Reichenhall war, zu einer Sicherheitslandung. Der Hubschrauber aus Regensburg landete direkt auf dem Parkplatz des örtlichen Aldi-Marktes. Ein Weiterfliegen unter diesen schlechten Sichtbedingungen war nicht mehr möglich.

Zehn Unfälle im Bereich von Bad Reichenhall

Zehn Verkehrsunfälle und Schadensmeldungen hatte die PI Bad Reichenhall in ihrem Dienstbereich zwischen Anger und Melleck am Mittwoch entgegenzunehmen und zu bearbeiten. Der schneefallreiche Wintertag mit rutschigen Straßen und verengten Fahrbahnen bereitete zahlreichen Autofahrern Schwierigkeiten.

Um 7.20 Uhr ereignete sich in Anger ein Vorfahrtsunfall. Der 41-jährige Fahrer eines Schneeräumfahrzeugs kam von der Scheiterstraße und musste die Staatsstraße in die Falkenaustraße überqueren. Dabei kam es zum Zusammenstoß mit dem von rechts kommenden, bevorrechtigten Pkw einer 25-Jährigen aus Anger. Es entstanden 5000 Euro Sachschaden. Der Unfallverursacher wurde angezeigt.

Um 7.45 Uhr kam auf der B21 Höhe Festplatz Bad Reichenhall ein 24-Jähriger Salzburger nach rechts von der Straße ab und beschädigte eine Werbetafel. Der Unfall-Pkw musste abgeschleppt werden. Es entstand 6000 Euro Sachschaden. Um 8.50 Uhr stieß in der Rinckstraße ein 47-Jähriger Lieferant mit seinem Lkw gegen ein parkendes Auto und riss den Seitenspiegel ab.

Um 10.50 Uhr geriet auf der Staatsstraße zwischen Aufham und Anger ein 41-Jähriger mit seinem Lkw, offenbar durch den starken Seitenwind mit Sturmböen nach rechts von der Straße ab und prallte gg. einen Baum. Der Lkw musste mit Achsschaden von einem Spezial-Schleppfahrzeug abtransportiert werden. Der Schaden liegt bei ca. 5000 Euro.

Um 11.30 Uhr musste auf der Staatsstraße 2101 am Antoniberg gerade ein Lkw Schneeketten aufziehen. Eine 39-Jährige aus Saalfelden glaubte den Lkw gefahrlos überholen zu können, übersah jedoch den entgegen kommenden Mietwagen eines 44-jährigen Engländers. Es kam wegen der Bremsvorgänge glücklicherweise nur noch zu einem relativ schwachen Frontalzusammenstoß. Der Sachschaden liegt bei ca. 2000 Euro. Die Saalfeldenerin wurde angezeigt. Verletzt wurde niemand.

Um 12.45 Uhr fuhr ein 34-jähriger Mitarbeiter eines Sozialdienstes in der Liebigstraße gegen ein Verkehrszeichen, das beschädigt wurde. Um 15.30 Uhr passierte in der Reichenbachstraße bei der Einfahrt in den Kreisverkehr ein Auffahrunfall mit knapp 1000 Euro Sachschaden. Um 16.30 Uhr rutschte auf der Staatsstraße in Aufham ein 71-Jähriger mit dem Pkw von der Straße und überrollte einen Leitpfosten. Auf dem Parkplatz eines Supermarktes an der Münchner Allee wurde von Unbekanntem am Abend ein Parkplatzschild umgefahren. Auf der B21 in Schwarzbach geriet gegen 18.45 Uhr eine 38-jährige Reichenhallerin nach einem Bremsvorgang selbstverschuldet nach rechts von der Straße ab und prallte gegen einen Maschendrahtzaun.

Bereits am Morgen war es auf der B 21 in Schneizlreuth zu erheblichen Verkehrsbehinderungen gekommen, da am Bodenberg ein Lkw hängen geblieben war und auf den Streudienst warten musste. Es entstand starker Rückstau in beiden Richtungen. Am Wendelbergtunnel wurde durch die Tunnel-Betriebszentrale teilweise Blockabfertigung angeordnet, das heißt, die Tunneleinfahrt gesperrt und nur zeitweise wieder freigegeben.

Um 17.45 Uhr wurde der Polizei gemeldet, dass ein Pkw mit Sommerreifen in Piding trotz nur geringer Steigung nicht weiterkommt. Dem 65-jährigen Fahrer aus Wuppertal wurde polizeilich die Weiterfahrt untersagt. Er muss sich nun Winterreifen besorgen, um die Fahrt fortsetzen zu können oder auf nicht mehr winterliche Straßenverhältnisse warten. Er erhielt wegen des Ausrüstungsverstoßes eine Anzeige.

Lkw steckt auf Kreisstraße BGL 12 fest

Am Mittwochmorgen kam es auf der BGL 12 zwischen Teisendorf und Waging zu großen Schneeverwehungen. Ein 33-Jähriger war dann auch noch zu schnell unterwegs und krachte gegen einen Baum. Der Mann wurde verletzt, das Auto wurde stark beschädigt.

In der Nacht zum Donnerstag gab es auf dieser Strecke weiterhin Probleme. Gegen 1.55 Uhr kam dort ein Lastwagen ins Rutschen und stellte sich quer. Erst nach dem Einsatz von Räumfahrzeugen konnte der Lkw aus seiner misslichen Lage befreit werden.

Teisendorfer schleudert von Straße

Am Abend hatte ein Teisendorfer großes Glück, als er bei Schneeglätte ins Schleudern geriet, aufs Bankett kam und über die Straße von der Fahrbahn rutschte. Zum Glück kam in diesem Moment kein Gegenverkehr. Deswegen wurden auch nur Begrenzungspfosten und das Auto beschädigt.

Nissan fliegt über Leitplanke auf Tankstellen-Gelände

Ein 38-jähriger Rosenheimer ist am Abend gegen 20.10 Uhr auf der A8 bei Piding mit seinem Nissan-Pickup nach rechts von der Fahrbahn abgekommen und auf die abgesenkte Leitplanke aufgefahren. Der Wagen flog durch die Luft und kam wie durch ein Wunder auf dem ehemaligen Tankstellengelände wieder auf allen vier Rädern am Boden auf. Der Mann kam mit dem Notarzt ins Salzburger Unfallkrankenhaus.

Bilder vom Schneechaos in Bayern:

Bilder: Vom Schnee verweht - Verkehrschaos in Bayern

Lawinenlage nicht absehbar:

Florian Seebacher von der Lawinenkommission bei Radio Charivari:

o-ton

Ob sich die Lawinenlage in der Region in den nächsten Tagen entspannen wird, ist nicht absehbar. Das sagte Florian Seebacher von der Lawinenkommission Oberaudorf im Interview bei Radio Charivari. Entscheidend dafür ist die Wetterlage. Regnet es oder steigen die Temperaturen an, steigt auch die Lawinengefahr weiter an. Auch selbstauslösende Lawinen sind dann möglich, so Seebacher. Wie berichtet, herrscht in den heimischen Bergen derzeit Lawinenwarnstufe 3 bzw. 4.

mw / Pressemeldungen Polizei / Radio Charivari / Oberbayerisches Volksblatt / Pressemeldung BRK

Quelle: rosenheim24.de

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