Wasserburg bringt Verbot von Zirkus-Wildtieren auf den Weg

Kontroverse Diskussion: "Kamele nein, Pferde ja?"

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Im Wasserburger Rathaus diskutierte der Haupt- und Finanzausschuss kontrovers über das Verbot von Zirkus-Wildtieren.

Wasserburg – Bei der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses ging es tierisch zu. Dem Antrag der Grünen, Zirkusse mit Wildtieren künftig nicht mehr begrüßen zu wollen, wurde zugestimmt.

"Wildlebend" schließe alle Tiere mit ein, die normalnicht in menschlicher Obhut gehalten werden. Folglich möchte die Stadt Wasserburg Zirkusse, die Tiger, Löwen, Elefanten, Kamele, Tanzbären, Giraffen oder Nashörner halten, künftig nicht mehr aufnehmen. Der Antrag wurde vom Haupt- und Finanzausschuss am Donnerstagabend letztendlich einstimmig angenommen. Zuvor gab es aber eine kontroverse Diskussion darüber, welche Tiere das Verbot einschließen sollte und ob eine artgerechte Tierhaltung im Zirkus überhaupt möglich ist.

Die Diskussion

Auf die Frage, welche Zirkustiere in Wasserburg ausgeschlossen werden sollten, erklärte Bürgermeister Michael Kölbl (SPD), dass „die fraglichen Tierarten in einer vom Bundesrat vorgeschlagenen Liste aufgeführt sind.“ Die Liste umfasse alle Tiere, die normal nicht in Obhut menschlicher Hand gehalten werden.

Mit der konsequenten Umsetzung dieser Liste waren aber nicht alle Stadträte einverstanden. Der Zirkus Boldini beispielsweise, der bereits öfter an der Alkorstraße seine Zelte aufgeschlagen hat, habe laut Werner Gartner (SPD) einen "pädagogisch sehr wertvollen Hintergrund. Wenn durch das Verbot dieser Zirkus nicht mehr kommen dürfte, nur weil er Kamele mit sich führt, wäre ich gegen das Verbot." 

Laut Christian Stadler (B90/Grüne) müsse letztendlich die Stadt entscheiden, welchen Zirkussen sie die Genehmigung geben wolle. Trotz des Antrags der Grünen gab Stadler aber zu bedenken, dass er es schade finden würde, "wenn die Zirkusse auf den Altlandkreis ausweichen würden, weil wir ihnen wegen nur einem Wildtier die Genehmigung entziehen. Kein Zirkus wird seine Tiere abschaffen, weil die Stadt Wasserburg keine Wildtiere wünscht." 

Einen weiteren Punkt warf anschließend Werner Gartner (SPD) in die Runde: „Die Frage ist, ob es überhaupt tiergerechte Zirkushaltung gebe. Warum sollten wir bei Kamelen verbieten, ihre Kunststücke vor Publikum vorzuführen, aber bei Pferden erlauben?“ Dem stimmte Edith Stürmlinger (Bürgerforum) zu: "Es ist inkonsequent zu sagen: Kamele nein, aber Pferde ja?"

Die Entscheidung

Obwohl zahlreiche Ratsmitglieder ihre Bedenken bezüglich der vom Bundesrat vorgeschlagenen Wildtierliste äußerten, stimmte der Ausschuss dem Antrag der Grünen als Kompromiss letztendlich zu. Der Grüne Stadler: "Mit dieser Liste kann ich vorerst leben!"

In der Diskussion wurde aber auch klar, dass sich die Stadt einedeutschlandweite Entscheidung wünsche. „Ich setze auf den Gesetzgeber, dass er sich auch auf Bundesebene für den Schutz der Tiere einsetzt“, erklärte Oliver Winter (CSU). "Wir auf der städtischen Ebene können allein wenig ausrichten." 

Das Verbot von Zirkus-Wildtieren ist in Wasserburg also auf den Weg gebracht. Die endgültige Entscheidung wird dann der Stadtrat selbst treffen.

In der Region erzeugten Wildtiere als Zirkusattraktion bereits mehrfach Widerstand. Gnadenhof oder Zirkusluft? - Im April sorgte bundesweit der Fall von Zirkusbär Ben für Aufsehen. Gegen den Zirkus Knie fanden wegen des Schicksals des Tiers Protestaktionen in Altötting, aber auch Mühldorf und Waldkraiburg statt.

Quelle: wasserburg24.de

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