Ludwig W. aus Wasserburg erstattet Anzeige

Folteropfer? "Glauben an Menschheit verloren"

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Der Reitmehringer Ludwig W. bezeichnet sich öffentlich als Folteropfer, hat nun bei der Polizei Wasserburg Strafanzeige erstattet. Unter anderem gegen den Freistaat Bayern und die Bundesrepublik Deutschland.

Wasserburg - Er ist in München geboren und lebt seit vielen Jahren in Wasserburg. Ludwig W. ist im Stadtteil Reitmehring daheim, fühlt sich als Folteropfer und hat nun Strafanzeige bei der Polizei erstattet.

"Ich habe den Glauben an die Menschheit verloren und fühle mich als Folteropfer" erklärt Ludwig W. Seit vielen Jahren schon "kämpft" er gegen Behörden und den Freistaat Bayern sowie die Bundesrepublik Deutschland - und sieht auch keine Barriere, vor den internationalen Strafgerichtshof in Genf zu ziehen. "Bei mir wurden Verbrechen gegen die Menschlichkeit begangen", erzählt W. und verweist auf den Paragraphen 129 A des Strafgesetzbuches.

Sein Lebenslauf sei zerstört, ebenso sein Leumund. "Ich habe auch eine Petition eingereicht beim Bayerischen Landtag", fügt der studierte Diplom-Ingenieur im Gespräch mit wasserburg24.de hinzu.

Vor wenigen Tagen hat er einen Punkt schriftlich ergänzt. Betitelt hat er seine Eingabe folgendermaßen: "Was ist der Bearbeitungsstand hinsichtlich menschlich-zeitgemäßer Versorgung der bayerischen Folteropfer aus den örtlichen Psychiatrien und Forensiken...?". 

Der Rückblick der Vorwürfe

Ludwig W. wirkt äußerst belesen und klug. Der Diplom-Ingenieur betont, dass er mit seinem Schild in der Altstadt von Wasserburg sitze, weil er aufmerksam machen will. Er bettelt nicht, er belästigt keine Bürger, er sitzt da und ist still, möchte Zeichen setzen. "Ich habe nichts zu essen und trotzdem ist für mich scheinbar keine Behörde zuständig", wettert W. auf Nachfrage von wasserburg24.de.

Die Stadt Wasserburg erhält keine Vorwürfe von dem Mann, wohl aber der Landkreis Rosenheim, das Jobcenter, das Sozialamt, der Freistaat Bayern. Er sei auch schon einige Male stationär im Bezirksklinikum gewesen, hier seien Ärztliche Gutachten "unter Anwendung von Folter" erstellt worden, so Ludwig W. Warum er im Bezirkskrankenhaus gewesen sei, beantwortet er schlicht mit "es gab Ungereimtheiten". Dies könne er sich nicht gefallen lassen.

"Es kann doch nicht sein, dass der Bundespräsident das Behandlungszentrum für Folteropfer besichtigt, aber die heimischen Folteropfer teilweise total übersehen werden", bemerkt Ludwig W. weiter.

Seit seinen Eingaben als Petent (also als derjenige Bürger, der die Petition eingereicht hat) bei der Bayerischen Staatsregierung und den Vorwürfen, die er erhebt, kamen keine Rückmeldungen, wer sich nun zuständig fühle. "Ich werfe Bayerischen Bediensteten vor, dass sie mich gefoltert haben", wiederholt sich der Reitmehringer.  

Das sagt die Polizei dazu

Nachgefragt bei der Polizei in Wasserburg bestätigt der Dienststellenleiter Markus Steinmaßl, dass Ludwig W. Strafanzeige gestellt hat. "Über den Inhalt der Anzeige kann ich keine Auskunft geben", bittet Steinmaßl um Verständnis.

Wohl aber bestätigt der Polizeihauptkommissar, dass Ludwig W. nichts zur Last gelegt werden könne, wenn er mit seinem "Folteropfer"-Schild im Stadtgebiet Wasserburg sitzt oder umhergeht. Dies sei mit der freien Meinungsäußerung vereinbar und rechtlich unbedenklich, so Steinmaßl auf Nachfrage von wasserburg24.de.

Es sei rechtlich auch nicht als Versammlung zu werten, wenn der Reitmehringer im Stadtgebiet in dieser Art und Weise stehe, sitzte oder umhergehe.

Die Polizei sehe derzeit keinen Handlungsbedarf gegen W. Die getätigte Strafanzeige des Reitmehringers werde nun zur Prüfung des Sachverhalts an die Staatsanwaltschaft übergeben, so Markus Steinmaßl weiter.

Der "Plan"

Der Diplom-Ingenieur macht keinen Hehl daraus, dass er sich ungerecht behandelt, in extremster Weise gefoltert und völlig unverstanden fühlt.

Welche Folterverletzungen er davon trage? fragte wasserburg24.de-Reporterin Regina Mittermair den 48-Jährigen. Eine konkrete Antwort fehlte, doch die Bemerkung, dass der Lebenslauf völlig durch diese Folter zerstört sei, betont der Mann immer wieder.

Seelische und Körperliche Wunden würden tief sitzen, so W. Er erinnert sich, dass auch seine Vorfahren, Großvater und Urgroßvater zutiefst verletzt worden seien, dass ein Vorfahren vom eigenen Land "zu Tode gefoltert worden" wäre und es nie Entschädigungen in bestimmten Fällen gegeben habe.

Er erinnert an die Kriegs- und Nachkriegszeit und bringt diese Grausamkeiten auch noch in Verbindung mit seinen Folterleiden.

"Darum möchte ich jetzt diese eigentlich nicht stimmige Kombination des Hitlergrußes mit meinem deutlichen Schild und der Botschaft Folteropfer öffentlich darstellen, damit man zum Nachdenken kommt, dass hier in der Vergangenheit schon so viel Folter am eigenen Volk passiert ist", heißt es von W. abschließend. Nahe dem Verkehrskreisel im Bereich vor dem Bezirksklinikum möchte er am Mittwochvormittag diese stille Aktion abhalten.

Dies jedoch sei nach Aussagen der Polizei nicht erlaubt und auch nicht unbedingt der Satiremöglichkeit zuzuschreiben.

Dennoch möchte sich der Reitmehringer seiner Ansicht nach für "mehr Gerechtigkeit" einsetzen. "Nach derzeitigem Stand ist keine Fremd- und Eigengefährdung zu erkennen", heißt es von Polizeihauptkommissar Markus Steinmaßl im Gespräch mit wasserburg24.de abschließend.

Quelle: wasserburg24.de

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